Verdi-Streikdrohung, Fachkräftemangel

Verdi-Streikdrohung trifft auf Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst

04.01.2026 - 02:22:12

Neue Compliance-Vorschriften und drohende Streiks offenbaren einen akuten Fachkräftemangel in deutschen Behörden, der zentrale Modernisierungsprojekte zum Erliegen bringen könnte.

Der öffentliche Dienst in Deutschland steuert auf einen kritischen Engpass zu. Neue Compliance-Vorschriften und eine drohende Streikwelle offenbaren einen akuten Personalmangel, der zentrale Modernisierungsprojekte gefährdet.

Seit dem 1. Januar 2026 gelten verschärfte Regeln für Compliance Management Systeme (CMS) in Bundes- und Landesbehörden. Diese Systeme sind für Datenschutz, Korruptionsprävention und Lieferkettentransparenz vorgeschrieben. Doch die Umsetzung stockt, weil qualifiziertes Personal fehlt. Diese personelle Krise wird nun durch massive Streikdrohungen der Gewerkschaft Verdi verschärft.

Verdi warnt vor flächendeckenden Arbeitsniederlegungen

Am Samstag, den 3. Januar, eskalierte die Lage. Die Verdi-Führung kündigte mögliche flächendeckende Streiks im öffentlichen Dienst an. Grund sind festgefahrene Tarifverhandlungen für Millionen Beschäftigte von Bund und Kommunen.

Der Zeitpunkt könnte ungünstiger nicht sein. Viele Behörden stehen mitten in der Einführung neuer digitaler Infrastruktur. Ein Streik würde diese Projekte sofort zum Erliegen bringen. Verdi-Chef Frank Bsirske warnte, ohne spürbare Verbesserungen bei Gehalt und Arbeitsbedingungen bleibe der Staat im Wettbewerb um Talente chancenlos. Diese Botschaft trifft auf ohnehin leergefegte Bewerbermärkte, besonders für Spezialisten wie Compliance-Beauftragte.

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Für Behördenleiter bedeutet das eine Zwickmühle: Sie müssen einerseits Budgets für das neue Haushaltsjahr festlegen und andererseits mit möglichen Betriebsstillständen rechnen – genau dann, wenn neue Compliance-Systeme starten sollen.

Compliance-Offensive scheitert an leeren Stellen

Während die Streikdrohungen Schlagzeilen machen, brodelt eine stille Krise in IT- und Rechtsabteilungen. Die seit Jahresbeginn geltenden Vorschriften verlangen den Einsatz moderner CMS-Plattformen. Doch wer soll sie bedienen?

Berichte vom 2. Januar zeigen: Viele Ämter finden keine Fachkräfte für die Umsetzung. Besonders fehlen spezialisierte Compliance Recruiter – Personalvermittler, die juristisches und technisches Know-how vereinen. Die Nachfrage nach Experten für KI-Regulierung und Entgelttransparenz ist explodiert. Der öffentliche Dienst kann mit den Gehältern des TVöD und TV-L jedoch nicht mit der Privatwirtschaft mithalten.

Die Folge: Immer mehr CMS-Projekte liegen auf Eis. Behörden riskieren, gegen jene Gesetze zu verstoßen, die sie eigentlich durchsetzen sollen. Ein Teufelskreis aus Personalmangel und Regulierungswut beginnt sich zu drehen.

Studie identifiziert riesiges ungenutztes Potenzial

Gibt es einen Ausweg? Eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) vom 3. Januar weist auf eine mögliche Lösung hin. Demnach schlummert in Deutschland ein enormes, ungenutztes Arbeitskräftepotenzial: qualifizierte ausländische Frauen, die arbeitslos oder unterbeschäftigt sind.

Bürokratische Hürden und veraltete Rekrutierungsmethoden halten sie vom Arbeitsmarkt fern. Gerade für administrative und Compliance-Stellen im öffentlichen Sektor könnten sie die Personalnot lindern. Die Studienautoren fordern eine Modernisierung der Einstellungspraxis und flexible Integrationsprogramme.

Die Erkenntnis ist klar: Die traditionelle „Stellenausschreibung-und-hoffen“-Methode des öffentlichen Dienstes ist gescheitert. Angesichts der McKinsey-Prognose von 840.000 fehlenden Fachkräften bis 2030 braucht es radikal neue Ansätze.

Entscheidungswoche für die Verwaltung der Zukunft

Die erste Woche des Jahres 2026 endet mit ungewissem Ausblick. Die kommenden Wochen werden richtungsweisend sein. Kommt es zu Streiks, werden Einstellungsverfahren und Digitalisierungsprojekte auf unbestimmte Zeit pausieren.

Beobachter rechnen mit harten Tarifverhandlungen, bei denen Digitalisierung und Arbeitsentlastung neben Gehaltsfragen im Zentrum stehen. Für Compliance-Abteilungen bleibt die Hoffnung auf eine schnelle Einigung, die auch Budgets für gezieltes Recruiting freigibt.

Ohne eine Wende bei der Gewinnung von technischem und juristischem Personal wird die Kluft zwischen regulatorischen Anforderungen und behördlicher Leistungsfähigkeit weiter wachsen. 2026 könnte das Jahr werden, in dem Compliance zum strategischen Wettbewerbsvorteil wird – aber nur für jene, die auch das Personal dafür haben.

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