US-Handelspolitik, China

US-Handelspolitik: China erfüllt Handelsabkommen, aber Tech-Konflikt bleibt

03.01.2026 - 18:00:12

Washington bestätigt Chinas Einhaltung von Exportkontrollen und Agrarzukäufen – doch bei Halbleitern schlägt die Sicherheitskeule zu. Die Ankündigung markiert eine Phase der Stabilität im Handel zwischen den größten Volkswirtschaften der Welt, während der Technologiewettlauf unvermindert scharf geführt wird.

Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer hat diese Woche bestätigt, dass die Volksrepublik China die Kernvereinbarungen der jüngsten bilateralen Abkommen einhält. Konkret geht es um Exportkontrollen und die vereinbarten Agrarkäufe, insbesondere von Sojabohnen. „Die von Peking gemachten Zusagen sind konkret, und die Daten zeigen, dass sie bisher eingehalten werden“, so Greer. Die USA behalten sich mit einem strengen Monitoringsystem jedoch vor, die Einhaltung jederzeit zu überprüfen.

Diese Bestätigung folgt auf eine intensive Prüfphase. Noch Ende 2025 hatte das Handelsbüro eine Untersuchung eingeleitet, die Bedenken hinsichtlich geistigen Eigentums und der Agrarzukäufe prüfen sollte. Die jüngsten Daten haben diese akuten Sorgen offenbar zerstreut. Diskrepanzen beim Zeitplan für Sojakäufe seien bereinigt, die Verpflichtungen für die aktuelle Saison würden nun mit einem angepassten Zeitplan bis zur Ernte erfüllt.

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Doppelstrategie: Handel ja, Hochtechnologie nein

Während Washington auf der Handelsebene Entspannung signalisiert, verschärft sich der Ton im Technologiebereich weiter. Nur Stunden nach der Compliance-Bestätigung unterzeichnete Präsident Donald Trump am 3. Januar eine Verfügung, die den Verkauf von Vermögenswerten des US-Halbleiterherstellers EMCORE an das chinesisch beeinflusste Unternehmen Hyfo blockiert.

Das Weiße Haus begründete den Schritt mit nationalen Sicherheitsrisiken. Der Deal hätte die technologische Führungsposition der USA untergraben können. Handelsbeauftragter Greer unterstützte die Maßnahme und bezeichnete Chinas aggressives Streben nach Dominanz in der Chipindustrie als „unangemessen“ und Belastung für den US-Handel. Diese Doppelstrategie – Kooperation bei Agrarhandel, aber harte Barrieren bei Hochtechnologie – prägt die aktuelle Politik des „gemanagten Handels“.

Reziproke Strategie ersetzt Zolleskalation

Die Bestätigung der Vertragstreue fällt in eine Phase, in der die US-Handelsvertretung eine breitere „reziproke Strategie“ umsetzt. Ende 2025 gelang es der Administration, eine vorübergehende Aussetzung bestimmter chinesischer Exportkontrollen für Seltenerdmetalle auszuhandeln – kritische Rohstoffe für Verteidigung und Elektronik. Im Gegenzug pausierte die USA die Anwendung spezieller „Affiliate Rules“, die den Kreis der von US-Exportbeschränkungen betroffenen Firmen erweitert hätten.

Analysten sehen darin einen Wandel: Statt einer breiten Entkopplung setzt Washington nun auf gezieltes De-risking. Durch die Sicherung chinesischer Zusagen bei kritischen Mineralien sollen Lieferketten stabilisiert werden, die Ende 2024 durch Vergeltungsmaßnahmen gefährdet waren. Dieser Ansatz des „Überprüfens und Überwachens“ soll künftig die unberechenbaren Zolleskalationen der Vorjahre ersetzen.

Markt atmet auf – doch die Zukunft bleibt ungewiss

Die Stabilisierung der Handelsbeziehungen kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für die Weltwirtschaft. Die Klarheit dürfte vor allem den Agrarmärkten zugutekommen, die unter der Unsicherheit über die chinesische Nachfrage litten. Die Entspannung beim Thema Seltenerden entlastet zudem den Technologiesektor.

Doch die Geschäftswelt bleibt vorsichtig. Die US-Regierung hat bereits weitere Schritte angekündigt, darunter mögliche Zollerhöhungen auf chinesische Halbleiter ab Juni 2027, falls Bedingungen nicht erfüllt werden. Zudem steht die turnusmäßige Überprüfung des USMCA-Abkommens mit Kanada und Mexiko an, bei der das Thema chinesischer Umweg-Exporte über Nordamerika heiß diskutiert werden dürfte.

Die aktuelle Compliance wird also auf eine harte Probe gestellt werden. Die Untersuchung zum „Phase One“-Abkommen bleibt technisch offen – als Druckmittel für den Fall, dass Peking seine Zusagen doch noch bricht. Für die unmittelbare Zukunft zeichnet sich eine Phase relativer Ruhe im Handel ab, die jedoch regelmäßig von sicherheitspolitischen Maßnahmen wie der EMCORE-Blockade durchbrochen wird. Der Zweiklang aus Kooperation bei Rohstoffen und erbittertem Wettbewerb bei Technologie scheint der neue Status quo zu sein.

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