Landwirte starten 2026 mit Steuer-Chaos und Klima-Chance
03.01.2026 - 12:34:12Die deutsche Landwirtschaft beginnt das neue Jahr zwischen politischem Erfolg und bürokratischem Wirrwarr. Während die vollständige Rückkehr der Agrardiesel-Erstattung für Planungssicherheit sorgt, droht ein Streit um die Umsatzsteuer-Pauschalierung Tausende Höfe in rechtliche Ungewissheit zu stürzen.
Agrardiesel: Vollständige Rückkehr als politischer Sieg
Seit dem 1. Januar 2026 erhalten land- und forstwirtschaftliche Betriebe wieder den vollen Steuernachlass von 21,48 Cent pro Liter Diesel. Diese Kehrtwende beendet den schrittweisen Abbau, den die vorherige Ampelkoalition bis zur vollständigen Abschaffung in diesem Jahr geplant hatte. Für einen durchschnittlichen Ackerbaubetrieb bedeutet dies eine jährliche Liquiditätsentlastung im vierstelligen Eurobereich. Die Branche wertet die Rücknahme als direkte Reaktion auf anhaltenden Druck der Verbände und ein Umdenken in der Bewertung der Ernährungssicherheit.
Pauschalierungs-Dilemma: Bürokratischer Sturm zieht auf
Während sich die Kraftstoffkosten stabilisieren, entwickelt sich um die Umsatzsteuer-Pauschalierung für Landwirte ein handfester Konflikt. Der Bundesrechnungshof hat berechnet, dass der Pauschalierungssatz 2026 auf 6,1 Prozent sinken müsste – deutlich weniger als die bisherigen 7,8 Prozent. Das Landwirtschaftsministerium blockiert diese Absenkung jedoch und kritisiert die Berechnungsmethode als realitätsfremd.
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Die Folge: Das Finanzministerium verpasste die Frist zur offiziellen Bekanntgabe des neuen Satzes. Landwirte stehen nun vor einem Problem. Rechnungen sie weiterhin mit 7,8 Prozent aus, drohen bei späterer rückwirkender Festsetzung niedrigerer Sätze Rückzahlungsforderungen. Steuerberater raten aktuell dazu, diese Unsicherheit in Rechnungen explizit zu vermerken oder Rückstellungen zu bilden. Klarheit soll erst später im Januar kommen.
Agroforst: Steuersicherheit für Klima-Anpassung
2026 bringt entscheidende Verbesserungen für Agroforstsysteme, bei denen Bäume in Ackerland oder Weiden integriert werden. Bislang riskierten Landwirte bei der Baum-Pflanzung eine Neubewertung der Flächen – mit möglichen Nachteilen bei der Erbschaftsteuer. Die neuen Regelungen schaffen nun Klarheit im Bewertungsgesetz.
Solange die Baumdichte bestimmte Grenzen nicht überschreitet und die landwirtschaftliche Nutzung im Vordergrund steht, behalten Agroforstflächen ihren Status als Ackerland. Diese steuerliche Neutralität erhält den günstigen Grundsteuer-A-Status und Erbschaftsteuer-Verschonungen. Parallel haben sich die EU-Förderprämien für neue Agroforstsysteme verdreifacht. Diese Abstimmung von Steuer- und Förderrecht beseitigt eine wichtige Hürde für Investitionen in Erosionsschutz und Mikroklima.
Altgras: Neue Regelungen für Biodiversität
Für Tierhalter und Grünlandbewirtschafter wurde die Behandlung von Altgrasstreifen deutlich vereinfacht. Die sogenannte Ein-Hektar-Regel gilt nun für diese Flächen im Öko-Regime 1d. Das erste Hektar Altgras kann unabhängig von der bisherigen 6-Prozent-Gesamtbetriebsgrenze mit der höchsten Prämie von etwa 900 Euro pro Hektar gefördert werden.
Zudem wurde die Rotationspflicht gelockert. Biodiversitätsstreifen können nun länger am selben Standort verbleiben, ohne ihren Status als Dauergrünland zu verlieren. Aus steuerlicher Sicht ist diese Beständigkeit entscheidend. Sie stellt klar, dass langfristige Brachestreifen eindeutig dem Betriebsvermögen zuzuordnen sind – und nicht als private “Liebhaberei” gelten, deren Pflegekosten nicht abzugsfähig wären.
Ausblick: Vertrauensschutz und Energiekosten
Das erste Quartal 2026 wird von der Klärung der Pauschalierungs-Frage geprägt sein. Branchenverbände fordern eine Vertrauensschutz-Regelung, die Rechnungen zum alten Satz während der Übergangsphase bestätigt. Parallel wirkt sich die dauerhafte Absenkung der Stromsteuer auf das EU-Minimum ab Januar auf energieintensive Betriebe wie Milchkühlung oder Unterglas-Gartenbau aus.
Die Rückkehr der Diesel-Erstattung mag der medienwirksame Erfolg sein. Die subtileren Anpassungen bei Agroforst und Brachland könnten sich jedoch langfristig als bedeutsamer erweisen. Sie schaffen die rechtliche Sicherheit, die deutsche Höfe für den Übergang zu widerstandsfähigeren, klimangepassten Produktionssystemen benötigen – ohne in steuerliche Fallen zu geraten.
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