Datenschutz, Großprüfung

Datenschutz: EU startet Großprüfung zu Transparenz-Pflichten

01.01.2026 - 03:13:12

Europäische Datenschutzbehörden starten koordinierte Prüfungen zur Verständlichkeit von Datenschutzerklärungen. Unternehmen müssen ihre Kommunikation überarbeiten, um hohen Strafen zu entgehen.

Ab heute rücken europäische Datenschutz-Aufseher die Transparenz von Unternehmen ins Visier. Die neue, koordinierte Prüfaktion der EU-Behörden zielt direkt auf die Verständlichkeit von Datenschutzerklärungen. Gleichzeitig übernimmt Baden-Württemberg die Führung der deutschen Datenschutzkonferenz.

EU startet Prüfjahr mit Fokus auf Verbraucher-Kommunikation

Seit dem 1. Januar 2026 läuft das “Audit-Jahr 2026” der europäischen Datenschutz-Aufsicht. Im Zentrum stehen die Artikel 12 bis 14 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Nationale Behörden im Europäischen Wirtschaftsraum starten nun synchronisierte Untersuchungen. Ihr Ziel: Sie prüfen, ob die oft als unverständlich kritisierten Datenschutzerklärungen tatsächlich “prägnant, transparent, verständlich und leicht zugänglich” sind.

Neue Führung für deutsche Datenschutz-Aufsicht

Parallel zum EU-weiten Prüfstart wechselt die Führung der deutschen Datenschutzkonferenz (DSK). Den Vorsitz übernimmt Prof. Dr. Tobias Keber, Landesbeauftragter für Datenschutz in Baden-Württemberg. Er löst die Berliner Behördenleitung ab.

Die Rotation ist mehr als ein Formalakt. Sie gibt den Ton vor, wie deutsche Aufseher EU-Vorgaben national umsetzen. Keber, bekannt für seine Expertise in Medienrecht und Digitalpolitik, übernimmt in einer entscheidenden Phase. Die baden-württembergische Aufsicht hat historisch eine aktive Rolle bei digitalen Dienstleistungen und Tracking-Technologien gespielt. Beobachter erwarten, dass der neue Vorsitz den EU-Fokus auf Transparenz verstärkt. Die DSK muss die Arbeit von Bundes- und 16 Landesbeauftragten koordinieren, um eine einheitliche DSGVO-Anwendung in Deutschland zu gewährleisten.

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Unternehmen müssen Datenschutzerklärungen überarbeiten

Für die Wirtschaft bedeutet der Start des Prüfjahrs sofortigen Handlungsbedarf. Die Zeit der “einmal erstellten und dann vergessenen” Datenschutzerklärungen ist vorbei. Compliance-Experten warnen: Die Einhaltung der DSGVO muss nun als strategische Geschäftsfähigkeit verstanden werden, nicht als bloße Formalie.

Regulierer zeigen zunehmend null Toleranz gegenüber sogenannten Dark Patterns. Diese manipulativen Oberflächendesigns erschweren bewusst die Erteilung einer informierten Einwilligung oder verschleiern Datenschutzeinstellungen. Unternehmen sollten ihre digitalen Oberflächen umgehend überprüfen. Die Informationen zur Datenverarbeitung müssen nicht nur juristisch wasserdicht, sondern für den Durchschnittsnutzer auch praktisch verständlich sein.

Zu den größten Risikobereichen im Prüfzyklus 2026 zählen:
* Daten von Drittanbietern: Nach Artikel 14 müssen Unternehmen Personen informieren, wenn sie Daten aus externen Quellen beziehen. Prüfungen werden die Herkunft solcher Daten, besonders in Marketing-Datenbanken, genau untersuchen.
* KI-Transparenz: Mit der Verbreitung automatisierter Entscheidungsfindung wird das Spannungsfeld zwischen DSGVO-Transparenz und KI-Erklärbarkeit zum Reibungspunkt.
* Zugänglichkeit: Aufseher fordern “geschichtete” Datenschutzhinweise. Nutzer sollen komplexe Informationen navigieren können, ohne überfordert zu werden.

Hohe Strafen bei Verstößen drohen

Die neue Prüfphase beginnt vor dem Hintergrund deutlich gestiegener finanzieller Risiken. Bis Ende 2025 summierten sich die DSGVO-Geldbußen in Europa auf über 6,7 Milliarden Euro. Der Trend geht weg von kleinen Korrekturmaßnahmen hin zu abschreckenden Strafen für systematische Verstöße.

Rechtsexperten befürchten, dass der Transparenz-Fokus 2026 zu einer hohen Zahl an Beschwerden und Strafen führen könnte. Verstöße auf dieser Ebene sind öffentlich sichtbar und von Verbrauchern sowie Verbraucherschutzverbänden leicht überprüfbar. Im Gegensatz zu internen Datenschutzpannen, die oft unentdeckt bleiben, liegt eine mangelhafte Datenschutzerklärung für jeden Webseiten-Besucher offen zutage.

Die Botschaft für 2026 ist klar: Transparenz ist keine bloße Rechtspflicht mehr. Sie wird zum primären Maßstab, an dem die Compliance von Unternehmen gemessen wird. Firmen in Deutschland sollten die Ankündigungen der baden-württembergischen Aufsicht genau verfolgen. Dort werden die konkreten nationalen Umsetzungsleitlinien für das Transparenz-Audit erwartet.

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