Pflege-Kollektivvertrag: Verhandlungen gescheitert – Warnstreiks ab 2. Dezember
28.11.2025 - 13:49:12130.000 Beschäftigte in der privaten Sozialwirtschaft stehen vor massiven Arbeitskämpfen. Nach 16 Stunden Verhandlung brachen die Gespräche in der Nacht auf Freitag ergebnislos ab. Die Gewerkschaften GPA und vida rufen nun zu landesweiten Warnstreiks auf.
Die Fronten sind verhärtet wie lange nicht. Während die Arbeitgeber auf knappe Budgets verweisen, sprechen die Gewerkschaften von einer „Provokation”. Besonders brisant: Die Streiks treffen eine Branche, die ohnehin unter chronischem Personalmangel leidet.
Das Arbeitgeberangebot liegt deutlich unter den Erwartungen. Für 2026 sollen die KV-Gehälter um 1,71 Prozent steigen, die Ist-Gehälter um mickrige 1,3 Prozent. Für 2027 ist eine Erhöhung von 1,65 Prozent vorgesehen.
„Es kann nicht sein, dass für Toilettenpapier mehr Budgetplus eingeplant wird als für die Beschäftigten”, empört sich Eva Scherz, Chefverhandlerin der GPA. Die Gewerkschaften werfen den Arbeitgebern vor, die enormen Belastungen in der Pflege zu ignorieren und faktisch eine Reallohnkürzung zu fordern.
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Michaela Guglberger von der Gewerkschaft vida bringt das Dilemma auf den Punkt: „Dieses Angebot lockt niemanden in die Ausbildung und hält auch niemanden im Beruf.” In einer Branche, die händeringend Personal sucht, könnte das verheerende Folgen haben.
Erste Dezemberwoche: Österreichs Sozialwirtschaft steht still
Die Gewerkschaften schalten auf Konfrontation. Der Zeitplan für die Warnstreiks steht:
- Ab sofort: Aktivierung der Streikkomitees, Betriebsversammlungen in allen Einrichtungen
- 2. bis 4. Dezember: Landesweite Warnstreiks in der gesamten privaten Sozialwirtschaft
- Betroffene Bereiche: Pflegeheime, Behindertenbetreuung, psychosoziale Dienste, Kinder- und Jugendhilfe
Notdienste sollen die Grundversorgung sicherstellen, dennoch müssen sich Angehörige auf Einschränkungen einstellen. Die Gewerkschaften betonen: „Wir haben null Verständnis, wenn die Beschäftigten jetzt die Rechnung für die verfehlte Budgetpolitik präsentiert bekommen sollen.”
Die Mobilisierungsbereitschaft ist hoch. Bereits die Vorfeld-Aktionen „4 gewinnt” in Wien und Salzburg zeigten die Entschlossenheit der Belegschaft.
Arbeitgeber unter Druck: „Sparen oder schließen”
Die Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) verteidigt ihr Angebot mit drastischen Worten. Geschäftsführerin Yvonne Hochsteiner warnt: Die finanzielle Lage sei „äußerst schwierig”.
Die Argumentation der Arbeitgeber:
- Öffentliche Sparmaßnahmen: Fast vollständige Abhängigkeit von staatlichen Mitteln bei gleichzeitigen Budgetkürzungen
- Rezessionsdruck: Die wirtschaftliche Abkühlung lässt kaum Spielraum für höhere Abschlüsse
- Existenzsicherung: „Es geht darum, das Bestehende zu erhalten”, so Hochsteiner
Die Trägerorganisationen sehen sich in der Zwickmühle: Höhere Gehälter könnten den Bestand ganzer Einrichtungen gefährden. Doch genau diese Argumentation empört die Gewerkschaften – schließlich seien die Beschäftigten nicht schuld an der Unterfinanzierung des Systems.
Showdown am 11. Dezember: Letzte Chance für Einigung?
Der nächste Verhandlungstermin steht bereits fest: 11. Dezember. Bis dahin werden die Warnstreiks zeigen, wie groß der Rückhalt in der Bevölkerung ist.
Für die 130.000 Beschäftigten – etwa 70 Prozent Frauen, viele in Teilzeit – geht es um mehr als Prozentpunkte. Es geht um die grundsätzliche Anerkennung ihrer Arbeit in einer alternden Gesellschaft, die immer mehr Pflege und Betreuung braucht.
Bleibt das Arbeitgeberangebot unverändert, drohen die Gewerkschaften mit einer Ausweitung der Kampfmaßnahmen. Ob die öffentliche Hand dann doch noch die Finanzierungsschleusen öffnet? Die kommenden Tage werden es zeigen. Bis dahin bleibt die Lage in Österreichs Pflege- und Sozialheimen angespannt.
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