WhatsApp verbietet fremde KI-Chatbots – und stößt auf globalen Widerstand
15.01.2026 - 02:21:12Meta schließt Dritt-Anbieter von KI-Assistenten von seiner Business-Plattform aus – doch Kartellbehörden weltweit intervenieren. Das Vorgehen zielt darauf ab, Metas eigene KI zur dominierenden Lösung auf dem Messenger zu machen.
Donnerstag, 15. Januar 2026 – Meta setzt ab heute eine umstrittene Richtlinie durch: Auf der WhatsApp Business Platform sind keine KI-Chatbots von Drittanbietern mehr erlaubt. Das Unternehmen will damit die Nutzererfahrung zentralisieren und den Weg für seinen eigenen Assistenten, Meta AI, ebnen. Doch die Maßnahme stößt sofort auf massiven regulatorischen Widerstand. Kartellwächter in Brasilien, Italien und anderen Regionen haben Meta bereits angewiesen, das Verbot auszusetzen – sie prüfen möglichen unlauteren Wettbewerb.
Die neuen Regeln, erstmals im Oktober 2025 angekündigt, treten offiziell heute für alle Nutzer der WhatsApp Business API in Kraft. Betroffen sind Dienste, bei denen eine Allzweck-KI im Mittelpunkt steht und nicht nur als unterstützendes Feature dient. Damit werden prominente KI-Dienste von Unternehmen wie OpenAI, Microsoft oder Perplexity ausgeschlossen, die WhatsApp bisher als Vertriebskanal nutzten. Obwohl das Verbot technisch aktiv ist, stellen laufende regulatorische Schritte seine flächendeckende Durchsetzung infrage.
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Meta zieht eine klare Grenze. Nicht jede künstliche Intelligenz ist betroffen. Das Verbot zielt speziell auf „Allzweck-KI-Assistenten“ ab – also Dienste mit offenen, konversationsbasierten Fähigkeiten ähnlich ChatGPT oder Google Gemini. Unternehmen, die die API primär für solche breiten KI-Erlebnisse nutzten, verstoßen nun gegen die aktualisierten Nutzungsbedingungen.
Erlaubt bleibt hingegen der „beiläufige oder unterstützende“ Einsatz von KI für geschäftliche Kernprozesse. Eine Reiseagentur, die Buchungsanfragen per Bot bearbeitet, ein Online-Shop, der Bestellstatus automatisiert abfragt, oder eine Bank mit automatisiertem Kontostand-Check – all das ist weiterhin möglich. Hier dient KI als Werkzeug für eine spezifische Geschäftsinteraktion, was Metas Intention für die Business-Plattform entspricht. Der entscheidende Unterschied: Ist die KI das Produkt selbst oder nur ein Werkzeug für ein anderes Produkt?
Strategischer Schachzug: Freie Bahn für Meta AI
Branchenbeobachter deuten die Änderung als strategischen Zug, um Konkurrenz auszuschalten und Meta AI zum einzigen Allzweck-Assistenten auf WhatsApp zu machen. Indem Meta die KI-Landschaft in seinem Ökosystem kuratiert, behält es die Kontrolle über Funktionalität, Daten und künftige Monetarisierungsstrategien.
Das Unternehmen führt mehrere Gründe an, darunter die technische Belastung, die hochvolumige, komplexe Konversationen von Allzweck-Bots für seine Systeme bedeuten. Zudem passen diese offenen KI-Interaktionen nicht in das bestehende Monetarisierungsmodell, das auf strukturierte Geschäftsnachrichten-Vorlagen setzt. Durch die Rückbesinnung auf den ursprünglichen Zweck der API – die direkte Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden – will Meta Betriebsabläufe straffen und seine Kern-Ertragsstrategie stärken. Für KI-Startups wie Luzia und Poke, die eine WhatsApp-first-Strategie verfolgten, bedeutet dies eine existenzielle Bedrohung.
Globaler Gegenwind: Kartellbehörden stellen sich quer
Genau zum weltweiten Inkrafttreten des Verbots formiert sich regulatorischer Widerstand. Brasiliens Wettbewerbsbehörde CADE hat WhatsApp in den letzten 24 Stunden angewiesen, die neuen Bedingungen auszusetzen, und eine formelle Untersuchung eingeleitet. Sie prüft, ob der Schritt Wettbewerber unfair ausschließt und wettbewerbswidriges Verhalten darstellt. Diese Aktion spiegelt Entwicklungen in Europa und Afrika wider.
Bereits im vergangenen Monat erließ Italiens Kartellbehörde AGCM eine einstweilige Anordnung, die Meta zum Aussetzen des Verbots im Land zwingt. Meta ist dem nachgekommen und hat Entwickler informiert, dass Telefonnummern mit italienischer Ländervorwahl (+39) von den neuen Einschränkungen ausgenommen sind. Zudem untersucht die COMESA-Wettbewerbsbehörde, die 21 afrikanische Mitgliedstaaten abdeckt, Meta wegen des Verdachts auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. Die Ermittlungen zeigen eine wachsende Sorge von Regulierern weltweit: Meta könnte seine Dominanz im Messaging-Bereich nutzen, um Innovation und Wettbewerb im jungen KI-Assistenten-Markt zu ersticken.
Fragmentierte Zukunft: Was kommt nach dem Verbot?
Die Zukunft der KI-Integration auf WhatsApp erscheint nun fragmentiert und ungewiss. Für Unternehmen außerhalb von Regionen mit regulatorischen Interventionen gilt das Verbot. Sie müssen ihre KI-Tools sofort überprüfen, um Konformität sicherzustellen. Firmen, die auf Drittanbieter setzten, müssen alternative Lösungen finden oder riskieren die Abschaltung ihrer Dienste. Viele prominente Anbieter, darunter OpenAI und Microsoft, hatten ihren Rückzug von der Plattform bereits vor der Frist angekündigt.
Die laufenden Kartelluntersuchungen in großen Märkten wie Brasilien und der Europäischen Union könnten einen wichtigen Präzedenzfall schaffen. Sollten die Behörden gegen Meta entscheiden, müsste das Unternehmen seine Politik möglicherweise zurücknehmen und die Plattform wieder für Dritt-KIs öffnen. Derzeit ist die globale KI-Landschaft auf WhatsApp gespalten: Nutzer in Italien und Brasilien haben weiter Zugang zu einer breiteren Palette von KI-Tools, während andere auf geschäftsspezifische Bots und Metas eigene KI beschränkt sind. Der Ausgang dieser regulatorischen Schlachten wird entscheiden, ob WhatsApp ein geschlossenes Ökosystem oder eine offene Plattform für künstliche Intelligenz bleibt.


