Führungskräftemangel, Firmen

Führungskräftemangel: Deutsche Firmen müssen umdenken

21.01.2026 - 06:44:12

Eine Studie des IW offenbart über 28.000 unbesetzte Führungspositionen und geringe Ambitionen bei Mitarbeitern. Die Lösung liegt in einem Paradigmenwechsel zu kompetenzbasierter Personalarbeit und KI-gestützten Strategien.

Angesichts einer alarmierenden Lücke bei Führungspositionen stehen deutsche Unternehmen vor einem strategischen Umbruch in der Personalentwicklung. Eine aktuelle Studie zeigt eine geringe Bereitschaft, Leitungsaufgaben zu übernehmen. Experten sehen für 2026 nur einen Ausweg: einen Paradigmenwechsel hin zu kompetenzbasierter, mitarbeiterzentrierter und KI-gestützter Personalarbeit.

Die Suche nach qualifizierten Nachwuchsführungskräften wird 2026 zu einer der zentralen Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft. Während der demografische Wandel den Fachkräftemangel verschärft, reichen traditionelle Karriereanreize nicht mehr aus. Unternehmen sind gezwungen, ihre Strategien zur Talentgewinnung und -bindung grundlegend zu überarbeiten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Im Fokus stehen dabei technologische Innovationen und eine völlig neue Unternehmenskultur.

Studie offenbart dramatische Lücke und mangelnde Ambition

Eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vom 19. Januar 2026 zeichnet ein düsteres Bild. Allein im vergangenen Jahr blieben über 28.000 Fachkraftstellen in Führungsberufen unbesetzt, besonders in mittelständischen Unternehmen. Noch alarmierender ist die Einstellung der Belegschaft: Nur jeder siebte Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung kann sich klar vorstellen, eine solche Rolle zu übernehmen.

Die Gründe für diese Zurückhaltung sind eindeutig. Eine hohe Arbeitsbelastung (77 Prozent), große Verantwortung (75 Prozent) und die Sorge um die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (73 Prozent) schrecken ab. Fast die Hälfte der Befragten hält die finanziellen Anreize für zu gering oder fürchtet den Verlust des guten Verhältnisses zu Kollegen. Im Gegensatz dazu motivieren potenzielle Führungskräfte vor allem Gestaltungsspielräume – noch vor einer besseren Bezahlung.

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Drei Trends für die Personalarbeit 2026: Skills, Sinn und KI

Als Reaktion auf diese Krise zeichnen sich drei entscheidende Trends für die strategische Personalentwicklung ab:

  1. Kompetenzen statt Lebenslauf: Der Paradigmenwechsel geht weg von starren Prozessen hin zu „Skill-based Hiring“. Konkrete Fähigkeiten der Bewerber rücken in den Vordergrund, um Positionen passgenauer zu besetzen.
  2. Kultur als Wettbewerbsfaktor: Eine sinnstiftende Unternehmenskultur („Purpose-driven Culture“) wird entscheidend, um Talente langfristig zu binden. Dies geht einher mit „Human-centric Leadership“ – einem Führungsstil, der Empathie und psychologische Sicherheit der Mitarbeiter in den Mittelpunkt stellt.
  3. KI als Enabler: Künstliche Intelligenz übernimmt administrative Aufgaben und setzt Personaler für strategische Themen frei. „People Analytics“ hilft, Fluktuationsrisiken und Mitarbeiterzufriedenheit datenbasiert zu verstehen. Mit dem Inkrafttreten des EU AI Acts 2026 kommen jedoch strenge regulatorische Anforderungen für den ethischen Einsatz von KI im HR-Bereich hinzu.

Warum klassische Karrierepfade aus der Zeit gefallen sind

Die Daten zeigen: Der Mangel ist nicht nur demografisch, sondern auch kulturell bedingt. Jüngere Generationen definieren Erfolg neu. Das traditionelle „Up-or-Out“-Modell hat ausgedient. Hohe Arbeitsbelastung und Einschnitte im Privatleben werden nicht mehr als zwangsläufiger Preis für Aufstieg akzeptiert.

Unternehmen müssen stattdessen flexible Führungsmodelle anbieten, die Gestaltungsspielraum mit einer gesunden Work-Life-Balance verbinden. Die Personalentwicklung muss sich von der Verwaltung zum Gestalter attraktiver Karrierepfade wandeln. Das bedeutet: Potenziale früh erkennen und Mitarbeiter durch gezieltes „Upskilling“ fördern.

Ausblick: Ganzheitliche Strategie als Schlüssel

Um die Führungsetagen nachhaltig zu besetzen, braucht es 2026 eine mehrgleisige Strategie. Die Attraktivität von Führungspositionen muss neu definiert werden – Verantwortung muss mit Flexibilität und Sinnhaftigkeit einhergehen. Zudem ist eine datengestützte, kompetenzorientierte Talententwicklung im eigenen Unternehmen unerlässlich.

Eine entscheidende Rolle kommt dem mittleren Management zu. Es muss befähigt werden, Veränderungen umzusetzen und Mitarbeiter zu binden. Der ethische Einsatz von Technologie kann dabei helfen, Freiräume für die strategische Arbeit am wichtigsten Kapital zu schaffen: den Menschen selbst. Nur so lässt sich die wirtschaftliche Zukunft sichern.

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