Google, Such-Index

Google öffnet Such-Index für KI-Konkurrenten

07.01.2026 - 07:24:12

Aufgrund eines US-Kartellverfahrens muss Google Teile seines wertvollen Such-Index für KI-Anbieter wie OpenAI freigeben. Dies soll den Wettbewerb beleben und könnte die Macht im Internet neu verteilen.

Google teilt erstmals seinen wertvollen Such-Index mit KI-Rivalen. Das historische Zugeständnis folgt auf ein US-Kartellurteil und könnte die Macht im Internet neu verteilen.

Ein historischer Schritt für den Wettbewerb

Seit dieser Woche müssen Teile von Googles Such-Index für ausgewählte KI-Konkurrenten zugänglich sein. Die Maßnahme ist das Ergebnis eines wegweisenden Kartellverfahrens in den USA und beendet eine über zwei Jahrzehnte währende Alleinstellung. Richter Amit Mehta ordnete die Datenfreigabe Ende 2025 als “Verhaltensmaßnahme” an, um den Marktzutritt zu erleichtern. Für Unternehmen wie OpenAI, Anthropic und Perplexity entfällt damit der milliardenschwere Aufwand, das Web selbst zu crawlen. Sie erhalten Zugriff auf den gleichen Datenpool, der auch Googles eigene Suchmaschine speist – inklusive anonymisierter Nutzerinteraktionsdaten.

Anzeige

Die Öffnung von Googles Such-Index beschleunigt KI-Anbieter – gleichzeitig gelten seit August 2024 umfassende Regeln für KI-Systeme. Viele Entwickler und Anbieter überblicken Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen und Dokumentationsanforderungen nicht. Unser kostenloser Umsetzungsleitfaden zur EU‑KI‑Verordnung erklärt kompakt, welche Pflichten jetzt gelten, wie Sie Ihr System korrekt klassifizieren und welche Dokumentations‑ und Transparenzanforderungen zu erfüllen sind. Praktische To‑Do‑Listen für Produktverantwortliche inklusive. Jetzt kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen

Ein neu ernannter Technikausschuss überwacht die Umsetzung. Er stellt sicher, dass die bereitgestellten Daten aktuell und umfassend genug sind, um konkurrierende KI-Modelle zu trainieren. Experten sehen darin den Schlüssel, um “Halluzinationen” der KI zu reduzieren und tagesaktuelle Antworten zu liefern. Die Daten dürfen jedoch ausschließlich für Suchdienste genutzt werden, und die Empfänger müssen strenge Sicherheitsvorgaben erfüllen.

Das Urteil: Keine Zerschlagung, aber Öffnung

Hinter der Öffnung steht der erfolgreiche Kartellprozess USA gegen Google. Das Urteil vom August 2024 bestätigte, dass Google sein Suchmonopol illegal ausgebaut hatte. In den abschließenden Auflagen lehnte das Gericht eine Zerschlagung des Konzerns – etwa durch den Verkauf von Chrome oder Android – jedoch ab. Stattdessen setzte es auf zwei zentrale Hebel:

  1. Die Index-Freigabe soll den “Skalennachteil” neuer Anbieter ausgleichen. Die jahrzehntelang gesammelten Daten Googles galten als unerreichbarer Vorsprung.
  2. Exklusivverträge verboten: Google darf mit Partnern wie Apple oder Samsung keine langfristigen Standardverträge mehr schließen. Die Laufzeit ist jetzt auf ein Jahr begrenzt, was jährliche Neuverhandlungen und Chancen für Konkurrenten erzwingt.

Rechtsexperten bezeichnen diesen Ansatz als “chirurgisch”. Er zielt darauf ab, Wettbewerb zu fördern, ohne Googles Ökosystem zu zerstören. Für das Unternehmen ist es eine Niederlage mit Ansage – der Börsenkurs der Muttergesellschaft Alphabet blieb jedoch stabil, wohl aus Erleichterung über die abgewendete Zerschlagung.

KI-Boom versus Publisher-Sorgen

Die unmittelbaren Folgen werden in der Tech-Branche intensiv diskutiert. Für KI-getriebene “Antwortmaschinen” ist der Zugang zum Index ein Turbo. Sie können Informationen direkt synthetisieren und umgehen so die klassische Link-Liste. Doch traditionelle Webseitenbetreiber blicken besorgt in die Zukunft.

Ihre Angst: Wenn KI-Tools Inhalte immer besser mit Googles eigenen Daten zusammenfassen, sinken die Klickraten auf Originalseiten weiter. Dieses “Zero-Click”-Phänomen könnte das werbefinanzierte Geschäftsmodell des offenen Webs aushöhlen. Im Kartellverfahren war dies ein zentraler Streitpunkt.

Sechs Jahre auf Bewährung

Die Index-Öffnung ist nur der Beginn einer sechsjährigen Überwachungsphase. Der Technikausschuss wird die Einhaltung der Auflagen bis 2031 kontrollieren. Die erste Bewährungsprobe steht noch in diesem Jahr an, wenn Gerätehersteller ihre Such-Standardeinstellungen unter den neuen Ein-Jahres-Regeln neu verhandeln müssen.

Ob die Maßnahme wirkt, hängt nun von den Konkurrenten ab. Schaffen sie es, mit Googles Daten gleichwertige Produkte zu bauen, könnte der Suchmarkt bis 2027 spürbar fragmentieren. Scheitern sie an technischen Hürden oder zu grob gefilterten Daten, bliebe Googles Dominanz wohl bestehen. Das US-Justizministerium behält sich vor, bei ausbleibendem Wettbewerb nachzuschärfen. Das Experiment, die grundlegendste Utility des Internets neu zu gestalten, hat begonnen.

Anzeige

Übrigens: Wenn KI-Modelle künftig auf externe Indizes zugreifen, entstehen neue Nachweispflichten, Transparenzanforderungen und erweiterte Dokumentationsaufgaben. Wer jetzt die Compliance‑Schritte kennt, kann Risiken und mögliche Sanktionen vermeiden. Fordern Sie den kostenlosen Leitfaden zur EU‑KI‑Verordnung an – verständliche Erläuterungen zu Kennzeichnung, Risikoklassen, Transparenzpflichten und konkreten Umsetzungsschritten für Entwickler und Unternehmen. KI-Verordnung: Gratis-Umsetzungsleitfaden anfordern

@ boerse-global.de