EU verschärft Sanktionsdurchsetzung mit neuer „Molekül-Rückverfolgung“
18.01.2026 - 16:14:12
Die EU-Kommission stellt Unternehmen mit verschärften Leitlinien zur Sanktionsumgehung vor die größte Herausforderung seit Kriegsbeginn. Ab dem 21. Januar 2026 gilt die lückenlose Rückverfolgung von Ölprodukten – ein Paradigmenwechsel für den europäischen Handel.
Veröffentlicht am 15. Januar, nur sechs Tage vor Inkrafttreten der neuen Regeln, zielen die aktualisierten Leitlinien darauf ab, Schlupflöcher zu schließen. Kern ist das Verbot von raffinierten Erdölprodukten, die in Drittländern aus russischem Rohöl hergestellt wurden. Die sogenannte „Molekül-Ban“ beendet die legale Umgehung über Länder wie Indien oder die Türkei. Importeure müssen nun lückenlos nachweisen, dass ihre Ware keinen russischen Ursprung hat.
Jagd auf die „Schattenflotte“ auf hoher See
Ein Hauptaugenmerk liegt auf der maritimen Umgehung. Die Kommission richtet den Fokus explizit auf die „Schattenflotte“ – eine Flotte alter Tanker, die außerhalb westlicher Versicherungs- und Regulierungsrahmen operiert, um das Ölpreislimit von 60 Dollar pro Barrel zu unterlaufen.
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Die neuen Vorgaben fordern von Häfen und Dienstleistern erhöhte Wachsamkeit gegenüber Schiffen unter bestimmten Flaggen, wie denen Gabuns oder der Komoren. Als Warnsignale gelten das Abschalten des Automatischen Identifikationssystems (AIS) auf See, Schiffs-zu-Schiff-Transfers in Risikozonen und das Fehlen seriöser Versicherung. Der Umgang mit solchen Schiffen gilt nun pauschal als verdächtig – die Beweislast liegt beim europäischen Unternehmen.
„Trojanische Pferde“: Das wachsende Risiko im Inneren
Während der Außenhandel unter Beobachtung steht, wächst auch die interne Bedrohung. Laut einem Bericht der Ratingagentur Moody‘s vom 16. Januar ist die Zahl russischer Firmen innerhalb der EU seit Mitte 2025 um fast 3% auf rund 50.000 gestiegen.
Das Kapital fließt vor allem in Immobilien, Handel und Logistik. Viele Strukturen sind so angepasst, dass sie knapp unter der 50%-Beteiligungsschwelle für automatische Einfrierungen bleiben. Die EU-Leitlinien reagieren darauf mit dem „Kontroll“-Kriterium: Es zählt nicht der reine Besitzanteil, sondern wer tatsächlich die Entscheidungsmacht hat. Bulgarien und Tschechien bleiben Hotspots für solche „trojanischen Pferde“.
Mitgliedstaaten schärfen Strafen bis hin zur Haft
Die Leitlinien fallen mit einer Welle verschärfter nationaler Strafverfolgung zusammen. Deutschland hat am 15. Januar seine Vollzugsprotokolle angepasst. Italien verabschiedete am 9. Januar ein Dekret, das ab dem 24. Januar schwere Strafen für Sanktionsverstöße vorsieht.
Die Konsequenz: Wer die neuen Sorgfaltspflichten vernachlässigt, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern strafrechtliche Verfolgung für Führungskräfte. Der bisher vage „Beste-Mühe“-Standard wird in nationales Recht gegossen. Juristen warnen, dass 2026 der Fokus auf „fahrlässigen Verstößen“ liegen wird – also dem Versäumnis, offensichtliche Umgehung zu erkennen.
Compliance-Revolution für die Wirtschaft
Für Unternehmen in Energie, Rohstoffen und Logistik bedeutet dies eine komplette Überholung ihrer Compliance-Systeme. Einfache Lieferantenerklärungen reichen nicht mehr. Der neue Standard verlangt unabhängige Verifizierung der Herkunft.
Energieimporteure müssen chemische Analysezertifikate und detaillierte Schiffsroutendaten prüfen. Banken müssen ihre Transaktionsüberwachung anpassen, um Zahlungen an Firmen mit undurchsichtigen Eigentümerstrukturen zu erkennen – auch wenn sie nicht auf Sanktionslisten stehen. Versicherer sind angehalten, die laufende Compliance der von ihnen gedeckten Schiffe zu überwachen und bei Verdacht auf Umgehung die Police zu kündigen.
Mit dem 21. Januar beginnt eine Phase der Unsicherheit, während sich die Lieferketten an die neuen Realitäten anpassen. Die EU signalisiert klar: Die Ära des Sanktionsdesigns ist vorbei. Jetzt beginnt die Phase der kompromisslosen Durchsetzung.
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