Immobilienkrise, Tirol

Immobilienkrise trifft Tirol und Oberösterreich mit Insolvenzwelle

19.01.2026 - 14:30:13

Eine Serie neuer Insolvenzanträge dämpft die Hoffnung auf Entspannung am österreichischen Immobilienmarkt. Besonders Projektentwickler und spezialisierte Bauunternehmen in Tirol und Oberösterreich geraten zu Jahresbeginn 2026 erneut unter Druck. Die eröffneten Konkursverfahren zeigen: Die Konsolidierung in der Bau- und Immobilienbranche ist noch lange nicht vorbei.

Sogar im traditionell stabilen Tirol häufen sich die Hiobsbotschaften. Aktuelle Daten der Gläubigerschutzverbände belegen eine steigende Insolvenzdichte.

Besonders aufschlussreich ist die Pleite der C & L Putz OG aus Telfs. Solche Insolvenzen von Ausbaubetrieben gelten als Frühwarnindikator. Sie stehen oft am Ende der Zahlungskette und leiden zuerst, wenn Bauträger in Schieflage geraten.

Diese Entwicklung reiht sich ein in eine Serie von Verfahren seit Ende 2025:
* Die Roof industries GmbH aus Hall in Tirol
* Die H & S Wohnbau GmbH aus St. Johann in Tirol

Experten sehen die Ursache vor allem in touristischen Projekten, die auf Investorenmodelle setzten. Die veränderte Zinslandschaft und strengere Kreditrichtlinien machen diesen den Garaus.

Oberösterreich: Projektgesellschaften kollabieren

Auch in Oberösterreich ist die Lage angespannt. Hier zeigt sich ein klassisches Muster: Das Scheitern spezieller Projektgesellschaften (SPVs).

Ein aktuelles Beispiel ist die EICHKOGELWEG PROJEKTERRICHTUNGS GmbH aus Ansfelden. Solche Gesellschaften werden für einzelne Bauvorhaben gegründet. Ihre Pleite hinterlässt unfertige Bauten und offene Forderungen bei den Baufirmen.

Die Folgen sind verheerend, wie das Schicksal der Malzner Erdbau GmbH zeigt. Das Unternehmen musste Ende 2025 den Betrieb einstellen – 86 Mitarbeiter verloren ihren Job. Dieser Fall demonstriert den Dominoeffekt in der gesamten Bauwertschöpfungskette.

Anzeige

Passend zum Thema Personalabbau – wenn Betriebe in die Insolvenz rutschen, müssen Betriebsräte und Arbeitnehmervertretungen schnell handeln. Ein kostenloser Leitfaden zum Sozialplan erklärt praxisnah, wie Sie Sozialauswahl, Interessenausgleich und faire Abfindungen durchsetzen. Mit Muster-Punkteschema, Verhandlungsstrategien und Checklisten für sofortige Anwendung, sodass Sie Beschäftigte konkret schützen können. Jetzt kostenlosen Sozialplan-Leitfaden herunterladen

Warum es gerade jetzt wieder kracht

Die Insolvenzwelle im Januar 2026 ist kein Zufall. Sie ist die logische Konsequenz mehrerer Faktoren:
* Auslaufende Reserven: Liquiditätspolster aus den Vorjahren sind bei vielen Mittelständlern aufgebraucht.
* Die Kostenfalle: Lohnkosten sind deutlich gestiegen, alte Projektkalkulationen halten nicht mehr stand.
* Die Finanzierungslücke: Hohe Zinsen machen Eigentumswohnungen für Endkunden unattraktiv. Bauträger bleiben auf ihren Einheiten sitzen.

Der KSV1870 beobachtet eine Verschiebung: Die Zahl der Milliardenpleiten geht zurück, doch die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen bleibt hoch. Der Fokus liegt jetzt auf dem breiten Mittelstand.

Eigentum vs. Miete: Die strategische Sackgasse

Ein entscheidender Knackpunkt ist die Diskrepanz zwischen Eigentums- und Mietmarkt. Viele insolvente Bauträger hatten sich auf Eigentumswohnungen spezialisiert. Dieses Segment liegt jedoch brach.

Private Käufer erhalten wegen der KIM-Verordnung und hoher Zinsen kaum noch Kredite. Zwar boomt die Nachfrage nach Mietwohnungen, doch eine Umstellung der Geschäftsmodelle gelingt selten. Die Mietrenditen decken oft die hohen Errichtungskosten nicht. Diese strategische Sackgasse führt reihenweise in die Zahlungsunfähigkeit.

Ausblick: Keine Entwarnung in Sicht

Branchenkenner geben für das erste Quartal 2026 keine Entwarnung. Die Insolvenzzahlen in der Bau- und Immobilienwirtschaft werden vorerst hoch bleiben.

Besonders in den Ballungsräumen Linz und Innsbruck sowie in Tirols Tourismus-Hotspots dürfte sich die Spreu weiter vom Weizen trennen. Für die betroffenen Handwerksbetriebe und ihre Mitarbeiter bleibt die Situation prekär. Die Branche fordert nun politische Impulse, um den dringend benötigten Wohnungsneubau nicht zu gefährden.

Anzeige

PS: Betriebsbedingte Kündigungen drohen und ein durchdachter Sozialplan kann Existenzen retten. Dieses kostenlose E-Book bietet Betriebsräten einen kompletten Fahrplan – inklusive Muster-Punkteschema, Beispielvereinbarungen und konkreten Verhandlungstipps, mit denen Sie faire Entschädigungen und Übergangslösungen durchsetzen. Praxistaugliche Vorlagen verkürzen die Vorbereitung erheblich. Jetzt Sozialplan-Toolkit sichern

@ boerse-global.de