TKMS, Aktie

TKMS Aktie: MDAX-Aufstieg und Kanada-Fantasie

20.01.2026 - 09:27:33

Der Marinekonzern TKMS profitiert von einem Rekord-Auftragsbestand und geopolitischen Spannungen, die Hoffnungen auf Großaufträge in Kanada und Indien nähren und die Aktie auf ein 52-Wochen-Hoch treiben.

Der formale MDAX-Einzug war für TKMS nur der Rahmen – die inhaltlichen Signale aus Frankfurt hatten deutlich mehr Gewicht. Auf der „Bell Ringing“-Feier am Montag kombinierte der Marine- und U-Boot-Spezialist starke Auftragszahlen mit neuen Hoffnungen auf Großprojekte in Kanada und Indien. Kann die Aktie auf diesem Fundament die jüngste Rally fortsetzen?

MDAX-Premiere mit Rekord-Auftragsbuch

Die Index-Aufnahme in den MDAX wurde bereits im Dezember wirksam, die Bühne für die offizielle Feier nutzte das Management nun bewusst zur Botschaft an Investoren.

CEO Oliver Burkhard sprach von einem „starken Signal“ und legte Zahlen nach:
– Auftragseingang 2024/25 rund 8,8 Milliarden Euro
– Versechsfachung gegenüber dem Vorjahr
– Auftragsbestand auf Rekordniveau von 18,2 Milliarden Euro

Diese Größenordnung sichert die Auslastung für Jahre und unterstreicht die Position von TKMS als fokussierter Rüstungs- und Marinezulieferer nach der Abspaltung von ThyssenKrupp.

Gleichzeitig spiegelt die Börse diesen Rückenwind deutlich wider: Der Schlusskurs von gestern lag bei 99,95 Euro und damit exakt auf dem 52‑Wochen-Hoch. Auf 30‑Tage-Sicht steht ein Plus von gut 52 Prozent, seit Jahresanfang rund 44 Prozent.

Geopolitik als Kurstreiber: Kanada und Indien im Fokus

Der eigentliche Impulsgeber für die jüngste Dynamik kam jedoch nicht aus der Buchhaltung, sondern aus der Geopolitik. CFO Paul Glaser adressierte im Rahmen der Feierlichkeiten explizit die laufenden Ausschreibungen für neue U‑Boot-Programme.

Im Mittelpunkt steht das kanadische Vorhaben für die Erneuerung der U‑Boot-Flotte. TKMS befindet sich hier im Finale gegen Hanwha Ocean aus Südkorea. Laut Glaser könnten die aktuellen Spannungen um Grönland und die Arktis die Chancen auf einen Zuschlag deutlich erhöhen. Die zunehmende Militarisierung der Region verlangt U‑Boote, die speziell für den Einsatz in arktischen Gewässern ausgelegt sind – ein Bereich, in dem TKMS mit Projekten wie dem deutsch‑norwegischen 212CD-Programm über ausgewiesene Erfahrung verfügt.

Parallel verdichten sich die Hinweise auf einen möglichen Abschluss eines Großauftrags mit der indischen Mazagon Dock Shipbuilders. Das Volumen des diskutierten Deals liegt bei rund 8 Milliarden US‑Dollar. Zusammen würden Kanada und Indien die ohnehin schon gut gefüllte Auftragsliste noch einmal spürbar nach oben treiben.

Verteidigungswerte als Gewinner der aktuellen Rotation

Die Kursbewegung zum Wochenstart steht eingebettet in eine deutliche Sektor-Rotation. Hintergrund ist die jüngste Drohung von Donald Trump, Importzölle von 10 Prozent auf Waren aus europäischen NATO-Staaten zu verhängen, sollten diese seine Grönland-Pläne blockieren. Zyklische Branchen wie Chemie gerieten spürbar unter Druck, Titel wie Wacker Chemie oder Lanxess mussten nachgeben.

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Rüstungswerte zeigten dagegen relative Stärke. TKMS profitierte – ähnlich wie Rheinmetall – vom Status als reiner Verteidigungswert („Pure Play“). Investoren kalkulieren ein, dass eine härtere Rhetorik aus Washington den Druck auf europäische Staaten und Kanada erhöht, ihre maritimen Kapazitäten schneller auszubauen als bislang vorgesehen.

Die Marktbewegung der letzten Wochen untermauert dieses Bild:
– Kursplus 7 Tage: knapp 5 Prozent
– Kursplus 30 Tage: rund 52 Prozent
– Abstand zum 52‑Wochen-Tief von 57,45 Euro: knapp 74 Prozent

Die annualisierte 30‑Tage-Volatilität von über 56 Prozent zeigt allerdings auch, dass der Titel alles andere als ein ruhiger Hafen ist.

Charttechnik: 100 Euro im Fokus

Aus technischer Sicht hat die Aktie in kurzer Zeit einen steilen Anstieg hingelegt. Der aktuelle Kurs liegt knapp 40 Prozent über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 71,77 Euro. Gleichzeitig signalisiert der 14‑Tage‑RSI von 32,4 eher eine abkühlende Dynamik nach einer vorangegangenen Übertreibung als eine akute Überkauft-Situation.

Die psychologisch markante 100‑Euro-Marke wurde gestern im Tagesverlauf mit 100,18 Euro erstmals überschritten, der Schlusskurs lag knapp darunter. Der jüngste Ausbruch aus einer Konsolidierungsphase gilt charttechnisch als frisches Kaufsignal, gleichzeitig steigt mit jedem weiteren Prozentpunkt nach oben die Anfälligkeit für Rücksetzer.

Nächste Katalysatoren: Kanada-Entscheid und Hauptversammlung

Fundamental richten sich die Blicke nun auf mehrere konkrete Ereignisse. Ein Zuschlag im kanadischen U‑Boot-Programm wäre vor dem Hintergrund der Arktis-Spannungen ein deutlicher Beleg für die technologische Stärke von TKMS und hätte das Potenzial, die aktuelle Bewertung weiter zu stützen. Ähnliches gilt für einen formalen Abschluss des kolportierten 8‑Milliarden‑Dollar‑Deals mit Mazagon Dock in Indien.

Daneben steht am 27. Februar 2026 in Essen die erste eigenständige Hauptversammlung nach der Abspaltung an. Dort dürfte das Management die mittelfristige Strategie und die weitere Nutzung des hohen Auftragsbestands präzisieren. In Summe bleibt TKMS damit klar im Spannungsfeld aus geopolitischer Nachfrage, prall gefülltem Orderbuch und einem Kurs, der mit dem jüngsten Sprung an die 100‑Euro-Marke bereits viel Optimismus eingepreist hat.

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