EU-Kommission, Zoll-Krieg

EU-Kommission will Zoll-Krieg mit USA verhindern

23.01.2026 - 22:05:12

Die EU-Kommission plant eine Verlängerung der Zollschonfrist für US-Importe, um Zeit für Verhandlungen zu gewinnen. Gleichzeitig verschärft sich der Konflikt durch US-Forderungen zu Grönland.

Die Europäische Kommission will einen drohenden milliardenschweren Handelskrieg mit den USA abwenden. Dazu plant sie, eine ausgesetzte Zollschonfrist für US-Importe zu verlängern. Dieser Schritt soll Zeit für neue Verhandlungen schaffen – während gleichzeitig ein neuer Konflikt um Grönland eskaliert.

Die Entscheidung aus Brüssel ist ein klares Signal zur Deeskalation. Sie soll verhindern, dass am 7. Februar automatisch ein umfangreiches Paket europäischer Gegenzölle in Kraft tritt. Hintergrund sind schwelende Handelsstreitigkeiten, die bereits 2025 zu spürbaren Exportrückgängen deutscher Unternehmen in die USA führten. Der Vorstoß kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Neue Drohungen aus Washington versetzen die europäische Politik in höchste Alarmbereitschaft.

Eskalation durch Grönland-Forderungen

Die Lage hat sich durch jüngste Äußerungen von US-Präsident Donald Trump dramatisch zugespitzt. Er kündigte an, ab 1. Februar Strafzölle von 10 Prozent auf Importe aus Deutschland und sieben weiteren EU-Staaten zu erheben – falls Dänemark Grönland nicht an die USA verkaufe. Diese Zölle sollen bis Juni sogar auf 25 Prozent steigen.

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In Europa wird dies als politische Erpressung mittels wirtschaftlichen Zwangs verstanden. Das Europäische Parlament reagierte prompt und verschob die Ratifizierung eines bereits ausgehandelten EU-US-Handelsabkommens auf unbestimmte Zeit. Die Grönland‑Frage hat den alten Zollkonflikt damit in eine neue, gefährliche Dimension gehoben.

Wirtschaft atmet auf – Politik ist gespalten

Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft ist der Brüsseler Vorstoß eine kurzfristige Erleichterung. Branchen wie der Automobil- und Maschinenbau sind stark vom US-Markt abhängig. Wirtschaftsverbände wie die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) warnen seit Tagen vor den Folgen einer weiteren Eskalation. Die wiederholten Zolldrohungen zeigten die Notwendigkeit einer robusteren europäischen Handelspolitik.

In der Politik gehen die Meinungen auseinander. Während die Kommission auf Diplomatie setzt, fordern einige Staatschefs wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine harte Linie. Sie befürworten den Einsatz des „Anti-Coercion-Instruments“ (ACI) – einer Art europäischer „Handels-Bazooka“ mit weitreichenden Sanktionsmöglichkeiten. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sieht die Beziehungen an einem Scheideweg: Europa bevorzuge den Dialog, sei aber uneingeschränkt handlungsbereit. Ein EU-Sondergipfel soll nun die gemeinsame Linie festlegen.

Diplomatischer Drahtseilakt mit ungewissem Ausgang

Die Strategie der Kommission ist ein riskantes Manöver. Einerseits signalisiert sie Gesprächsbereitschaft und will eine wirtschaftlich verheerende Spirale stoppen. Andererseits darf Europa nicht als erpressbar gelten, während ein Partnerland unter Druck gesetzt wird. Die parallele Prüfung scharfer Gegenmaßnahmen spiegelt diese Zerrissenheit wider.

Die kommenden Wochen sind entscheidend. Zunächst muss der Verlängerungsvorschlag der Kommission von den EU-Mitgliedstaaten gebilligt werden. Parallel wird der Sondergipfel die Antwort auf die Grönland‑Frage formulieren. Eine Rede Trumps beim Weltwirtschaftsforum in Davos brachte bereits keine Entspannung. Ob die diplomatische Initiative aus Brüssel Erfolg hat oder die Konfrontation eskaliert, ist völlig offen. Für die globale Wirtschaft steht viel auf dem Spiel. Ein offener Handelskrieg zwischen den beiden größten Wirtschaftsblöcken der Welt hätte fatale Folgen.

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