Tarifverhandlungen der Länder steuern auf Eskalation zu
13.02.2026 - 18:01:12Die dritte und entscheidende Verhandlungsrunde für den öffentlichen Dienst der Länder steht in Potsdam auf der Kippe. Die Gespräche zogen sich bis in den Freitag hinein, während die Gewerkschaften bereits mit umfangreichen Warnstreiks Druck gemacht haben.
Über 900.000 Beschäftigte in Schulen, Universitäten, Kliniken und der Landesverwaltung warten auf ein Ergebnis. Es geht um eine der größten Tarifauseinandersetzungen des Jahres, denn der Abschluss soll auch für rund 1,3 Millionen Beamtinnen, Beamte und Versorgungsempfänger gelten. Die Gewerkschaften kündigten an, den Druck massiv zu erhöhen, sollte es kein wesentlich verbessertes Angebot der Arbeitgeber geben.
Kluft zwischen Forderungen und Angebot
Im Kern prallen zwei Positionen aufeinander. Die Gewerkschaften ver.di und der dbb beamtenbund und tarifunion fordern 7 Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 300 Euro monatlich, sowie 200 Euro mehr für Auszubildende. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll nur zwölf Monate betragen.
Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) als Arbeitgebervertretung hält dagegen. Sie sprach von „Eckpunkten“ mit einer Erhöhung von rund 5 Prozent – gestreckt über 29 Monate. Ein „Azubi-Paket“ mit 120 Euro mehr in drei Schritten lehnten die Gewerkschaften ebenfalls ab. Als absolute Untergrenze gilt ihnen der Tarifabschluss für den Bund und die Kommunen von 2025: 5,8 Prozent mehr Geld bei 27 Monaten Laufzeit.
Warnstreiks legten öffentliches Leben lahm
Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, riefen die Gewerkschaften am Dienstag und Mittwoch zu bundesweiten Warnstreiks auf. Die Folgen waren massiv: Kitas, Schulen und Universitäten blieben geschlossen, Verwaltungen und Unikliniken arbeiteten im Notbetrieb.
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Allein in Potsdam, am Verhandlungsort, demonstrierten am Mittwoch etwa 6.000 Beschäftigte. Die Aktionen zeigten eindrücklich, welche Macht die Gewerkschaften mobilisieren können – und wie abhängig das öffentliche Leben von diesen Berufsgruppen ist. Sollte diese Verhandlungsrunde scheitern, drohen umfassendere und länger andauernde Streiks.
Finanzielle Zwänge auf beiden Seiten
Die Verhandlungen finden vor einem doppelten wirtschaftlichen Hintergrund statt. Die Gewerkschaften argumentieren mit der gestiegenen Inflationsrate und dem notwendigen Erhalt der Kaufkraft ihrer Mitglieder.
Die TdL verweist hingegen auf die angespannten Landeshaushalte. Die vollständige Erfüllung der Forderungen würde nach Arbeitgeberangaben rund 12,6 Milliarden Euro kosten – eine Summe, die viele Länder finanziell überfordere. Man müsse zwar konkurrenzfähig bleiben, dürfe aber nicht zum „Lohnlokomotiv“ für die gesamte Wirtschaft werden.
Kompromiss oder heißer Herbst?
Am Freitagnachmittag wurden die Gespräche als „schwierig“ und ergebnisoffen beschrieben. Drei Szenarien sind nun denkbar: ein letztminütiger Kompromiss noch am Wochenende, ein komplettes Scheitern der Verhandlungen mit folgender Urabstimmung über unbefristete Streiks oder die Einigung auf ein Schlichtungsverfahren.
Sollte es keine Einigung geben, muss sich die Bevölkerung auf massive und eskalierende Dienstausfälle in den kommenden Wochen einstellen. Die kommenden Stunden in Potsdam werden entscheiden, ob Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst der Länder bald mehr Geld erhalten – oder Deutschland in eine Phase schwerer Arbeitskämpfe eintritt.
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