Handelspolitik, China

EU verschärft Handelspolitik mit China und stoppt Mercosur-Deal

22.01.2026 - 14:15:12

Die EU führt eine Registrierungspflicht für chinesische Reifen ein, stoppt das Mercosur-Abkommen und reagiert mit Gegenmaßnahmen auf US-Zolldrohungen.

Die Europäische Union setzt an mehreren Fronten auf Abschottung. Am Donnerstag, 22. Januar 2026, wurden zwei handelspolitische Paukenschläge bekannt: Die Kommission führt eine sofortige Registrierungspflicht für chinesische Reifen ein, während das Parlament das EU-Mercosur-Abkommen zur rechtlichen Prüfung an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) überweist. Parallel dazu wurde die Ratifizierung eines US-Handelsabkommens ausgesetzt.

Chinesische Reifen: EU bereitet Strafzölle vor

Mit einer heute im Amtsblatt veröffentlichten Verordnung schaltet die EU auf Konfrontationskurs mit China. Commission Implementing Regulation (EU) 2026/130 verpflichtet Zollbehörden ab sofort zur Registrierung aller Importe neuer Luftreifen aus der Volksrepublik.

Konkret betrifft dies Reifen für Pkw, Busse und Lkw. Die Maßnahme ist ein klares Warnsignal an Importeure. Sie ermöglicht es, eventuelle Anti-Dumping-Zölle rückwirkend auf alle ab heute eingeführten Waren anzuwenden. Hintergrund ist eine Beschwerde der EU-Reifenindustrie, die chinesische Hersteller beschuldigt, durch unfaire Subventionen den Markt zu verzerren.

Für Logistik- und Einkaufsabteilungen bedeutet dies akute Planungsunsicherheit. Sie müssen nun mit potenziellen Nachforderungen rechnen, sollte die laufende Untersuchung zu Strafzöllen führen. Eine vorläufige Entscheidung wird für Mitte 2026 erwartet.

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Mercosur-Abkommen: Parlament zieht Notbremse

Wenige Tage nach der Unterzeichnung des Handelsabkommens mit den Mercosur-Staaten am 17. Januar hat das Europäische Parlament den Prozess gestoppt. Mit knapper Mehrheit (334 zu 324 Stimmen) beschlossen die Abgeordneten am Mittwoch, den Vertragstext dem EuGH vorzulegen.

Dort soll geprüft werden, ob das Abkommen mit EU-Recht vereinbar ist. Diese Überweisung friert das Ratifizierungsverfahren ein und könnte die Umsetzung um bis zu zwei Jahre verzögern. Vor allem Umweltbedenken und die Auswirkungen auf die europäische Landwirtschaft trieben die Abgeordneten zu diesem Schritt.

Für Unternehmen, die bereits auf Zollsenkungen zwischen den Kontinenten spekuliert hatten, ist dies ein herber Rückschlag. Die angestrebte wirtschaftliche Diversifizierung der EU liegt damit vorerst auf Eis.

Transatlantische Beziehungen: EU reagiert auf US-Drohungen

In einer weiteren Eskalation hat das Parlament die Ratifizierung eines geplanten Handelsabkommens mit den USA ausgesetzt. Grund sind jüngste Drohungen der US-Regierung, einen pauschalen Einfuhrzoll von 10 Prozent auf alle EU-Exporte zu erheben.

Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses, machte deutlich: Solange solche wirtschaftlichen Drohungen im Raum stehen, sind Kompromisse unmöglich. Die EU bereitet bereits Vergeltungsmaßnahmen vor. Medienberichten zufolge könnte eine Liste US-amerikanischer Exporte im Wert von 93 Milliarden Euro getroffen werden.

Besonders betroffen wären Exporteure von Stahl, Aluminium und Luxusgütern. Sie müssen sich auf neue Handelsbarrieren einstellen.

Agrarpolitik: Technische Anpassungen für 2026

Neben den handelspolitischen Großkonflikten enthielt das Amtsblatt auch technische Aktualisierungen für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP).

Die Verordnung (EU) 2026/163 präzisiert die Berichtspflichten der Mitgliedstaaten zu Umweltmaßnahmen und Tierwohl. Ziel ist eine bessere Abstimmung mit den Nachhaltigkeitszielen der EU. Zwei weitere Verordnungen regeln die jährliche Leistungsüberprüfung und die Finanzkontrolle der Agrarfonds für das laufende Jahr. Diese administrativen Grundlagen sind für nationale Zahlstellen und Begünstigte essenziell.

Strategische Autonomie wird Realität

Die Häufung dieser Maßnahmen zeigt: Die EU setzt ihre Strategie der wirtschaftlichen Sicherheit mit Nachdruck um. Nach Anti-Dumping-Zöllen auf Aluminiumoxid zu Wochenbeginn folgt nun der Schritt gegen chinesische Reifen. Die gleichzeitigen Konflikte mit China, den USA und der Verzögerungsschlag gegen Mercosur stellen europäische Exporteure vor erhebliche Herausforderungen.

Die unmittelbare Priorität für den Logistiksektor ist die neue Reifen-Registrierung. Zolldienstleister müssen ihre Systeme sofort aktualisieren. Langfristplaner müssen davon ausgehen, dass die Mercosur-Marktöffnung frühestens 2028 erfolgt – so lange dauert ein EuGH-Gutachten in der Regel.

Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf einen EU-US-Notgipfel heute Abend in Brüssel. Dort wird über den Einsatz des Anti-Coercion-Instruments als Antwort auf die amerikanischen Zolldrohungen beraten.

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