Zoll-Merkblatt, Regeln

Zoll-Merkblatt 2026: Neue Regeln für den Außenhandel

14.01.2026 - 00:33:12

Das deutsche Zollrecht wird 2026 digitaler und anspruchsvoller. Die neue Zollfibel bringt strengere Datenpflichten und zentrale Online-Pfade für Unternehmen.

Berlin – Für den deutschen Außenhandel beginnt das Jahr mit weitreichenden Neuerungen. Die Generalzolldirektion hat das aktualisierte „Merkblatt zu Zollanmeldungen“ (MZSW 2026) veröffentlicht. Es gilt seit dem 1. Januar und löst die Version aus dem Vorjahr ab. Die Überarbeitung zielt darauf ab, Prozesse zu straffen und die Vorgaben der digitalen Unionszollkodex (UCC)-Ära umzusetzen. Die umfassendste Änderung betrifft das Kapitel zum Neuen Computerisierten Transitsystem (NCTS). Für Importeure, Exporteure und Speditionen ist die Fibel ein unverzichtbarer Leitfaden für die korrekte Abwicklung ihrer Geschäfte.

Das Merkblatt ist die Arbeitsgrundlage für Zollanmeldungen, summarische Ein- und Ausfuhr-Anmeldungen sowie Wiederausfuhrmitteilungen. Die Zollverwaltung weist jedoch darauf hin, dass für elektronische Anmeldungen stets die Verfahrensanweisungen des ATLAS-Systems Vorrang haben. Die Veröffentlichung fällt in eine Phase tiefgreifender Modernisierungen im europäischen Zollrecht, die Unternehmen zu ständiger Anpassung zwingt.

Der Schwerpunkt der Neufassung liegt auf der vollständigen Überarbeitung der Formalitäten im Zolltransitverfahren. Diese spiegelt den Übergang zu NCTS Phase 5 wider, der schärfere Datenanforderungen mit sich bringt.

Konkret bedeutet das: Bei Transitdeklarationen ist nun zwingend der sechsstellige Harmonisierte System (HS)-Code für die Waren anzugeben. Vereinfachungen wie die pauschale „9DFI“-Codierung, die eine genaue Warennummer überflüssig machte, sind nicht mehr zulässig. Unternehmen müssen daher sicherstellen, dass die korrekte Zolltarifnummer nicht nur für Ein- und Ausfuhren, sondern auch für Transitvorgänge ermittelt wird. Experten warnen vor einem erheblichen Anpassungsbedarf in der Datenverwaltung. Die Daten aus der Ausfuhranmeldung müssen nahtlos in die Transiterklärung einfließen. Das Ziel der Behörden: bessere Datenqualität, präzisere Risikoanalysen und einheitlichere Verfahren.

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Digitalisierung: Zoll-Portal wird Pflicht für Exporteure

Ein weiterer, entscheidender Schritt in die digitale Zukunft betrifft den Export. Ab dem 17. März 2026 ist der Dienst „Internet-Ausfuhranmeldung-Plus“ (IAA-Plus) ausschließlich über das offiziöse Zoll-Portal erreichbar. Der bisherige Direktzugang über den Browser entfällt.

Für alle Nutzer des IAA-Plus-Systems wird damit ein Geschäftskundenkonto im Zoll-Portal zur Pflicht. Zur Authentifizierung muss dieses Konto mit einem gültigen ELSTER- oder eIDAS-Zertifikat verknüpft sein. Eine einfache Registrierung mit E-Mail und Passwort genügt nicht mehr. Die EORI-Nummer dient als zentraler Identifikator; pro EORI-Nummer ist nur ein Geschäftskonto zulässig. Unternehmen, die IAA-Plus seit Mitte 2024 ohne Portal-Konto nutzen, sollten am 2. Februar 2026 eine E-Mail mit einem vereinfachten Registrierungslink erhalten haben. Die Maßnahme zentralisiert und sichert die Zollabwicklung, erfordert aber rechtzeitiges Handeln, um Exportstaus zu vermeiden.

Großreformjahr 2026: Ein Bündel an Neuerungen

Das neue Merkblatt ist nur ein Puzzleteil in einem Jahr umfassender Zollreformen. Gemeinsam erhöhen sie die Compliance-Anforderungen, sollen aber auch ein moderneres, einheitlicheres Zollumfeld in der EU schaffen.

Eine der wichtigsten Neuerungen ist die Einführung von ATLAS 10.2 am 28. Februar 2026. Diese Software-Aktualisierung bringt das neue IT-Verfahren für die Zentralisierte Abfertigung für die Einfuhr (CCI) mit sich – eine wesentliche Vereinfachung gemäß Unionszollkodex. Parallel tritt eine neue gesetzliche Regelung (§21b UStG) in Kraft, die die umsatzsteuerliche Behandlung der zentralisierten Abfertigung klärt.

Zudem steht der E-Commerce vor einem Umbruch. Die seit Langem bestehende Mehrwertsteuer-Befreiung für Importe unter 150 Euro wird voraussichtlich ab Juli 2026 abgeschafft. Diese Reform soll EU-Händlern zu einem faireren Wettbewerb verhelfen und die Zollabwicklung für Kleinsendungen grundlegend verändern. Diese übergreifenden Reformen verlangen von Unternehmen einen ganzheitlichen Blick auf ihre Zollstrategie.

Ausblick: Mehr Aufwand für mehr Effizienz?

Die Neuerungen des Merkblatts und die begleitenden Rechtsänderungen stellen den Außenhandel vor Herausforderungen. Die verschärften Datenanforderungen, besonders bei Transitverfahren, erfordern Investitionen in Prozessoptimierung und Mitarbeiterschulung. Unternehmen, Zolldienstleister und Software-Anbieter müssen ihre Systeme an die neuen ATLAS-Versionen und Datenvorgaben anpassen.

Langfristig könnte die fortschreitende Digitalisierung jedoch zu mehr Effizienz und Transparenz führen. Zentrale Plattformen wie das Zoll-Portal und Verfahren wie die CCI vereinfachen die Interaktion mit den Behörden über Ländergrenzen hinweg. Um diese Vorteile zu nutzen, ist proaktives Handeln gefragt: Portal-Konten einrichten, Mitarbeiter schulen und interne Datenmanagementsysteme auf den Prüfstand stellen. Das Jahr 2026 markiert eine Zäsur in der deutschen Zollabwicklung – und verlangt allen Beteiligten in der globalen Lieferkette erhöhte Aufmerksamkeit ab.

@ boerse-global.de