EU-Zollkatalog, Regeln

EU-Zollkatalog 2026: Neue Regeln für grüne Technologien und strategische Materialien

04.01.2026 - 04:14:13

Seit Jahresbeginn gelten in der EU verschärfte Zollcodes für strategische Technologien wie Batteriematerialien und Halbleiter, um Lieferketten transparenter zu machen.

Ab sofort gelten in der EU verschärfte und präzisere Zollvorschriften für Schlüsseltechnologien. Die Reform zielt auf mehr Transparenz in den Lieferketten.

Seit dem 1. Januar 2026 müssen europäische Unternehmen bei Import und Export eine grundlegend überarbeitete Zollnomenklatur anwenden. Die Kombinierte Nomenklatur (KN) 2026 führt erstmals detaillierte Tarifcodes für strategische Materialien der Zukunft ein. Betroffen sind vor allem die Sektoren Batterieproduktion, Halbleiter und erneuerbare Energien. Ziel der EU ist es, die Abhängigkeiten in kritischen Lieferketten präzise überwachen und die eigene strategische Autonomie stärken zu können.

Präzisionsschlag für Batterie- und Halbleiterbranche

Die größte praktische Veränderung betrifft die bisherigen Sammelkategorien. Breite „Warenkorb-Codes“ für Hochtechnologie wurden aufgelöst. Stattdessen gelten nun spezifische Vorschriften für jede Komponente.

Erstmals gibt es eigene Zollnummern für die chemischen Vorläufer von E-Auto-Batterien. Importeure müssen nun zwischen Lithium-Nickel-Mangan-Cobalt-Oxiden (NMC) (KN-Code 2841 90 40) und Lithium-Eisen-Phosphat (LFP) unterscheiden. Bisher wurden diese kritischen Kathodenmaterialien oft unter allgemeinen „sonstige anorganische Verbindungen“ geführt. Das machte eine statistische Nachverfolgung der Lieferketten nahezu unmöglich.

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Zudem wurde eine neue Unterposition für Batterieseparatoren aus Kunststofffolie mit einer Dicke von maximal 40 Mikrometern eingeführt (KN-Code 8507 90 31). Diese Änderung betrifft direkt die Hersteller von Lithium-Ionen-Zellen und erfordert eine sofortige Aktualisierung der Stammdaten.

Genaue Trennung bei Halbleitern und Solarzellen
Auch für Rohstoffe der Halbleiter- und Photovoltaikindustrie schafft die Reform Klarheit. Künstlicher Graphit in Pulverform – essenziell für Batterieanoden und Wärmemanagement – erhält eine eigene Klassifizierung (3801 10 10), sofern der Aschegehalt 0,05 Gewichtsprozent nicht übersteigt. Ebenso werden Photovoltaik-Wafer aus dotiertem Silizium (KN-Code 3818 00 11) nun explizit von anderen Siliziumprodukten unterschieden.

„Die Ära der generischen Codes für Hochtechnologie ist vorbei“, heißt es in einem Compliance-Update für Logistikdienstleister. Zollbehörden könnten nun unpräzise Klassifizierungen bei diesen Gütern beanstanden und damit Verzögerungen bei der Abfertigung auslösen.

Windkraft und Wasserstoff: Infrastruktur im Fokus

Windkraft-Komponenten erhalten eigenen Status
Die neuen Tarifpositionen berücksichtigen die logistische Realität von Windenergieprojekten. Unter Kapitel 73 und 84 gibt es nun spezifische Einträge für Stahlrohrtürme und Turmsegmente für Windkraftanlagen (KN-Code 7308 20 10) sowie für Rotorblätter (KN-Code 8412 90 60). Bisher wurden diese Großkomponenten oft als allgemeine Stahlkonstruktionen oder generische Motorenteile deklariert.

Wasserstofftechnologie wird sichtbar
Im Zuge des EU-Pushes für eine Wasserstoffwirtschaft wurde Kapitel 85 erweitert. Es enthält nun spezifische Einträge für Wasserstoff-Brennstoffzellengeneratoren. So lassen sich grüne Wasserstoff-Aggregate von herkömmlichen Diesel- oder Gasgeneratoren unterscheiden – eine Differenzierung, die für künftige CO₂-Grenzausgleichsmechanismen (CBAM) und Subventionsberechtigungen immer relevanter wird.

Globale Parallelen: Chinas eigene 2026-Strategie

Die EU-Bemühungen um mehr Transparenz fallen mit globalen Handelsverschiebungen zusammen. Seit dem 2. Januar 2026 hat auch China sein eigenes Zolltarifsystem angepasst.

Peking senkt dabei die Importzölle für Ausrüstungen der Hochtechnologiefertigung und spezifische Gesundheitsprodukte. Während die EU mit neuen Codes strategische Industrien überwachen und schützen will, nutzt China Zollsenkungen, um Hochtechnologie-Importe anzuziehen. Für multinationale Technologiekonzerne entsteht so eine komplexe Doppel-Compliance-Landschaft. Eine Komponente, die aus China in die EU exportiert wird, profitiert möglicherweise von niedrigeren chinesischen Ausfuhrzöllen, unterliegt aber beim EU-Import strengerer Prüfung.

Drei Sofortmaßnahmen für Unternehmen im ersten Quartal

Handelsabteilungen sollten zu Jahresbeginn drei Prioritäten setzen, um Lieferketten aufrechtzuerhalten:

  1. Stammdaten überprüfen: ERP-Systeme dürfen nicht mehr auf die KN 2025-Codes zurückfallen. Alte Klassifizierungen führen zur sofortigen Zurückweisung der Zollerklärung.
  2. ​​Lieferantendokumentation anfordern: Importeure benötigen aktuelle technische Datenblätter, insbesondere für Graphit und Kunststofffolien. Nur so lassen sich Spezifikationen wie der Aschegehalt oder die Folienstärke nachweisen.
  3. ​​Intrastat-Meldungen anpassen: Die neuen KN-Codes gelten auch für Intrastat-Meldungen im innereuropäischen Handel. Die Berichte für Januar 2026, die im Februar fällig werden, müssen die neuen Kategorien widerspiegeln.

Daten als Grundlage für künftige Handelsmaßnahmen

Die Einführung spezifischer Codes wird weithin als Vorläufer für gezieltere handelspolitische Maßnahmen gesehen. Indem die Europäische Kommission Materialien wie „Lithium-Eisen-Phosphat“ oder „Permanentmagnete“ im Zolltarif isoliert, gewinnt sie die Datengrundlage für präzise Anti-Dumping-Untersuchungen oder spezifische Zölle – ohne dabei breitere Warenkategorien zu treffen.

Die gesammelten Daten werden voraussichtlich die Überprüfung des EU-Gesetzes für kritische Rohstoffe und mögliche Anpassungen des CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) beeinflussen. Für Technologieunternehmen ist die Botschaft klar: Präzise Klassifizierung ist keine Option mehr, sondern die neue Grundvoraussetzung für Marktzugang.

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