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Medizinische Gründe: Nasa holt ISS-Crew vorzeitig zurück

08.01.2026 - 23:28:31

Die Nasa holt wegen eines medizinischen Problems eines Astronauten eine Besatzung vorzeitig zurück zur Erde. Ein Novum in der ISS-Geschichte. Mars-Flügen hätten ein sehr großes Risiko, so ein Experte.

  • Der ehemalige Esa-Chef Jan Wörner hält das gesundheitliche Risiko von Marsflügen für sehr hoch. (Archivbild) - Foto: Soeren Stache/dpa

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  • Die Nasa muss eine Crew aus medizinischen Gründen vorzeitig zurück zur Erde holen. (Archivfoto) - Foto: -/Roscosmos State Space Corporation via AP/dpa

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Der ehemalige Esa-Chef Jan Wörner hält das gesundheitliche Risiko von Marsflügen für sehr hoch. (Archivbild) - Foto: Soeren Stache/dpaDie Nasa muss eine Crew aus medizinischen Gründen vorzeitig zurück zur Erde holen. (Archivfoto) - Foto: -/Roscosmos State Space Corporation via AP/dpa

Erstmals in der Geschichte der Internationalen Raumstation ISS holt die US-Raumfahrtbehörde Nasa eine vierköpfige Astronauten-Besatzung wegen gesundheitlicher Probleme eines Crew-Mitglieds vorzeitig zurück zur Erde. Der Rückflug sei für «die kommenden Tage» geplant, teilte die Nasa bei einer Pressekonferenz mit. Ein genauer Zeitplan solle so bald wie möglich bekannt gegeben werden.

«Ich bin zu der Entscheidung gekommen, dass es im besten Interesse unserer Astronauten ist, die Crew 11 vor ihrem geplanten Abflug zurückzubringen», sagte der neue Nasa-Chef Jared Isaacman. Man sei auf derartige Situationen immer vorbereitet. 

Nasa-Chef-Mediziner: «Kein Notfall»

Zur Identität des Crew-Mitglieds und zu Details der gesundheitlichen Probleme wollte sich die Nasa nicht äußern. Es habe aber nichts mit der Arbeit der Crew an Bord der ISS zu tun und es handle sich auch nicht um einen Notfall, sagte der Chef-Mediziner der Nasa, James Polk. Das Crew-Mitglied sei in stabilem Zustand. «Es bleiben Risiken und Fragen zur Diagnose. Das bedeutet, dass ein Risiko für den Astronauten an Bord bleibt.» Die Gesundheit und das Wohlergehen des Astronauten zu gewährleisten, habe Vorrang, betonte er. 

Medizinische Probleme wie beispielsweise Zahnschmerzen habe es bei Astronauten der ISS immer mal wieder gegeben. Vieles könne vor Ort behandelt werden. «Wir haben ein großes Angebot an Medizintechnik an Bord der Internationalen Raumstation. Aber wir haben nicht das komplette Angebot an Medizintechnik, das ich beispielsweise in einer Notaufnahme hätte», sagte Polk weiter. In dieser bestimmten Situation sei es am besten, die medizinische Aufarbeitung des Falls auf der Erde fortzusetzen. 

Während so etwas in der Geschichte der ISS noch nie vorgekommen ist, gab es 1985 einen vergleichbaren Fall an Bord der sowjetischen Raumstation Saljut-7. Weil Kosmonaut Wladimir Wasjutin mit gesundheitlichen Problemen an der Prostata kämpfte, kehrte seine Crew vier Monate vor dem geplanten Abschluss der Mission zur Erde zurück. 

Esa-Experte: Flüge zum Mars würden sehr großes Risiko darstellen

Die vorzeitige Rückkehr aus Gesundheitsgründen zeigt nach Einschätzung des früheren Chefs der europäischen Raumfahrtbehörde Esa, Jan Wörner, die Grenzen der astronautischen Raumfahrt. Während Astronauten aus dem niedrigen Erdorbit innerhalb weniger Stunden zur Erde zurückkehren könnten, seien Missionen zum Mond oder Mars im Krankheitsfall mit erheblichen Risiken verbunden, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

«Gesundheit ist ein zentrales und volatiles Gut. Bei den Mondflügen vor mehr als 50 Jahren war der Wettlauf im All die alles treibende Kraft», erinnerte Wörner. «Wenn auf einer Mondexpedition ein plötzlicher Krankheitsfall auftritt, ist die Dauer bis zur Rückkehr in Tagen zu erwarten, bei einem Flug zum Mars kann es unter Umständen fast zwei Jahre dauern.»

Der aktuelle Vorfall zeige einmal mehr, dass Flüge zum Mars mit der heutigen Technologie für Astronauten ein sehr großes Risiko darstellen würden. «Mit dem Instrument KI haben wir aber schon jetzt die Möglichkeit, Planeten besser als je zuvor zu untersuchen und für eine spätere astronautische Mission vorzubereiten, wenn bessere Transportmöglichkeiten verfügbar sind», betonte Wörner.

Nachfolge-Crew könnte nun früher starten

Die Nasa hatte wegen der gesundheitlichen Probleme des Crew-Mitglieds bereits einen für Donnerstag geplanten Außeneinsatz an der ISS kurzfristig abgesagt. An dem Außeneinsatz hätten die US-Astronauten Zena Cardman und Michael Fincke teilnehmen sollen. Sie sind gemeinsam mit dem japanischen Raumfahrer Kimiya Yui und dem russischen Kosmonauten Oleg Platonow seit Anfang August als «Crew 11» an Bord der ISS. Sie sollten eigentlich noch ein paar Wochen dort bleiben. 

Ein weiterer Außeneinsatz war eigentlich für kommende Woche geplant, wird aber nun wohl nicht stattfinden können. Es war der erste Flug ins All für Cardman und Platonow, der zweite für Yui und der vierte für Fincke.

Ebenfalls an Bord der ISS sind derzeit Nasa-Astronaut Christopher Williams und die beiden Kosmonauten Sergej Mikaew und Sergej Kud-Swertschkow. Sie waren im November mit einer Sojus-Rakete zur ISS geflogen und sollen noch bis Sommer bleiben. 

Französische Astronautin Teil der nächsten ISS-Crew

Der Start der Nachfolger für die «Crew 11» war für Mitte Februar geplant und könnte nun vorgezogen werden, hieß es von der Nasa. Die «Crew 12» besteht aus der Nasa-Astronautin Jessica Meir, ihrem Kollegen Jack Hathaway, einer französischen Astronautin der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, Sophie Adenot, und dem Kosmonauten Andrej Fedjajew. 

An Bord der ISS leben und forschen seit rund 25 Jahren Astronauten und Astronautinnen aus der ganzen Welt.

@ dpa.de

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