Wiener, Wohnen

Wiener Wohnen: Sanierungsoffensive sorgt für Mieterproteste

29.12.2025 - 10:32:12

Eine thermische Sanierung in Wien führt zu deutlich kleineren Fenstern und verärgerten Mietern, während der Stadtrechnungshof schwere Defizite bei der Hausverwaltung offenlegt.

Eine Wohnhausanlage in Wien-Liesing wird zum Symbol für den Konflikt zwischen Klimaschutz und Wohnqualität. Mieter beklagen drastisch verkleinerte Fenster nach einer Sanierung. Gleichzeitig kritisiert der Stadtrechnungshof schwere Mängel bei der Hausverwaltung.

Fenster-Streit in der Hochwassergasse

In der Anlage Hochwassergasse 60 sind die neuen Fenster bis zu 40 Prozent kleiner als die alten. Die Bewohner fühlen sich getäuscht. „Man hat uns eine thermische Sanierung versprochen, aber vom Lichtverlust war nie die Rede“, sagt Mieterin Margarete Bachmann-Unger.

Der Grund für die schmaleren Öffnungen ist technisch: Die dicken Dämmplatten an der Fassade erfordern tiefere Laibungen. Für die Mieter bedeutet das weniger Tageslicht und ein beengteres Raumgefühl. Die Opposition spricht bereits von einem „handfesten Skandal“.

Anzeige

Passend zum Thema Sanierungen und steigende Energiekosten: Vermieter stehen 2025 vor schwierigen Entscheidungen, wenn Heiz- und Betriebskosten neu verteilt werden sollen. Der kostenlose PDF-Report „Betriebskosten 2025“ erklärt in fünf Minuten, welche Kosten umlagefähig sind, welche Vertragsklauseln fehlen können und wie Sie rechtssicher abrechnen – inklusive typischer Fallstricke bei Heizkosten und Dämmmaßnahmen. Praktisch für private und professionelle Vermieter. Jetzt kostenlosen Betriebskosten-Report herunterladen

Stadtrechnungshof stellt „Wiener Wohnen“ schlechtes Zeugnis aus

Der Unmut der Mieter trifft auf massive interne Probleme. Ein aktueller Prüfbericht des Stadtrechnungshofes legt tiefgreifende Defizite bei der größten kommunalen Hausverwaltung Europas offen.

Die Kritikpunkte im Überblick:
* Unübersichtliche Struktur: Ein Wirrwarr aus Abteilungen und Tochterfirmen führt zu Doppelgleisigkeiten.
* Ineffizientes Outsourcing: Ausgelagerte Dienstleistungen wie Call-Center schaffen mehr Chaos als Effizienz.
* Finanzielle Probleme: Die Hausverwaltung kämpft mit Defiziten.

Für die Mieter äußern sich diese Mängel in langen Wartezeiten und undurchsichtigen Zuständigkeiten.

Stadt verteidigt Klima-Kurs und kündigt Digitalisierung an

Die Stadt Wien hält an ihrem Sanierungskurs fest. Die Argumentation: Nur mit dicker Dämmung und neuen Fenstern lasse sich der Heizbedarf um bis zu 80 Prozent senken. Das sei der beste Schutz vor steigenden Energiekosten.

Gleichzeitig reagiert „Wiener Wohnen“ auf die Kritik. Ab dem 1. Jänner 2026 setzt die Verwaltung bei allen Sanierungen auf Building Information Modeling (BIM). Diese 3D-Planungsmethode soll Fehler früher erkennen und die Abläufe transparenter machen.

Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál verweist auf das Investitionsvolumen: 99 Großsanierungen mit einem Gesamtbudget von 1,16 Milliarden Euro sind derzeit in Arbeit.

Der schwierige Spagat der „Sanierungswelle“

Der Konflikt in Wien zeigt ein europäisches Problem: Der Druck, Gebäude klimafit zu machen, trifft auf komplexe Bausubstanz. Bei Nachkriegsbauten führt die nachträgliche Dämmung oft zum „Schießscharteneffekt“ – es sei denn, man versetzt die Fenster aufwändig nach außen, was die Kosten in die Höhe treibt.

Hinzu kommt die schiere Größe von „Wiener Wohnen“. Die Verwaltung von 220.000 Wohnungen ist oft träge und die Kommunikation mit den Mietern leidet. Die technische Bilanz mag stimmen, die Zufriedenheit der Bewohner aber nicht.

Die Sanierung in der Hochwassergasse soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Der Fall bleibt ein Prüfstein. Kann die angekündigte Digitalisierung die Effizienz wirklich steigern? Und wird die Stadt künftig mehr Wert auf architektonische Qualität legen? Die Debatte um die Wohnqualität im Gemeindebau hat gerade erst begonnen.

Anzeige

PS: Mieterunmut, weniger Tageslicht durch Sanierungsmaßnahmen und Debatten um Sanierungskosten zeigen: Vermieter und Verwalter brauchen jetzt verlässliche Marktinformationen. Der kostenlose Mietspiegel-Report 2025 liefert Vergleichsmieten, rechtssichere Begründungshilfen für Mieterhöhungen und konkrete Zahlen, damit Sie Entscheidungen sachlich fundieren und Streitfälle vermeiden. Ideal für Vermieter, Verwalter und alle, die Transparenz bei der Mietgestaltung suchen. Mietspiegel-Report 2025 gratis herunterladen

@ boerse-global.de