TV-L-Verhandlungen, Lohn

TV-L-Verhandlungen: Mehr als nur sieben Prozent Lohn

15.01.2026 - 21:22:12

Die zweite Verhandlungsrunde im öffentlichen Dienst der Länder dreht sich nicht nur um die Lohnforderung, sondern vor allem um die zentrale Rolle der Personalräte bei der Gestaltung von Dienstplänen und Arbeitszeiten.

Die zweite Runde der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder hat begonnen. Während bundesweit Warnstreiks die Forderung nach sieben Prozent mehr Lohn unterstreichen, geht es hinter den Kulissen um weit mehr: die Zukunft der Arbeitszeitgestaltung und die Macht der Personalräte.

Lohnforderung im Streiklicht

Mit der Forderung nach sieben Prozent mehr Gehalt, mindestens jedoch 300 Euro monatlich, treten ver.di und der dbb in die Verhandlungen in Potsdam. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) lehnt dies als nicht finanzierbar ab. Die Gewerkschaften setzen mit Streiks an Kliniken, Schulen und Behörden Druck auf. Doch der eigentliche Kampf tobt um die Hoheit über die Dienstpläne.

Die Macht der Personalräte

Unabhängig vom Lohnabschluss bleibt ein Recht unangetastet: die starke Mitbestimmung der Personalvertretungen. Nach dem Bundespersonalvertretungsgesetz hat der Personalrat bei Dienstplänen ein verbindliches Vetorecht. Das gilt für Beginn und Ende der Schicht, Pausen und deren Verteilung auf die Woche. Jede Änderung – auch kurzfristig – benötigt die Zustimmung des Gremiums. Bei Uneinigkeit entscheidet eine paritätische Einigungsstelle.

Vom Tarifvertrag zum Schichtplan

Die Potsdamer Verhandlungen setzen nur den Rahmen. Die konkrete Umsetzung erfolgt vor Ort. Hier wird die Rolle des Personalrats entscheidend. Er überwacht, dass tarifliche Vorgaben fair umgesetzt, Ruhezeiten eingehalten und Schichtbelastungen gerecht verteilt werden. Auch die Einführung neuer Planungssoftware unterliegt seiner vollen Mitbestimmung. Der Personalrat ist der Garant, dass abstrakte Regeln im Arbeitsalltag die Interessen der Belegschaft wahren.

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Digitalisierung und Fachkräftemangel als Treiber

Die Härte der Verhandlungen hat zwei Gründe: den akuten Fachkräftemangel und die fortschreitende Digitalisierung. Attraktive, planbare Arbeitszeiten sind zum Schlüsselfaktor im Wettbewerb um Personal geworden. Gleichzeitig birgt digitale Planungssoftware die Gefahr einer entmenschlichten „Optimierung“. Die Personalräte müssen hier gegensteuern. Zudem befeuert die bundespolitische Debatte um flexible Wochenarbeitszeiten die Auseinandersetzung weiter.

Was kommt nach Potsdam?

Sollte diese Runde scheitern, drohen massive Streikausweitungen. Die finale Verhandlungsrunde ist für Mitte Februar angesetzt. Der Abschluss wird die Grundlage für Millionen Lohnzettel und Dienstpläne im kommenden Jahr. Für die Personalräte beginnt dann die eigentliche Arbeit: die Tarifvorgaben in konkrete, alltagstaugliche Dienstvereinbarungen zu gießen und die Mitbestimmung mit Leben zu füllen.

@ boerse-global.de