Warnstreiks, Deutschlands

Warnstreiks legen Deutschlands Theater lahm

23.01.2026 - 01:44:12

Nicht-künstlerisches Personal streikt für höhere Löhne. Ab Sommer droht ein noch größerer Arbeitskampf der Künstler selbst um grundlegende Reformen.

Die Tarifkonflikte im Kulturbetrieb eskalieren. Während das nicht-künstlerische Personal heute für bessere Löhne streikt, droht ab Sommer ein noch grundlegenderer Arbeitskampf der Künstler selbst.

Berlin – An diesem Freitagabend bleiben an vielen deutschen Bühnen die Vorhänge geschlossen. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat zu bundesweiten Warnstreiks des nicht-künstlerischen Personals aufgerufen. Betroffen sind rund ein Dutzend renommierte Häuser, darunter die Bayerische Staatsoper in München, das Badische Staatstheater Karlsruhe und die Schaubühne in Berlin. Die Arbeitsniederlegungen sind eine deutliche Kampfansage in den laufenden Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L).

Techniker und Verwaltung fordern mehr Geld

Im Fokus stehen die oft unsichtbaren Stützen des Theaterbetriebs: Beleuchter, Bühnentechniker, Requisiteure und Verwaltungsmitarbeiter. „Die Beschäftigten, die den Kulturbetrieb tagtäglich ermöglichen, lassen sich nicht mit geringfügigen Angeboten abspeisen“, erklärt ver.di-Vorstandssprecher Christoph Schmitz-Dethlefsen. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten seien spürbare Gehaltsverbesserungen überfällig. Die Streiks sollen den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, nachdem die Verhandlungen bisher schleppend verliefen.

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Passend zum Thema Arbeitsbedingungen: Viele Theaterbeschäftigte leisten regelmäßig unbezahlte Überstunden, die in Tarifkonflikten schnell zum Punkt werden. Die gesetzliche Pflicht zur Arbeitszeiterfassung ab 2025 macht eine lückenlose Dokumentation erforderlich – nicht nur zur Nachweissicherung, sondern auch zum Schutz vor Bußgeldern. Ein kostenloses E‑Book bietet praxisnahe Vorlagen, fertige Stundenzettel und Schritt-für-Schritt-Anleitungen, wie Sie Arbeitszeiten rechtssicher erfassen und nachweisen. Arbeitszeiterfassung jetzt rechtssicher umsetzen

Grundsatzkonflikt mit den Künstlern droht

Während der aktuelle Streik das technische und administrative Personal betrifft, zeichnet sich am Horizont ein noch größerer Konflikt ab. Die Künstlergewerkschaften GDBA und BFFS haben den zentralen Tarifvertrag NV Bühne zum 30. Juni 2026 gekündigt. Dieser Schritt beendet die Friedenspflicht und ebnet den Weg für Verhandlungen über eine grundlegende Reform – und mögliche Streiks der Künstler ab Sommer.

Die Gewerkschaften fordern, den Vertrag „fit für das 21. Jahrhundert“ zu machen. Kernpunkte sind eine Reform des umstrittenen Nichtverlängerungsrechts, das Befristungen ohne Sachgrund ermöglicht, sowie bessere Regelungen für Gastverträge. Der Deutsche Bühnenverein, der die Theater vertritt, hält die Kündigung in der aktuellen finanziellen Lage für „verantwortungslos“.

Prekäre Arbeit als Dauerproblem

Die aktuellen Konflikte sind Symptome einer tiefgreifenden Krise. Die Arbeitsbedingungen an vielen Theatern gelten als prekär: unbezahlte Überstunden, eine Flut befristeter Verträge und Gehälter, die oft nicht zur hohen Qualifikation passen. Die lange als selbstverständlich angesehene Identifikation der Mitarbeiter mit ihrer Arbeit stößt an Grenzen. Die Forderungen zielen daher nicht nur auf mehr Geld, sondern auf mehr Mitbestimmung und Planbarkeit.

Entscheidendes Jahr für die Theater

2026 wird ein Schicksalsjahr für die deutsche Theaterlandschaft. Die Ergebnisse der TV-L-Runde beeinflussen direkt die Stimmung für die NV-Bühne-Verhandlungen. Kommt bis Juni keine Einigung zustande, sind flächendeckende Streiks der Künstler realistisch. Sie könnten den Spielbetrieb komplett lahmlegen.

Die anstehenden Verhandlungen werden mehr als nur Löhne und Arbeitszeiten neu definieren. Sie beantworten die grundsätzliche Frage, welchen Wert die Gesellschaft der Arbeit all jener beimisst, die Kunst und Kultur erst ermöglichen. Die Zukunftsfähigkeit des gesamten Kulturbetriebs steht auf dem Spiel.

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