EU-Kommission, Zolltarif

EU-Kommission schärft Zolltarif für grüne Technologien

02.01.2026 - 08:14:12

Die EU hat spezifische Zolltarifcodes für Windenergie- und Wasserstoffkomponenten eingeführt, um Handelsströme präziser zu erfassen und handelspolitische Maßnahmen zu ermöglichen.

Seit Jahresbeginn erfasst die EU Windräder und Wasserstoff-Teile präziser – ein strategischer Schachzug für Handelspolitik und Energiewende.

Brüssel/Wien, 2. Januar 2026 – Ein unscheinbarer Verwaltungsakt mit großer Wirkung: Seit dem 1. Januar gilt in der gesamten Europäischen Union der aktualisierte Kombinierte Nomenklatur (KN)-Zolltarif 2026. Die zentrale Neuerung ist die gezielte Einführung spezifischer Zollcodes für Schlüsselkomponenten der Windkraft- und Wasserstofftechnologie. Die EU-Kommission reagiert damit auf die massiv gestiegenen Handelsvolumina im Bereich erneuerbarer Energien. Bislang verschwanden viele Hochtechnologie-Teile in Sammelpositionen, was präzise Statistiken und gezielte handelspolitische Maßnahmen erschwerte.

Windkraft: Türme und Rotorblätter im Fokus

Eine der umfangreichsten Änderungen betrifft die Windenergie. Wurden Windkraftanlagen bisher oft nur als komplettes System oder unter allgemeinen Maschinenteilen erfasst, gibt es nun erstmals eigene Unterpositionen für essentielle Bauteile. So werden Stahlrohrtürme und Turmsegmente für Windräder jetzt unter einem eigenen KN-Code (7308 20) geführt. Diese Abtrennung von allgemeinen Stahlbau-Teilen ermöglicht es den Behörden, die Einfuhr von Stahltürmen – ein zunehmend von asiatischen Konkurrenten umkämpfter Markt – separat zu erfassen.

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Auch Rotorblätter haben eine eigene Identifikation in Kapitel 84 (Code 8412 90 60) erhalten. Bislang wurden diese zentralen Komponenten oft mit Teilen für andere Motoren vermischt. Die neue Klassifizierung erlaubt eine präzise Analyse der Lieferketten und Importabhängigkeiten für eines der kritischsten Bauteile der Energiewende.

Wasserstoff und Batterien: Neue Codes für die Zukunftswirtschaft

Die 2026 europaweit hochfahrende Wasserstoffwirtschaft findet ebenfalls Eingang in den Zolltarif. Kapitel 85 wurde grundlegend überarbeitet, um die Wertschöpfungskette der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie abzubilden. Erstmals gibt es spezifische Codes für Wasserstoff-Brennstoffzellengeneratoren und Stapel galvanischer Zellen. Diese Differenzierung ist nicht nur für die Statistik, sondern auch für die Anwendung möglicher Präferenzzölle und die Überwachung der Ursprungsregeln in Freihandelsabkommen relevant.

Im eng mit der Wasserstoffspeicherung verbundenen Batteriesektor zieht die EU ebenfalls die Schrauben an. Neue Codes für Separatorfolien aus Kunststoff (8507 90) und spezifische Vorprodukte wie Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Oxide (NMC) und Lithium-Eisenphosphat (LFP) in Kapitel 28 ermöglichen eine detaillierte Nachverfolgung der Rohstoffströme. Diese Daten sind essenziell, um den Zielerreichungsgrad der Europäischen Batterie-Allianz zu überwachen und kritische Abhängigkeiten früh zu erkennen.

Mehr als Bürokratie: Ein handelspolitisches Instrument

Experten sehen die Einführung der neuen Codes nicht als bloßen Verwaltungsakt, sondern als handelspolitisches Instrument. Die präzise statistische Erfassung schafft die Datengrundlage für mögliche Anti-Dumping-Verfahren und die Überprüfung des CO₂-Grenzausgleichs (CBAM). „Die neuen KN-Codes sind die Sensortechnik der EU-Handelspolitik“, merken Analysten zum Inkrafttreten an. Nur wer genau weiß, welche Komponenten die Grenze passieren, kann heimische Produktion gezielt schützen oder Lieferengpässe identifizieren.

Für importierende Unternehmen bedeutet der Wechsel sofortigen Handlungsbedarf. Stammdaten in ERP-Systemen müssen umgehend aktualisiert werden, um Verzögerungen bei der Zollabfertigung zu vermeiden. Falsche Einreihungen auf Basis alter Stammdaten können ab sofort zu Nachforderungen und Compliance-Verstößen führen.

Was Unternehmen jetzt prüfen müssen

Mit der Gültigkeit der neuen Codes seit dem 1. Januar ist die Übergangsfrist beendet. Unternehmen, die Windkraft- oder Wasserstoffkomponenten importieren, sollten ihre Zollanmeldungen dringend überprüfen.

  • Stammdatenpflege: Materialnummern für Komponenten wie Rotorblätter, Türme oder Brennstoffzellen müssen gegen den neuen Elektronischen Zolltarif (EZT) oder TARIC abgeglichen werden.
  • Lieferantenerklärungen: Vor 2026 ausgestellte Langzeit-Lieferantenerklärungen müssen möglicherweise angepasst werden, wenn sich der zugrundeliegende Warencode geändert hat.
  • Verbindliche Zolltarifauskünfte (BTA): Bestehende BTAs für Produkte, die nun von neuen, spezifischeren Codes erfasst werden, sollten auf ihre weitere Gültigkeit überprüft werden.

Die Modernisierung des Zolltarifs markiert einen Paradigmenwechsel: Der Zollcode wird zum digitalen Zwilling der industriellen Transformation. Für die Wirtschaft bedeutet das mehr Transparenz, aber zunächst auch erhöhten administrativen Aufwand, um die grüne Technologierevolution korrekt in den Büchern abzubilden.

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