Bundesgericht stärkt Recht auf Kopftuch bei Sicherheitsjobs
01.02.2026 - 01:51:11Ein privater Sicherheitsdienst darf einer Bewerberin das Tragen eines Kopftuchs nicht pauschal verbieten. Das entschied das Bundesarbeitsgericht und setzt damit hohe Hürden für Neutralitätsregeln in Unternehmen.
Der Fall betraf eine Muslima, die sich 2025 als Luftsicherheitsassistentin am Flughafen beworben hatte. Das Unternehmen, ein Auftragnehmer der Bundespolizei, lehnte sie nach Einsicht ihres Lebenslaufs ab – auf dem Bewerbungsfoto trug sie ein Kopftuch. Zunächst verwies die Firma auf Lücken im Lebenslauf, später auf eine angebliche staatliche Neutralitätspflicht, die ein Verbot religiöser Symbole rechtfertige.
Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht. Es sah hinreichende Anhaltspunkte für eine Diskriminierung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Die Beweislast lag damit beim Arbeitgeber, der eine Rechtfertigung für die Ungleichbehandlung erbringen musste – was ihm nicht gelang. Das Urteil bestätigte frühere Entscheidungen der Hamburger Arbeitsgerichte, die der Klägerin bereits eine Entschädigung von 3.500 Euro zugesprochen hatten.
Passend zum Thema Arbeitgeberrecht: Veraltete Vertragsklauseln und unklare Dresscode-Regeln können schnell zu teuren Rechtsstreitigkeiten führen. Ein kostenloses E‑Book „Der Arbeitsvertrag – Klauseln, Pflichten und Musterbeispiele“ erklärt, welche Formulierungen rechtssicher sind, liefert 19 fertige Musterformulierungen und zeigt, wie Sie Bußgelder bis 2.000 € vermeiden. Ideal für Personaler und Geschäftsführer, die Neutralitätsregeln und Dresscodes rechtssicher gestalten wollen. Jetzt kostenloses E‑Book Arbeitsvertrag herunterladen
Abstrakte Konfliktgefahr reicht nicht aus
Kern der Verteidigung war die Behauptung, das Sicherheitspersonal agiere wie „Amtsträger“ und müsse strikt neutral erscheinen. Sichtbare religiöse Symbole könnten zudem angespannte Situationen bei Kontrollen verschärfen.
Die Richter des Achten Senats wiesen diese Begründung zurück. Das Nichttragen eines Kopftuchs stelle keine „wesentliche und entscheidende berufliche Anforderung“ für die Tätigkeit dar. Es fehle jeder objektive Nachweis, dass Kopftücher bei Sicherheitskräften tatsächlich zu mehr Konflikten mit Passagieren führen. Eine abstrakte Gefahr reiche nicht aus, um in die grundgesetzlich geschützte Religionsfreiheit einzugreifen. Unternehmen können sich nicht auf hypothetische Szenarien oder unbegründete Befürchtungen stützen.
Klare Grenzen für Neutralitätsregeln
Das Urteil hat Signalwirkung für viele deutsche Unternehmen, besonders im kundennahen Bereich. Es bestätigt: Der Wunsch nach einem neutralen Erscheinungsbild rechtfertigt allein noch kein pauschales Verbot religiöser Symbole. Arbeitgeber müssen eine konkrete betriebliche Notwendigkeit nachweisen. Eine undifferenzierte Allgemeinregel gilt als diskriminierend.
Rechtsexperten sehen klargestellt: Die strengen Neutralitätsanforderungen für Beamte wie Polizisten oder Richter gelten nicht automatisch für Angestellte privater Firmen – auch nicht bei hoheitlichen Aufgaben. Jede Einschränkung religiöser Kleidung muss eng auf den konkreten Job zugeschnitten und sachlich begründet sein.
Ausblick: Überprüfung der Betriebsregeln nötig
Nach dem Grundsatzurteil sollten Unternehmen ihre Dresscodes und Neutralitätsrichtlinien überprüfen. Vage, pauschale Verbote religiöser Symbole ohne konkreten, evidenzbasierten Grund sind angreifbar geworden. Künftige Rechtsstreite werden sich darauf konzentrieren, was eine „wesentliche berufliche Anforderung“ genau ausmacht.
Die Entscheidung stärkt die Position von Beschäftigten und Bewerbern, die ihre Religion sichtbar leben. Sie sendet eine klare Botschaft: Annahmen und pauschale Ängste sind kein valider Grund für den Ausschluss vom Arbeitsmarkt.
PS: Unternehmen sollten Dresscodes und Neutralitätsrichtlinien jetzt überprüfen – mit rechtssicheren Vertrags- und Klauselvorlagen lassen sich Diskriminierungsklagen vermeiden. Das kostenlose E‑Book bietet aktuelle Musterformulierungen, Praxistipps und eine Checkliste für diskriminierungsfreie, rechtssichere Regelungen, die Personaler sofort anwenden können. Kostenlose Muster-Formulierungen herunterladen


