Indien führt strenge Regeln gegen KI-Fälschungen ein
11.02.2026 - 17:24:11Neu-Delhi. Indien schreibt Social-Media-Konzernen weltweit die kürzesten Fristen zur Löschung von KI-generierten Fälschungen vor. Ab dem 20. Februar müssen Plattformen wie Facebook oder YouTube tiefgreifende Änderungen umsetzen.
Die Regierung in Neu-Delhi hat am 10. Februar verschärfte IT-Regeln veröffentlicht. Sie zielen auf „synthetisch generierte Informationen“ – also KI-Inhalte und Deepfakes. Hintergrund sind zunehmende Fälle von Betrug, Desinformation und Belästigung mit künstlich erzeugten Medien.
Drei-Stunden-Frist für illegale Inhalte
Der Kern der neuen Information Technology Amendment Rules, 2026 sind drastisch verkürzte Reaktionszeiten. Auf gerichtliche oder behördliche Anordnung müssen Plattformen illegale Inhalte nun innerhalb von nur drei Stunden entfernen. Bisher galten 36 Stunden.
Noch strenger ist die Vorgabe für höchst sensible Inhalte: Deepfakes oder intime Aufnahmen ohne Einwilligung der Betroffenen müssen binnen zwei Stunden nach Meldung gelöscht werden. Das ist eine der härtesten Fristen weltweit.
Klare Kennzeichnung wird Pflicht
Zusätzlich zur schnellen Löschung schreiben die Regeln eine verpflichtende Kennzeichnung aller KI-generierten Inhalte vor. Plattformen müssen sicherstellen, dass synthetische Medien klar und deutlich als solche markiert sind.
„Die Labels oder eingebetteten Metadaten dürfen später nicht mehr entfernt oder unterdrückt werden“, heißt es in den Vorgaben. Außerdem müssen die Unternehmen automatisierte Tools einsetzen, um illegale KI-Inhalte zu erkennen und ihre Verbreitung zu verhindern.
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Nutzer müssen KI-Inhalte deklarieren
Erstmals definiert das indische Recht auch, was unter synthetisch generierten Informationen zu verstehen ist. Darunter fallen Audio-, Video- oder Bildinhalte, die mit Computerhilfe erstellt oder verändert wurden und authentisch wirken sollen.
Die Regeln entlasten jedoch alltägliche Bearbeitungen wie Farbkorrektur oder Rauschunterdrückung. Auch akademische oder Forschungsinhalte sind ausgenommen, sofern sie die ursprüngliche Bedeutung nicht verfälschen.
Für Nutzer entsteht eine neue Pflicht: Große Plattformen müssen sie auffordern, beim Hochladen von Inhalten zu erklären, ob diese KI-generiert sind. Die Plattformen dürfen sich nicht auf diese Selbsterklärung verlassen, sondern müssen die Angaben mit eigenen technischen Mitteln überprüfen. Veröffentlicht jemand KI-Inhalte ohne Kennzeichnung, kann die Plattform selbst haftbar gemacht werden.
„Safe Harbour“-Schutz steht auf dem Spiel
Die neuen Regeln greifen tief in das Haftungsregime für Internetdienste ein. Bisher schützte die „Safe Harbour“-Klausel des IT-Gesetzes Plattformen weitgehend vor der Verantwortung für Nutzerinhalte.
Doch dieser Schutz ist nun an Bedingungen geknüpft. Hält sich eine Plattform nicht an die Sorgfaltspflichten – etwa die Kennzeichnungspflicht oder die Löschfristen –, verliert sie den Haftungsschutz für den jeweiligen Inhalt. Das Unternehmen würde dann so behandelt, als hätte es das illegale Material selbst veröffentlicht.
Reaktion auf Deepfake-Skandale
Der schnelle Vorstoß der Regierung ist eine Reaktion auf mehrere hochkarätige Deepfake-Vorfälle, bei denen öffentliche Personen ins Visier genommen wurden. Die Sorge vor KI-generierter Desinformation, die sich online rasend schnell verbreiten kann, wächst.
Ursprünglich hatte ein Entwurf sogar vorgeschrieben, dass KI-Labels 10 Prozent des Bildraums einnehmen müssen. Nach Konsultationen mit Tech-Unternehmen, die dies für unpraktikabel hielten, wurde die Formulierung auf „deutlich gekennzeichnet“ abgeschwächt.
Nun stehen die Konzerne unter enormem Druck. Bis zum 20. Februar müssen sie ihre Richtlinien zur Inhaltsmoderation anpassen, neue Prüftechnologien einsetzen und Compliance-Teams erweitern. Die Umsetzung wird international aufmerksam verfolgt, während viele Länder noch mit der Regulierung der rasant fortschreitenden KI-Technologie hadern.
@ boerse-global.de
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