Anthropic zahlt 1,4 Milliarden Euro für Urheberrechtsverletzungen
20.01.2026 - 14:13:12Der KI-Riese Anthropic muss sich mit Autoren und Verlagen für die unrechtmäßige Nutzung von Büchern einigen. Die historische Einigung setzt einen neuen Maßstab im Streit um KI-Trainingsdaten.
Die Einigung ist ein Wendepunkt für die Kreativbranche. Sie stellt die bislang größte Entschädigungssumme in einem Urheberrechtsfall dar und sendet ein klares Signal an die Tech-Industrie. Bis zum 29. Januar müssen sich die Berechtigten zur Teilnahme entscheiden.
Einigung mit Signalwirkung
Der Vergleich in Höhe von umgerechnet 1,4 Milliarden Euro löst die Sammelklage Bartz v. Anthropic PBC auf. Das Geld fließt an Autoren, deren Werke in illegalen Datensätzen wie „Books3“ genutzt wurden, um die KI-Modelle Claude zu trainieren. Geschätzt 500.000 Buchtitel sind betroffen.
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Pro Werk sollen die Rechteinhaber etwa 2.800 Euro erhalten. Dieser Betrag liegt deutlich über früheren Digital-Vergleichen. „Er spiegelt den hohen Wert hochwertiger Buchdaten für das KI-Training wider“, kommentieren Juristen. Die Auszahlung ist egalitär gestaltet: Jedes qualifizierte Werk erhält denselben Betrag, unabhängig von seinem kommerziellen Erfolg.
Zusätzlich zur Zahlung muss Anthropic die rechtswidrigen Datensätze aus seinem Trainingsprozess entfernen und vernichten. Der Authors Guild begrüßt diesen Schritt als wesentlich, um den Urheberschutz im KI-Zeitalter wiederherzustellen.
Herausforderung für Verlage und Unis
Neben einzelnen Autoren sind auch zahlreiche Verlage und Universitäten betroffen. Der Vergleich stellt viele kleinere Häuser vor administrative Herausforderungen. Sie müssen bis zur Frist prüfen, welche Titel ihrer Kataloge in den Massendatensätzen gelandet sind.
Für regionale Verlage und Universitätsverlage könnte die Entschädigung eine wichtige finanzielle Stütze sein. Die Einnahmen aus dem Backlist-Geschäft sind oft gering. Doch der Aufwand, die Urheberschaft für ältere Titel nachzuweisen, bleibt hoch. Experten raten dringend, die bereitgestellte „Werksliste“ des Vergleichsverwalters zu prüfen.
Neuer Preismaßstab für die Branche
Der Vergleich wirkt wie ein Präzedenzfall und beeinflusst laufende Verfahren gegen andere Tech-Konzerne. Eine Analyse der Anwaltskanzlei Cleary Gottlieb sieht darin eine neue Messlatte für Schadensersatz in KI-Urheberrechtsfällen.
Die Dynamik ist bereits spürbar: Am 16. Januar kündigten große Verlage wie Cengage Group und Hachette Book Group an, sich in eine ähnliche Klage gegen Google wegen dessen KI Gemini einzuklagen. Sie wollen den Erfolg des Anthropic-Vergleichs wiederholen.
De facto setzt die Einigung einen „Preisboden“ für KI-Trainingsdaten. Die Summe von rund 2.800 Euro pro Buch dient künftig als Referenzwert für Lizenzverhandlungen und mögliche Gerichtsverfahren.
Auszahlung ab 2026 geplant
Nach Ablauf der Einspruchsfrist am 29. Januar strebt das Gericht noch in diesem Jahr eine endgültige Genehmigung an. Die Auszahlung soll dann gestaffelt erfolgen.
Laut Plan des Authors Guild wird die erste Tranche in Höhe von 280 Millionen Euro kurz nach der endgültigen Genehmigung fließen. Weitere Zahlungen sind bis Ende 2027 vorgesehen. Dieser gestaffelte Plan hilft Anthropic, die finanzielle Belastung zu managen.
Wichtig ist: Der Vergleich deckt nur die vergangene Nutzung der spezifischen Raubkopie-Daten ab. Er gewährt Anthropic keine Lizenz für die künftige Nutzung dieser Werke. Viele KI-Firmen verhandeln daher bereits direkt mit Verlagen, um künftige Millardenklagen zu vermeiden. Die Ära des ungefragten Datensammelns für KI scheint vorbei.
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