Cybersicherheit, Interne

KI verändert Cybersicherheit: Interne Risiken werden zur größten Gefahr

24.01.2026 - 09:44:12

Laut Weltwirtschaftsforum sind unbeabsichtigte KI-Datenlecks für Vorstände bedrohlicher als externe Angriffe. Gleichzeitig steigen automatisierte Phishing- und Ransomware-Kampagnen massiv an.

Künstliche Intelligenz stellt die Sicherheitsstrategien von Unternehmen auf den Kopf. Neue Daten des Weltwirtschaftsforums und aktuelle Bedrohungsanalysen zeigen: KI hat die Ökonomie der Cyberabwehr fundamental verändert. Für das Management ist die Ära vorbei, in der Cybersicherheit eine rein technische Angelegenheit war.

Davos-Wende: Datenlecks schlagen Hackerangriffe

Ein Wendepunkt für das Risikomanagement zeichnete sich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ab, das gestern zu Ende ging. Ein aktueller WEF-Report enthüllt eine bemerkenswerte Verschiebung der Prioritäten von Vorständen. Die Sorge vor unbeabsichtigten Datenlecks durch KI (34%) übertrifft erstmals die Angst vor gezielten KI-Angriffen von außen (29%).

Diese statistische Kehrtwende spiegelt eine komplexe Realität wider: Während sich generative KI tief in Geschäftsprozesse integriert, verlagert sich das Risiko von der äußeren Perimeterabwehr hin zu internen Abläufen. Analysten betonen, dass die schnelle, oft unkontrollierte Einführung von KI-Tools innerhalb der eigenen Organisation zur unmittelbaren Gefahr wird. KI-Integration ist kein Zukunftsprojekt mehr, sondern betrieblicher Standard – und zwingt das Management, Daten-Governance über reine Abwehr zu stellen.

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Automatisierte Präzision: Die neue Welle von Phishing-Attacken

Während interne Risiken die Boardrooms beschäftigen, haben sich externe Bedrohungen zu hochautomatisierten Kampagnen entwickelt. Microsoft Defender-Forscher enthüllten am Freitag eine ausgeklügelte Adversary-in-the-Middle (AiTM)-Kampagne, die Unternehmen im Energiesektor ins Visier nimmt.

Anders als traditionelle Phishing-Versuche nutzt diese Kampagne vertrauenswürdige interne Identitäten und missbraucht legitime SharePoint-Dienste. Die Angreifer setzten Postfachregeln ein, um unentdeckt zu bleiben. KI ermöglicht es ihnen, Phishing-Nachrichten so individuell anzupassen, dass sie von echten Unternehmenskommunikationen kaum zu unterscheiden sind.

Parallel meldete sich die Erpresserbande ShinyHunters zu einer Welle von Voice-Phishing-Angriffen (Vishing). Diese zielen gezielt auf Single-Sign-On-Konten bei Okta, Microsoft und Google ab. Durch KI-verstärkte Sprachsynthese und Social Engineering umgehen die Täter Sicherheitsschichten, die bisher als sicher galten – und gelangen so an Unternehmensdaten.

Industrielle Eskalation: Ransomware-Explosion um 355%

Die Bedrohung für kritische Infrastrukturen und Industrieunternehmen hat sich massiv verschärft. Daten von Industrial Cyber zeigen ein drastisches Bild der eskalierenden Ransomware-Krise: Die Angriffe stiegen von 2020 bis 2025 um 355 Prozent, mit einem signifikanten Anstieg im vergangenen Jahr allein.

Der Report verzeichnet 2025 das Auftauchen von 57 neuen Ransomware-Gruppen und 27 neuen Erpressergruppen. Diese niedrigere Einstiegshürde wird durch „Ransomware-as-a-Service“-Modelle ermöglicht, die von KI-Automatisierung profitieren. Sicherheitsforscher identifizierten zudem eine neue Ransomware-Familie namens „Osiris“, die Lebensmittelbetriebe in Südostasien angreift. Diese Variante nutzt eine „Bring Your Own Vulnerable Driver“-Technik, um Sicherheitssoftware vor der Verschlüsselung auszuschalten.

Diese Entwicklungen unterstreichen einen Trend: Angreifer nutzen KI nicht nur zur Code-Generierung, sondern setzen automatisierte Systeme ein, um Schwachstellen in industriellen Steuerungssystemen mit einer Geschwindigkeit zu finden und auszunutzen, die menschliche Verteidiger ohne KI-Unterstützung nicht erreichen können.

Demokratisierung der Cyber-Offensive: Jeder kann zuschlagen

Branchenexperten sehen in den Entwicklungen des frühen Jahres 2026 eine „Demokratisierung“ hochwertiger Cyber-Fähigkeiten. Werkzeuge und Taktiken, die einst staatlichen Akteuren vorbehalten waren, stehen nun Cyberkriminellen und Hacktivisten zur Verfügung. Forbes berichtete diese Woche über die geopolitischen Implikationen und zitierte Behauptungen, dass KI-gestützte Angriffswerkzeuge bereits gegen nationale Infrastrukturen wie Stromnetze eingesetzt werden.

Für Geschäftsführer bedeutet dies: Die „Verweildauer“ eines Angreifers im Netzwerk schrumpft, aber die Geschwindigkeit, mit der Schaden entsteht, nimmt zu. KI in Offensivoperationen erlaubt es Angreifern, gestohlene Daten schneller zu analysieren und mit Maschinengeschwindigkeit zu neuen Zielen im kompromittierten Netzwerk zu wechseln. Das Zeitfenster für eine effektive Incident-Response hat sich dramatisch verkleinert.

Ausblick 2026: Das Rennen um defensive KI beginnt

Für das restliche Jahr 2026 erwartet die Cybersicherheitsbranche eine rasche Einführung „defensiver KI“. Organisationen werden voraussichtlich in autonome Security Operations Center investieren, die Eindämmungsmaßnahmen ohne menschliches Zutun ausführen können.

Gleichzeitig wächst der regulatorische Druck. Da das WEF die systemischen Risiken der KI-Integration hervorhebt, dürften europäische und nordamerikanische Regulierer strengere Compliance-Rahmen einführen. Sie werden Transparenz darüber verlangen, wie Unternehmen ihre KI-Modelle und Datenpipelines absichern. Für das Management wird das Jahr 2026 zum Wettlauf um KI-Governance-Strukturen, die sowohl internen Datenlecks als auch externen, automatisierten KI-Angreifern standhalten können.

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