KI-Offensive, Firmen

KI-Offensive soll deutschen Firmen Milliarden an Bürokratiekosten sparen

05.01.2026 - 16:30:12

Die Bundesregierung startet eine neue Phase im Kampf gegen die deutsche Bürokratie. Mit einer breiten KI-Offensive will Digitalminister Karsten Wildberger Unternehmen jährlich Milliarden an Verwaltungskosten ersparen. Die Maßnahmen sind Teil der umfassenden Modernisierungsagenda.

Der Startschuss für die nächste Etappe der „Modernisierungsagenda für Staat und Verwaltung“ ist gefallen. Digital- und Modernisierungsminister Karsten Wildberger bestätigte am Montag in Berlin, dass die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in die Bundesverwaltung nun massiv beschleunigt wird. Das Kabinett hatte die über 200 Einzelprojekte umfassende Strategie bereits im Oktober 2025 beschlossen. Jetzt geht es in die operative Umsetzung.

Der Fokus liegt darauf, langwierige Routinearbeiten zu automatisieren – von der Visumbeantragung bis zur Steuerdokumentation. Konkret setzt die Regierung auf KI-Systeme, die eingehende Post klassifizieren, Förderanträge vorprüfen und Gerichtsverfahren durch digitale Aktenanalyse beschleunigen. „Wir priorisieren die Schmerzpunkte der Wirtschaft“, so Wildberger. Das Ziel: Die bürokratischen Compliance-Kosten für Unternehmen in den kommenden Jahren um rund 25 Prozent senken.

Bis zu 16 Milliarden Euro Entlastung pro Jahr möglich

Die wirtschaftlichen Erwartungen sind hoch. Regierungsprojektionen zeigen: Gelingt die flächendeckende Einführung der digitalen Werkzeuge, könnte die deutsche Volkswirtschaft bis zu 16 Milliarden Euro pro Jahr sparen. Diese Entlastung soll nicht nur durch schnellere Bearbeitung, sondern auch durch den Wegfall überflüssiger Meldepflichten erreicht werden.

Die technische Offensive baut auf dem gesetzlichen Fundament des Vierten Bürokratieentlastungsgesetzes (BEG IV) auf, das seit Januar 2025 in Kraft ist. Während BEG IV den rechtlichen Rahmen schuf – etwa durch kürzere Aufbewahrungsfristen –, soll die KI nun als „Motor“ für die tatsächlichen Einsparungen dienen. Ein Pilotprojekt testet bereits KI-Tools, die ausländische Berufsabschlüsse anerkennen – ein lang bekannter Engpass bei der Fachkräftegewinnung. Eine neu geschaffene „Digitale Agentur“ koordiniert die Umsetzung.

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„Erklärbare KI“ als Schlüssel für Akzeptanz

Doch der Weg zur digitalen Verwaltung ist anspruchsvoll. In der Praxis kommen bereits Tools wie der KI-Assistent „LLMoin“ zum Einsatz, der komplexe Dokumente zusammenfasst und Antwortentwürfe für Behörden schreibt. Experten wie der Digitalisierungsexperte Björn Niehaves warnen jedoch: Für behördliche Entscheidungen sei „Explainable AI“ – also nachvollziehbare KI – entscheidend. Die Systeme müssen transparent genug sein, damit Betroffene eine Ablehnung oder Bewilligung nachvollziehen und gegebenenfalls rechtlich überprüfen können.

Minister Wildberger beschreibt die Modernisierung des Staates daher als „Daueraufgabe“. Mit einem Bild aus dem Fitnessstudio verglich er den Prozess: Es brauche kontinuierliche Anstrengung, nicht einen einmaligen Kraftakt. Die Dringlichkeit ist groß. Wirtschaftsdaten aus dem Jahr 2025 deuteten auf einen „Bürokratie-Burnout“ des Mittelstands hin. Die im Mai 2025 nach dem Regierungswechsel neu geschaffene Digitalministerium soll nun gebündelt gegensteuern. Bundeskanzler Friedrich Merz sieht in der Verwaltungsmodernisierung ein „Konjunkturprogramm zum Nulltarif“.

Erste Ergebnisse noch 2026 erwartet

Was bedeutet das konkret für Unternehmen? Die Wirtschaft erwartet noch 2026 die ersten spürbaren Ergebnisse. Meilensteine in den kommenden Monaten sind der Ausbau des „One-Stop-Shops“ für Unternehmensgründungen, der Firmenneugründungen innerhalb von 24 Stunden ermöglichen soll, und der breitere Einsatz KI-gestützter Steuerprüfungen.

Ob das ambitionierte Ziel von 16 Milliarden Euro Entlastung erreicht wird, hängt maßgeblich von zwei Faktoren ab: der Akzeptanz der KI-Werkzeuge durch die Behördenmitarbeiter und der Robustheit der umgesetzten Datenschutzrahmen. Die Modernisierungsagenda steht damit vor ihrem Praxistest. Wird die digitale Effizienz auch in der realen Welt bei deutschen Unternehmen ankommen?

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