Ransomware-Attacken, Firmen

Ransomware-Attacken legen Firmen jetzt 23 Tage lahm

06.01.2026 - 00:21:12

Die durchschnittliche Ausfallzeit nach einer Cyber-Erpressung hat sich auf fast drei Wochen verlängert. Neue Daten zeigen: Moderne Angriffe zielen auf maximale Betriebsstörung ab – mit verheerenden finanziellen Folgen.

Der Jahresbeginn 2026 bringt eine alarmierende Erkenntnis für die globale Wirtschaft: Die Erholung von einem Ransomware-Angriff dauert nicht mehr Tage, sondern Wochen. Aktuelle Analysen belegen eine durchschnittliche Ausfallzeit von 23 Tagen. Diese Zahl unterstreicht die lähmende Wirkung moderner Cyber-Bedrohungen auf den Geschäftsbetrieb.

Die IT-Sicherheitsfirma Allgeier CyRis veröffentlichte Ende Dezember 2025 eine umfassende Analyse. Ihr zufolge beträgt die durchschnittliche Betriebsunterbrechung nach einer erfolgreichen Ransomware-Infiltration nun 23 Tage. Diese Zeitspanne, in der kritische Systeme offline oder verschlüsselt bleiben, markiert eine deutliche Verschärfung.

Der Bericht zeigt: Die drei Wochen sind nur der Basisfall. Bei komplexen Angriffen mit tiefgreifender Systempenetration kann sich die Wiederherstellungsdauer auf über 50 Tage ausdehnen. Klassische Malware-Vorfälle mögen schneller gelöst werden, doch die ausgeklügelten, mehrstufigen Kampagnen der letzten Monate zielen gezielt auf langfristige Lähmung ab, um die Zahlung zu erzwingen.

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Ein Hauptgrund für die lange Downtime sind die inzwischen üblichen „Double-Extortion“-Taktiken. Angreifer verschlüsseln nicht nur Daten, sondern stehlen auch sensible Informationen. Opfer müssen daher langwierige forensische Untersuchungen durchführen, um das Ausmaß des Datendiebstahls zu klären, bevor Systeme sicher wieder hochgefahren werden können.

Kritische Infrastrukturen im Fokus der Angreifer

Die Aktualität der 23-Tage-Marke zeigt sich bereits in den ersten Januartagen 2026. Der US-Breitbandanbieter Brightspeed bestätigte am 5. Januar die Untersuchung eines schwerwiegenden Cybersicherheitsvorfalls. Die Hackergruppe „Crimson Collective“ reklamiert den Angriff für sich und behauptet, personenbezogene Daten von über einer Million Kunden erbeutet zu haben. Der Fall unterstreicht die Anfälligkeit kritischer Telekommunikationsinfrastrukturen.

Parallel dazu wirken sich die Folgen des massiven Cyberangriffs auf Jaguar Land Rover (JLR) weiter auf die Lieferkette aus. Berichte vom 5. Januar zeigen, dass einige betroffene Zulieferer, die Ende 2025 getroffen wurden, erst jetzt im Januar 2026 vollständig genesen. Der Angriff, der der Gruppe „Scattered Lapsus$ Hunters“ zugeschrieben wird, legte die Produktion wochenlang lahm – ein reales Beispiel für die wirtschaftlichen Kaskadeneffekte solcher Ausfälle.

Für große Unternehmen ist die dreiwöchige Ausfallzeit längst bittere Realität. Jeder Tag Stillstand kostet Millionen an entgangenen Umsätzen und verursacht erheblichen Imageschaden.

Hohe Kosten und der Mythos der schnellen Lösung

Auch die Infrastrukturfirma Spacelift bestätigt den Trend mit einer ähnlichen durchschnittlichen Downtime von 24 Tagen nach Ransomware-Angriffen. Die Zahlen variieren leicht, doch die Botschaft ist eindeutig: Ein drei- bis vierwöchiger Blackout ist der neue Standard.

Dabei wird die Definition von „Wiederherstellung“ neu justiert. Die Analyse von Allgeier CyRis verweist auf eine weitere kritische Kennzahl: Im Schnitt vergehen 151 Tage, bis ein Datendiebstahl überhaupt entdeckt wird. Wenn die Ransomware zuschlägt, haben sich die Angreifer oft schon monatelang im Netzwerk bewegt.

Die finanziellen Implikationen sind gravierend. Die Kosten von 23 Tagen Inaktivität übersteigen häufig die eigentliche Lösegeldforderung. Die „Betriebsunterbrechungs“-Klauseln in Cyberversicherungen stehen unter nie dagewesenem Druck. Versicherer prüfen die Unveränderbarkeit von Backups und Incident-Response-Pläne heute strenger denn je.

Ein Bericht zum „State of Ransomware 2024“ entlarvt einen verbreiteten Irrglauben: Selbst nach Zahlung eines Lösegelds konnten nur 57 Prozent der Opfer alle ihre Daten wiederherstellen. Die Zahlung garantiert also keineswegs einen schnellen Neustart.

KI-Angriffe und die Bedrohungslage 2026

Für das erste Quartal 2026 prognostizieren Sicherheitsexperten eine weitere Verschärfung der Lage durch Künstliche Intelligenz. Aktuelle Warnungen befassen sich mit „Agentic AI“-Angriffen – autonomer Malware, die sich in Echtzeit an Abwehrmaßnahmen anpassen kann, ohne menschliche Steuerung.

Führungskräfte von Palo Alto Networks stuften KI-Agenten am 5. Januar als primäre „Insider-Bedrohung“ für 2026 ein. Sie könnten Schwachstellen schneller ausnutzen, als menschliche Teams sie patchen können. Dieser Technologiesprung lässt befürchten, dass die 23-Tage-Marke künftig noch weiter steigen könnte, wenn automatisierte Angriffe Backups und Recovery-Umgebungen effizienter zerstören.

Doch es gibt auch Zeichen der Resilienz. Das Bestreben nach „Quantum-Safe“-Verschlüsselung gewinnt an Fahrt. Die Zentralbank von Jordanien kündigte am 5. Januar einen Fahrplan an, um Finanzsysteme auf quantenresistente Standards umzustellen. Eine langfristige Maßnahme, die zeigt, dass Regulierungsbehörden beginnen, sich auf die nächste Generation von Bedrohungen vorzubereiten.

Die klare Handlungsempfehlung für Unternehmen lautet derzeit: Gehen Sie davon aus, dass ein Ransomware-Angriff mindestens drei Wochen Ausfallzeit bedeutet. Planen Sie Ihre Geschäftskontinuität entsprechend. Die Ära der „schnellen Lösung“ bei Ransomware ist definitiv vorbei.

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