TKMS Aktie: Indien-Deal treibt
13.01.2026 - 18:09:31Ein Rüstungsauftrag über Milliardenhöhe katapultiert TKMS in eine neue Größenordnung. Der geplante U-Boot-Deal mit Indien sorgt für eine der kräftigsten Kursbewegungen seit dem Börsengang im Oktober 2025 – und stellt die Bewertung des Marineschiffbauers auf den Prüfstand. Wie viel ist von der jüngsten Rally schon im Kurs eingepreist?
Indien-Auftrag als Kurstreiber
Herzstück der aktuellen Dynamik ist das indische Beschaffungsprogramm „Project-75I“. Deutschland und Indien stehen vor dem Abschluss eines U-Boot-Fertigungsvertrags im Volumen von mindestens 8 Milliarden US-Dollar (rund 6,9 Mrd. Euro). Der Deal umfasst sechs konventionelle U-Boote des Typs 214NG mit luftunabhängigem Antrieb (AIP), die vollständig in Indien gebaut werden sollen.
Wichtige Eckpunkte des Projekts:
- Volumen: mind. 8 Mrd. US-Dollar
- Anzahl: 6 U-Boote Type 214NG mit AIP
- Fertigung: komplett bei Mazagon Dock Shipbuilders (MDL) in Mumbai
- Indigener Anteil: Start bei 45 %, Steigerung auf bis zu 60 % beim sechsten Boot
- Vollständiger Technologietransfer von TKMS an Indien
Der politische Rückenwind ist klar erkennbar: Der Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in Indien am 12. und 13. Januar 2026 verlieh den Verhandlungen zusätzlichen Schub und machte die strategische Bedeutung des Projekts deutlich.
Am Markt spiegelt sich diese Perspektive in starken Kursgewinnen wider. Heute notiert die Aktie bei 96,05 Euro und damit exakt auf ihrem 52‑Wochen-Hoch. Auf Wochensicht ergibt sich ein Plus von 27,05 %, in den vergangenen 30 Tagen sogar von 45,20 %. Seit Jahresbeginn beträgt der Anstieg 38,40 %.
Warum TKMS den Zuschlag erhält
Die indische Marine hat sich aus mehreren Gründen für das deutsche 214NG-Design entschieden. Im Mittelpunkt steht die AIP-Technologie auf Brennstoffzellenbasis, die wochenlange Tauchfahrten ohne Auftauchen ermöglicht und damit einen klaren operationellen Vorteil bietet. Diese Technik gilt als erprobt und wird bereits in über 35 U-Booten weltweit eingesetzt.
Hinzu kommt die langjährige Zusammenarbeit: TKMS lieferte seit den 1980er-Jahren U-Boote des Typs 209 nach Indien, von denen einige noch im Dienst sind. Diese Historie schafft Vertrauen in Zuverlässigkeit und Wartbarkeit der Systeme.
Der spanische Wettbewerber Navantia mit dem S‑80+ Design blieb dagegen außen vor. Nach vorliegenden Informationen konnten zentrale Technologien nicht ausreichend in operativ eingesetzten Booten demonstriert werden – ein entscheidender Nachteil im sicherheitskritischen Marinegeschäft.
Deutlich wachsender Auftragsbestand
Der mögliche Indien-Vertrag würde die ohnehin starke Auftragslage weiter ausdehnen. Bereits zum 30. September 2025 lag der Auftragsbestand bei 18,2 Mrd. Euro – rund dreimal so hoch wie fünf Jahre zuvor. Mit Einbuchung des Indien-Deals könnte sich dieses Volumen auf etwa 25 Mrd. Euro erhöhen.
Damit zeichnet sich eine hohe Auslastung über Jahre ab. Für das Geschäftsjahr 2025/26 stellt das Management einen bereinigten operativen Gewinn von 100 bis 150 Mio. Euro in Aussicht. Analystenschätzungen gehen für 2027 von einem Umsatz von 2,46 Mrd. Euro und einem Gewinn je Aktie von 2,46 Euro aus.
Um diese Pipeline abzuarbeiten, baut das Unternehmen seine Kapazitäten aus:
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- Modernisierung der Druckkörper-Fertigung in Kiel
- Aufbau eines neuen Standorts in Wismar mit bis zu 1.500 zusätzlichen Arbeitsplätzen
- Laufendes Übernahmeangebot für German Naval Yards (GNYK) in Kiel zur Bündelung von Werftkapazitäten
Der Indien-Auftrag fungiert damit nicht nur als Einzelprojekt, sondern als Katalysator für einen strukturellen Ausbau der Produktionsbasis.
Geopolitische Dimension
Über die betriebswirtschaftliche Ebene hinaus hat der Deal klare geopolitische Implikationen. Für Indien steht er für eine schrittweise Abkehr von Russland als traditionellem Hauptlieferanten im Verteidigungsbereich. Die russische Rüstungsindustrie kämpft zunehmend mit Lieferengpässen und eingeschränkter Exportfähigkeit.
Parallel signalisiert der Auftrag eine stärkere strategische Annäherung Indiens an Europa. TKMS profitiert dabei als technologischer Partner in einem sicherheitspolitisch sensiblen Segment, in dem Vertrauen und Langfristigkeit zentrale Rollen spielen.
Bewertung nach der Rally
Die starke Kursentwicklung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Bewertungskennzahlen. Auf Basis der zurückliegenden Gewinne liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) aktuell bei rund 50. Für 2026 ergibt sich ein erwartetes KGV von etwa 37. Damit handelt der Titel mit einem deutlichen Bewertungsaufschlag gegenüber dem Durchschnitt des Aerospace-&-Defense-Sektors.
Einige technische Indikatoren unterstreichen das hohe Momentum: Der Kurs liegt rund 38,6 % über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 69,30 Euro. Die annualisierte 30‑Tage-Volatilität von 55,86 % zeigt zudem, wie schwankungsanfällig die Aktie zuletzt war. Der 14‑Tage-RSI von 32,4 signalisiert trotz der Rally keinen extrem überkauften Zustand, bewegt sich aber bereits in einem sensiblen Bereich.
Auf Analystenseite sind die Einschätzungen differenziert. Die Deutsche Bank hat ihr Kursziel nach oben von 82 auf 99 Euro angepasst und ihre Kaufempfehlung bestätigt – ausdrücklich mit Blick auf den Indien-Deal und die gestärkte Auftragsbasis. Dagegen stuft die Bernstein SocGen Group die Aktie zwar auf „Market Perform“ hoch, reduzierte ihr Kursziel jedoch von 74 auf 67 Euro. Hier steht offenbar die gestiegene Bewertung im Vordergrund.
Fazit: Wachstum mit Preisaufschlag
TKMS steht vor einem potenziellen Sprung bei Auftragsvolumen und strategischer Bedeutung. Der erwartete U-Boot-Vertrag mit Indien würde den Auftragsbestand auf ein Rekordniveau treiben und rechtfertigt aus Sicht vieler Marktteilnehmer die jüngste Neubewertung. Gleichzeitig zeigt der Bewertungsaufschlag gegenüber der Branche, dass ein großer Teil der positiven Erwartungen bereits im Kurs reflektiert ist.
In den kommenden Quartalen wird sich zeigen, ob Unternehmen und Politik den Großauftrag wie angekündigt vertraglich fixieren und in den Produktionsplan integrieren. Entscheidend für die weitere Kursentwicklung werden neben der formalen Finalisierung des Indien-Deals vor allem die Umsetzung des Kapazitätsausbaus, die Marge im Projektgeschäft und die Erreichung der Gewinnziele bis 2027 sein.
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