EU-Zahlungsrevolution, Regeln

EU-Zahlungsrevolution: Neue Regeln und Stablecoins läuten Ära ein

30.11.2025 - 03:42:12

Neue EU-Zahlungsverordnung PSR schafft einheitlichen Markt, während Fintechs mit Stablecoins und Sofortabrechnungen die Branche transformieren. Traditionelle Banken stehen unter Innovationsdruck.

Brüssel – Die europäische Finanzbranche erlebt einen Wendepunkt: Während EU-Politiker am Freitag den Durchbruch bei der Zahlungsdienste-Verordnung (PSR) erzielten, preschen Fintechs mit Stablecoins und Echtzeit-Abwicklungen vor. Der niederländische Zahlungsriese Adyen verstärkt seine Sofortabrechnungs-Tools, während „Jetzt kaufen, später zahlen”-Marktführer Klarna seinen eigenen Stablecoin lanciert. Traditionelle Finanzwelt und Krypto-Ökonomie wachsen zusammen – schneller als viele erwartet hatten.

Die Entwicklungen dieser Woche markieren das vorläufige Ende einer jahrelangen Regulierungsdebatte. Gleichzeitig zeigen sie, wie rasant die Branche auf die neuen Spielregeln reagiert. Seit dem 9. Oktober 2025 müssen alle Banken in der Eurozone Sofortzahlungen anbieten – und die Marktteilnehmer nutzen diese Infrastruktur bereits für die nächste Generation digitaler Finanzprodukte.

Durchbruch in Brüssel: PSR ersetzt PSD2

Am 28. November einigten sich Europäischer Rat und Parlament auf den finalen Verordnungstext. Die neue Payment Services Regulation löst die bisherige PSD2-Richtlinie ab und soll die zersplitterte europäische Zahlungslandschaft harmonisieren. Kernstück: deutlich schärfere Haftungsregeln bei betrügerischen Überweisungen und verpflichtende Schnittstellen für Open Banking.

„Wir schaffen endlich einen einheitlichen europäischen Zahlungsmarkt”, erklärte ein Sprecher des Europäischen Rates. Die Verordnung standardisiert erstmals EU-weit die Regeln für Betrugsschäden und API-Zugriffe – bislang Flickenteppich nationaler Regelungen.

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Besonders brisant: Die PSR verschärft die Haftung bei sogenannten „Authorized Push Payment”-Betrügereien, bei denen Opfer selbst unwissentlich Überweisungen an Kriminelle freigeben. Diese Betrugsmaske verbreitet sich rasant im Zeitalter der Sofortüberweisungen.

Banken müssen künftig qualitativ hochwertige Programmierschnittstellen für Drittanbieter bereitstellen. Das dürfte besonders deutschen Instituten Kopfschmerzen bereiten, die beim Open Banking bislang eher zurückhaltend agierten.

Die Verordnung tritt voraussichtlich Ende 2026 in Kraft – ein ähnlich knappes Zeitfenster wie beim kürzlich scharf gestellten Digital Operational Resilience Act (DORA).

Echtzeit-Revolution: Adyen und Visa drücken aufs Tempo

Seit dem 9. Oktober müssen alle Banken der Eurozone Sofortüberweisungen anbieten können. Was zunächst wie eine technische Pflichtübung klang, entfaltet nun seine volle Wirkung. Adyen nutzte die neue Infrastruktur bereits im November, um Händlern sekundenschnelle Gutschriften zu ermöglichen – rund um die Uhr, unabhängig von Geschäftszeiten.

„Geschwindigkeit ist kein Premium-Feature mehr, sondern der Standard”, betonte Adyens Produktführung. Händler können jetzt sofort auf ihre Umsätze zugreifen, was die Liquiditätsplanung fundamental verändert. Besonders für kleinere Online-Shops könnte das zum Wettbewerbsvorteil werden.

Auch Visa Europe baute im Oktober seine Echtzeit-APIs für grenzüberschreitende Zahlungen aus. Damit verschiebt sich der Fokus: Sofortzahlungen entwickeln sich vom reinen Peer-to-Peer-Tool zur Basis für Unternehmensfinanzierung und Händler-Abwicklung. Können traditionelle Banken da mithalten?

Fintechs entdecken Krypto: Klarna wagt den Stablecoin-Sprung

Am 25. November überraschte Klarna die Branche: Der schwedische Fintech-Riese kündigte seinen eigenen Stablecoin an. Ziel ist die Optimierung grenzüberschreitender Zahlungen innerhalb des eigenen Ökosystems – und eine Unabhängigkeit von klassischen Kartennetzwerken.

„Klarnas Einstieg zeigt: Digitale Assets werden zu praktischen Abwicklungsinstrumenten”, analysiert ein führendes Fintech-Beratungshaus. Möglich macht das die seit diesem Jahr vollständig anwendbare MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets), die regulierten Unternehmen Rechtssicherheit gibt.

Zwei Tage später legte die Kryptobörse Kraken nach: Ab 27. November können Nutzer in Großbritannien und der EU mit einer neuen Debitkarte direkt aus ihrer Krypto-Wallet zahlen – bei Millionen Händlern weltweit. Die Grenze zwischen Krypto-Wallet und klassischem Bankkonto verschwimmt zusehends.

Während deutsche Sparkassen noch über Blockchain-Pilotprojekte diskutieren, schaffen skandinavische Fintechs bereits Fakten. Droht der deutschen Finanzbranche der Anschluss zu entgleiten?

Sicherheit im Fokus: Erste DORA-Praxiserfahrungen

Bei aller Innovationsfreude bleibt Sicherheit das Top-Thema. Seit dem DORA-Stichtag im Januar 2025 durchlaufen Finanzinstitute die erste Runde verschärfter Aufsicht und Berichtspflichten. Die Lernkurve ist steil.

Parallel zeigt das „Verification of Payee”-System (Kontoinhaberprüfung) erste Wirkung. Seit dem 9. Oktober müssen Banken vor jeder Überweisung prüfen, ob IBAN und Kontoinhaber übereinstimmen. Fehlgeleitete Zahlungen und Rechnungsbetrug gehen messbar zurück.

Doch es hakt: Branchenberichte dieser Woche zeigen, dass VOP bei legitimen B2B-Sammelüberweisungen Probleme verursacht. Die Abgleich-Algorithmen scheinen noch nicht ausgereift. Nachbesserungen werden gefordert.

Was kommt 2026?

Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Regulierungsflut wirklich Innovation fördert oder erstickt. Im Fokus steht die praktische Umsetzung der PSR und der weitere Rollout der digitalen Wallet Wero, die Anfang November nach Belgien expandierte.

Mit den Leitplanken von MiCA, DORA und PSR verspricht 2026 ein Jahr harter Konkurrenzkämpfe zu werden. Banken, Fintechs und Tech-Konzerne buhlen um die Vorherrschaft in einem vollständig echtzeitfähigen, offenen und regulierten europäischen Markt.

Die Frage bleibt: Werden europäische Finanzkonzerne das Tempo mitgehen können – oder überlassen sie das Feld den agilen Fintechs aus Skandinavien und den Niederlanden?

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