Wero und Girocard: Europas Antwort auf Visa und Apple Pay nimmt Fahrt auf
29.01.2026 - 11:04:12Die europäische Zahlungsinitiative EPI schließt strategische Partnerschaften und treibt die Einführung der digitalen Brieftasche Wero voran. Ziel ist ein souveränes europäisches Bezahlsystem, das die Abhängigkeit von US-Konzernen verringern soll.
EPI stärkt mit Buckaroo und Payconiq seine Nordflanke. Am Dienstag, 27. Januar, trat die strategische Partnerschaft zwischen der Europäischen Zahlungsinitiative (EPI), dem Zahlungsdienstleister Buckaroo und Payconiq International in Kraft. Diese Allianz gilt als Schlüssel für die Verbreitung der digitalen Geldbörse Wero in den Niederlanden, Belgien und Deutschland. Wero kann nun auf bestehende Händlernetzwerke und technische Infrastruktur zurückgreifen, anstatt ein neues Akzeptanznetz von Grund auf aufbauen zu müssen. Für deutsche und niederländische Händler verspricht die Integration einen schlankeren Zahlungsvorgang – und die Umgehung der typischen Gebühren internationaler Kartenorganisationen. Mit Buckaroo, einem wichtigen Player im Benelux-Raum, sichert sich die EPI zudem eine starke Position gegen das Vordringen von Apple Pay und Google Pay.
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Österreich schwenkt auf europäischen Kurs ein
Der Drang nach einer souveränen europäischen Zahlungsebene beschränkt sich nicht auf den Benelux-Raum. Payment Services Austria (PSA), verantwortlich für das heimische Bankkartensystem, kündigte am Freitag, 23. Januar, an, die Ausgabe von Wero zu unterstützen. Diese Entscheidung bedeutet eine entscheidende Angleichung der österreichischen Infrastruktur an das europäische Projekt. Bereits am 13. Januar hatte der Zahlungsabwickler Worldline eine Vertiefung seiner Partnerschaft mit der PSA bekanntgegeben, um die österreichische Plattform auf ein cloud-basiertes System mit API-Schnittstellen umzurüsten. Diese technische Modernisierung soll auch die sofortigen Kontozahlungen ermöglichen, auf denen Wero basiert. Durch die Integration in das EPI-Ökosystem können österreichische Banken Wero direkt für ihre Kontoinhaber anbieten. Für das technisch verwandte Girocard-System in Deutschland entsteht so ein stärkerer regionaler Block. Beobachter sehen in einer einheitlichen Linie deutscher und österreichischer Banken die Voraussetzung für eine kritische Masse an Nutzern, die die Allgegenwart US-amerikanischer Debitkarten herausfordern kann.
Die teure Abhängigkeit: Neue Daten unterstreichen die Dringlichkeit
Die wirtschaftlichen Folgen der europäischen Abhängigkeit von ausländischen Zahlungsnetzwerken sind erheblich. Eine aktuelle Analyse vom heutigen 29. Januar spricht von einem „finanziellen Leck“, das durch die Nutzung US-amerikanischer Intermediäre wie Visa und Mastercard entsteht. Diese Netzwerke verarbeiten jährlich über sieben Billionen Euro in Europa und halten etwa 61 Prozent des Kartentransaktionsmarktes. Diese Dominanz hat sich seit der Einstellung des Maestro-Systems noch verstärkt, was viele deutsche Banken zwang, ihre Girocards mit Visa Debit oder Mastercard Debit zu koppeln, um internationale Akzeptanz zu gewährleisten. Kritiker warnen: Ohne eine souveräne Alternative wie Wero bleiben europäische Händler den von ausländischen Entitäten diktierten Gebührenstrukturen ausgeliefert. Initiativen wie „Girocard 4.0“ und Wero setzen daher auf die SEPA-Sofortüberweisung anstelle von Kartennetzen. So sollen die Transaktionsverarbeitung und die damit verbundenen Daten in europäischer Hoheit bleiben – ein doppelter Gewinn für Wirtschaft und Datenschutz.
Der Weg zur Ladenkasse: Der nächste große Schritt für Wero
Der Fahrplan für europäische Zahlungen konzentriert sich stark auf die Verschmelzung von Sofortzahlungen und der Integration an der Point-of-Sale (POS), der physischen Ladenkasse. Wero ist bereits im Peer-to-Peer- und E-Commerce-Bereich etabliert. Das nächste große Ziel für 2026 und 2027 ist die Ausweitung auf Geschäfte vor Ort. Dieser Schritt ist entscheidend, um die bequeme „Tap-to-Pay“-Funktion herauszufordern, die derzeit von Apple und Google dominiert wird. Zudem wird die französische Fintech Nickel Wero für ihre Kunden ab Anfang 2026 freischalten und so die Nutzerbasis weiter verbreitern. Parallel dazu konsolidiert der deutsche Bankensektor ältere digitale Dienste: Die Sparkassen-Finanzgruppe stellt ihren Passwort- und Dokumententresor „S-Trust“ zum 31. März 2026 ein. Marktbeobachter deuten dies als Umschichtung von Ressourcen hin zu zentraleren digitalen Bankfeatures und Zahlungsinnovationen. Der Erfolg der Allianz aus Girocard und Wero wird nun maßgeblich von der Akzeptanz bei Händlern und einer nahtlosen Nutzererfahrung abhängen.


