TV-L-Tarifstreit: Warnstreiks legen Unikliniken lahm
03.02.2026 - 20:22:12Bundesweite Warnstreiks im öffentlichen Dienst der Länder haben am Dienstag den Betrieb zahlreicher Universitätskliniken getroffen. Die Gewerkschaften erhöhen so vor der entscheidenden Verhandlungsrunde den Druck auf die Arbeitgeber.
Verhärtete Fronten vor Potsdamer Verhandlungen
Die Lage ist angespannt. Vor der dritten und entscheidenden Verhandlungsrunde am 11. und 12. Februar in Potsdam hat die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di die Warnstreiks massiv ausgeweitet. Betroffen sind Kliniken in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Die Gewerkschaften fordern für rund 2,2 Millionen Beschäftigte sieben Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 300 Euro monatlich. Bisher liegt von der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) nur ein vager „Lösungskorridor“ vor, den ver.di und der dbb beamtenbund und tarifunion als „völlig inakzeptabel“ zurückwiesen.
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Mehr Geld und Entlastung gegen den Personalmangel
Doch es geht um mehr als nur Gehalt. Ein Kernpunkt ist die Forderung nach spürbarer Entlastung für das überlastete Personal. Die Gewerkschaften verlangen eine Anhebung der Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit um 20 Prozentpunkte. Zudem sollen Schichtzulagen an das höhere Niveau des Bundes-Tarifvertrags (TVöD) angeglichen werden. Das Ziel ist klar: Die Arbeit in Kliniken und öffentlichen Einrichtungen muss attraktiver werden, um dem akuten Fachkräftemangel zu begegnen. „Ohne signifikante Verbesserungen verliert der öffentliche Dienst im Wettbewerb um qualifizierte Kräfte weiter“, so das Gewerkschaftsargument.
Operationen verschoben, Notversorgung gesichert
Die Auswirkungen der Streikwelle sind massiv. Geplante Operationen und ambulante Behandlungen müssen bundesweit verschoben werden. Die Gewerkschaften betonen, dass durch Notdienstvereinbarungen die Notfallversorgung in allen Kliniken sichergestellt ist. Die hohe Streikbeteiligung zeige jedoch die Entschlossenheit der Beschäftigten. „Das Personal ist nicht länger bereit, steigende Belastung bei unzureichender Bezahlung hinzunehmen“, kommentierte eine ver.di-Sprecherin die Lage.
Finanzminister in der Pflicht
Nun liegt der Ball bei den Arbeitgebern. Die von den Ländern vertretene TdL verweist auf angespannte Haushaltslagen. Ein Tarifabschluss hat hohe finanzielle Folgen, da er meist auch auf Beamte übertragen wird. Die Gewerkschaften drohen für den Fall eines unbefriedigenden Angebots in Potsdam mit einer weiteren Eskalation. Sollte es keine Einigung geben, könnten bald auch Schulen, Verwaltungen und andere Bereiche des öffentlichen Lebens von Streiks betroffen sein. Die kommende Woche wird zeigen, ob der Weg an den Verhandlungstisch oder in eine tiefere Krise führt.


