Workday und Co. starten autonome KI-Agenten für die Personalarbeit
01.01.2026 - 00:44:12Führende HR-Tech-Anbieter treiben die Automatisierung ganzer Prozesse voran, was zu Jobveränderungen und neuen regulatorischen Anforderungen führt.
2026 beginnt mit einer Zeitenwende in der Personalabteilung: Statt simpler Chatbots übernehmen nun autonome KI-Agenten komplexe Workflows vom Recruiting bis zur Gehaltsabrechnung. Deutsche Unternehmen stehen vor der größten HR-Transformation seit einem Jahrzehnt.
Führende HR-Tech-Anbieter wie Workday, Salesforce und ServiceNow haben in den letzten Dezembertagen 2025 ihre Roadmaps für diese „Agentic AI“ vorgestellt. Der Unterschied zu bisherigen Tools ist fundamental. Während KI 2024 vor allem Texte schrieb oder Meetings zusammenfasste, planen und exekutieren die neuen Agenten mehrstufige Prozesse eigenständig – von der Zielvorgabe bis zum Abschluss.
Vom Assistenten zum autonomen Akteur
„Die experimentelle Phase ist vorbei“, fasst es eine Trendanalyse des Fachmagazins People Matters vom 31. Dezember zusammen. Organisationen wechseln demnach von der „KI-Einführung“ zu „agentischen Betriebsmodellen“. Ein Recruiting-Agent bekommt das Ziel „Besetze die Senior-Developer-Stelle“ und erledigt den Rest: Er durchsucht Datenbanken, identifiziert Kompetenzlücken, formuliert personalisierte Nachrichten und vereinbart erste Gespräche. Erst bei einer Zusage schaltet er den menschlichen Recruiter ein.
Laut Daten von ADP setzt fast die Hälfte der Großunternehmen solche Agenten bereits für administrative Massenaufgaben ein. Der globale Analyst Josh Bersin spricht in seiner Jahresprognose von „Superagents“ – intelligenten Netzwerken, in denen KI-Agenten untereinander kommunizieren, um fachliche Probleme zu lösen. Ein HR-Agent koordiniert so direkt mit einem IT-Agenten die Bereitstellung von Laptop und Software für einen neuen Mitarbeiter, ohne dass ein Mensch eingreifen muss.
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Tech-Riesen im Wettlauf um die digitale Belegschaft
Der Markt für diese digitale Belegschaft ist hart umkämpft. Die Tech-Giganten positionieren sich als Kommandozentralen für autonome Interaktionen.
- Workday treibt seine „Illuminate Agents“ voran, die Einstellungen beschleunigen und Finanzprozesse straffen sollen. Sie nutzen einen Datenschatz aus über einer Billion jährlicher Transaktionen für kontextuelle Entscheidungen.
- Salesforce erweitert seine „Agentforce“-Plattform. Die Agenten automatisieren Servicenanfragen von Mitarbeitern, die früher die HR-Hotline verstopften. Integriert in Tools wie Slack, beantworten sie komplexe Fragen zu Richtlinien, indem sie mehrere Dokumente analysieren.
- ServiceNow liefert sich mit Salesforce ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die „Mitarbeiter-Schnittstelle“. Das Ziel ist ein einheitliches „Agentic Enterprise“, in dem ein Interface alles von Urlaubsanträgen bis zum IT-Support managed.
Menschliche Folgen: Jobabbau und neue Rollen
Doch der Aufstieg der Agenten wirft drängende Fragen auf. Der People Matters-Bericht warnt, dass 2026 der Beginn „echter Jobverdrängung durch agentische KI“ werden könnte, besonders in Shared Services und Administration.
Gleichzeitig entstehen völlig neue Berufsbilder. Analysen der Business School IMD sagen eine „Verdichtung des Middle Managements“ voraus, bei der berichtsintensive Stellen um 10–20 % schrumpfen könnten. Dagegen explodiert die Nachfrage nach „Agent Auditors“ und „Human-Agent Teaming Leads“. Diese Experten überwachen das Verhalten der autonomen Systeme und stellen sicher, dass sie ethisch und regelkonform handeln.
Vertrauen wird zur kritischen Geschäftskennzahl. Können Mitarbeiter den Entscheidungen ihrer digitalen Kollegen trauen? HR-Verantwortliche rät man heute, weniger auf Prozessoptimierung und mehr auf das „Architektieren von Ökosystemen“ zu setzen, in denen menschliche Zielsetzung und maschinelle Effizienz im Einklang stehen.
Ausblick: Das erste Quartal 2026 entscheidet
Für deutsche Unternehmen kommen mit der Umsetzung im ersten Quartal 2026 zentrale Herausforderungen auf sie zu:
- Regulatorische Hürden: Die volle Wirksamkeit des EU-KI-Gesetzes zwingt zu robusten „Policy-as-Code“-Schutzvorkehrungen. Sie müssen verhindern, dass Agenten bei Einstellungen diskriminieren oder sensible Personaldaten falsch handhaben.
- Daten-Silos: Die verlockende Vision der „Superagents“ scheitert oft an der fragmentierten Datenlandschaft in Unternehmen. Der Erfolg hängt davon ab, ob IT und HR gemeinsam einheitliche Datenmodelle schaffen.
- Neue Kennzahl: Führungskräfte werden zunehmend den „Return on Autonomy“ (RoA) einfordern. Er misst nicht nur gesparte Zeit, sondern vor allem Geschwindigkeit und Qualität der Entscheidungen der digitalen Belegschaft.
Die Botschaft an Personalchefs hierzulande ist eindeutig: Die strategische und zwischenmenschliche Arbeit, die Maschinen nicht ersetzen können, rückt in den Fokus. Doch der Weg dorthin führt über die Automatisierung ganzer Prozesse durch autonome Agenten.
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