OpenAI aktualisiert Datenschutz vor Werbe-Start in Europa
12.02.2026 - 22:10:12Die KI-Firma OpenAI hat ihre Datenschutzregeln für Europa verschärft – kurz vor der geplanten Einführung von Werbung in ChatGPT. Die Änderungen werfen grundsätzliche Fragen zur Sicherheit privater KI-Gespräche auf.
Veröffentlicht am Donnerstag, 12. Februar 2026
OpenAI stellt die Weichen für Werbeeinnahmen in Europa. Nur wenige Wochen nach der Ankündigung, Anzeigen in der kostenlosen ChatGPT-Version zu schalten, hat das Unternehmen seine europäische Datenschutzrichtlinie grundlegend überarbeitet. Die am 6. Februar in Kraft getretenen Neuregelungen kommen zu einem kritischen Zeitpunkt. Sie lösen bei Datenschützern neue Bedenken aus, ob die oft intimen Gespräche mit der KI vor kommerzieller Ausbeutung sicher sind.
Was sich in den neuen Richtlinien ändert
Die überarbeitete Politik ist detaillierter und soll mehr Transparenz schaffen. Ein zentraler Punkt: Die Definition von Nutzerinhalten wurde erweitert. Sie umfasst nun explizit auch hochgeladene Dateien, Bilder und andere über neuere Tools generierte Inhalte.
Besonderes Augenmerk liegt auf dem Abschnitt zur Datenaufbewahrung. OpenAI räumt ein, dass bestimmte Daten selbst nach einer Löschung durch den Nutzer gespeichert bleiben können – aus rechtlichen oder Sicherheitsgründen. Das Unternehmen betont zwar angemessene Schutzmaßnahmen, doch Datenschützer fragen sich: Wie verträgt sich das mit dem „Recht auf Vergessenwerden“ der europäischen DSGVO?
Der schmale Grat zwischen Werbung und Datenschutz
Die Werbepläne markieren eine Kehrtwende. Noch vor Kurzem hatte CEO Sam Altman ein werbefinanziertes Modell kritisch gesehen. Jetzt versichert OpenAI, Chat-Inhalte würden nicht an Werbetreibende verkauft. Die Anzeigen sollen die KI-Antworten nicht beeinflussen.
Stattdessen setzt das Unternehmen auf Personalisierung. Die Werbung soll auf Basis der Nutzerinteraktionen und des Wissens über den Nutzer ausgespielt werden. Genau hier liegt das Problem, warnen Experten. Selbst „anonymisierte“ Daten aus privaten KI-Chats ließen sich oft leicht einer Person zuordnen. Die Richtlinie behält sich zudem die Weitergabe von Daten an „Marketing-Dienstleister“ vor. Was bei diesen Partnern geschieht, bleibt im Unklaren.
OpenAI betritt mit Werbung in einem datenintensiven Dienst wie ChatGPT juristisches Neuland – und das in einem bereits angespannten regulatorischen Umfeld. Europäische Aufsichtsbehörden beobachten das Unternehmen seit Langem mit Argusaugen.
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Die italienische Datenschutzbehörde hatte ChatGPT 2023 sogar vorübergehend gesperrt. Die grundlegenden rechtlichen Fragen sind bis heute nicht geklärt. Dazu gehört vor allem, auf welcher Rechtsgrundlage OpenAI die massenhaften Nutzerdaten für das Training seiner Algorithmen sammelt. Jeder Versuch, diese Daten nun auch für Werbung zu nutzen, wird an der strengen Auslegung der DSGVO durch europäische Behörden scheitern, so die Einschätzung von Juristen.
Das Dilemma der Monetarisierung
Hinter den Neuerungen steckt ein fundamentales Geschäftsproblem. Der Betrieb leistungsstarker KI-Modelle verursacht immense Kosten für Rechenleistung. Die Einnahmen aus den Premium-Abos reichen offenbar nicht aus. Die Werbung in der kostenlosen Version ist ein logischer Schritt, um die riesige Nutzerbasis zu monetarisieren.
Doch der Schritt ist riskant. Er könnte das Vertrauen der Nutzer verspielen und sie zu Konkurrenten wie Googles Gemini treiben. Die neue Datenschutzrichtlinie ist der Versuch, diesen Spagat rechtlich abzusichern: die Einhaltung europäischer Vorschriften zu demonstrieren und gleichzeitig die Tür für neue Einnahmequellen zu öffnen.
Wann kommt die Werbung nach Europa?
Ein konkreter Starttermin für Werbeanzeigen in der europäischen Version von ChatGPT steht noch nicht fest. Zunächst will OpenAI das Modell in den USA testen. Die jüngste Aktualisierung der Datenschutzrichtlinie ist jedoch ein klares Indiz, dass die Vorbereitungen laufen.
Die europäischen Datenschutzbehörden werden die Umsetzung genau beobachten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob OpenAI ein Werbemodell findet, das wirtschaftlich tragfähig ist und gleichzeitig die strengen DSGVO-Anforderungen erfüllt. Für die gesamte KI-Branche wird dies ein entscheidender Präzedenzfall.
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