Deutschland, China

Chinesische Marken legen zu - auf der Straße und auf der IAA

08.09.2025 - 08:24:36

Nie waren so viele chinesische Aussteller bei der Mobilitätsmesse, die am Dienstag in München beginnt - und nie wurden so viele chinesische Autos in Deutschland zugelassen.

Die Automesse IAA Mobility wird dieses Jahr so chinesisch wie noch nie. 116 Aussteller von dort haben sich angemeldet, wie es kurz vor der für Dienstag geplanten Eröffnung vom Veranstalter, dem Verband der Automobilindustrie (VDA), heißt. Abgesehen von Deutschland kommen aus keinem anderen Land auch nur annähernd so viele Unternehmen zu der weltweit beachteten Mobilitätsmesse. Insgesamt sind es den noch vorläufigen Zahlen kurz vor dem Start zufolge 748, von denen 57 Prozent aus dem Ausland kommen - auch das ein Rekord. 

Und es sind nicht nur kleine Zulieferer, sondern immer mehr Autohersteller, die auf die Messe drängen. Das mache die IAA 2025 «zur vielfältigsten Plattform für Automobilkonzerne in ihrer Geschichte», heißt es vom VDA. Das ist die positive Interpretation. Die negative ist, dass die Position der deutschen Konzerne inzwischen auch beim Heimspiel IAA schwächer wird - wie auch in den weltweiten Automärkten.

Marktanteil etwa verdoppelt

China ist hier das Musterbeispiel: Lange trieb der Verkauf ihrer Autos dort die Zahlen der deutschen Hersteller voran, inzwischen schwächeln sie dort durch die Bank und verlieren Absatz und Marktanteile. Auf dem deutschen Automarkt war das bisher kaum Thema. Dort dominieren die hiesigen Konzerne, während chinesische Marken kaum Fuß fassen können.

Doch auch hier könnte etwas in Bewegung gekommen sein, denn die Zahlen steigen, wie ein Blick in die Neuzulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes zeigt: Mehr als 35.000 chinesische Autos im engeren Sinne weist sie von Januar bis August aus. Das mag im Vergleich zum Gesamtmarkt von 1,87 Millionen Autos wenig sein - gerade einmal 1,9 Prozent - doch der Anteil hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum etwa verdoppelt.

Und zählt man auch die zum chinesischen Konzern Geely gehörenden Marken Volvo und Polestar mit, sind es sogar über 4 Prozent - mehr als etwa die bekannten Fabrikate Toyota und Tesla zusammen. 

BYD hat Neuzulassungen mehr als verfünffacht

Bisher war es vor allem MG Roewe, das die Zahlen der chinesischen Hersteller im engeren Sinne trieb - möglicherweise auch dank des aus Großbritannien übernommenen Namens MG, der Kunden kaum an China denken lässt. Mit mehr als 15.600 Neuzulassungen in den ersten acht Monaten ist es auch weiter die Nummer eins bei den chinesischen Marken in Deutschland. Doch inzwischen spielt auch Elektroschwergewicht BYD eine zunehmende Rolle und hat seine Neuzulassungen gegenüber dem Vergleichszeitraum 2024 mehr als verfünffacht - auf gut 8.500.

Noch werden die chinesischen Marken hierzulande von mehreren Aspekten gebremst. Neben Zöllen auf Elektroautos, Imagefragen und Vorbehalten der in Sachen Marken oft konservativen Kunden ist es auch das fehlende oder dünne Händlernetz, auf das Experten wie Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft, verweisen. Ihm zufolge hatte beispielsweise BYD im Frühjahr noch keine 30 Händler in Deutschland, MG Roewe rund 150 und Xpeng aktuell 35. Zum Vergleich: Bei den großen deutschen Marken sind es in der Regel mehrere Hundert Vertriebsstandorte: rund 700 bei VW, um die 400 bei BMW, etwa 300 bei Audi und knapp 400 bei Mercedes. 

Europaweit sind die chinesischen Marken stärker

Die deutschen Hersteller sollten sich aber nicht darauf verlassen, dass das so bleibt. Eine Verdopplung - wenn auch auf niedrigem Niveau - ist eine Verdopplung; und weitet man den Blick auf ganz Europa, liegt der Anteil der chinesischen Marken bereits deutlich höher: Im ersten Halbjahr waren es mehr als fünf Prozent, wie eine Analyse des Marktbeobachters Jato Dynamics ergab, die allerdings auch Marken berücksichtigte, die das KBA mangels Neuzulassungsvolumen in Deutschland nicht einzeln ausweist. 

Die deutschen Marken halten durchaus dagegen - neue Fahrzeuge wie BMWs iX3, den die Münchner auf der IAA präsentieren, haben auch China im Blick. Aber auch die chinesischen Hersteller kommen voller Selbstbewusstsein nach München und bringen unter anderem Pläne für teils sehr viel günstigere Elektroautos mit. 

Der Datenspezialist Inovev bringt es auf den Punkt und schreibt: Die IAA 2025 werde ein «deutsch-chinesischer Kampf um die Vorherrschaft im Bereich der Elektrofahrzeuge». Abschreiben sollte man die deutschen Marken auf ihrem Heimatmarkt dabei auf keinen Fall: In den vergangenen Jahrzehnten wurde immer wieder vor neuer ausländischer Konkurrenz gewarnt - sei sie aus Japan, aus Korea oder Tesla. Die Hackordnung nachhaltig geändert hat dabei keiner.

@ dpa.de

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