Datenschutz, Cookie-Banner

Datenschutz 2026: Das Ende der Cookie-Banner naht

31.12.2025 - 23:14:12

Die EU plant eine Reform, die lästige Cookie-Banner durch Browser-Einstellungen ersetzt, während gleichzeitig strengere Vorgaben für Einwilligungen gelten und hohe Strafen verhängt werden.

Die digitale Privatsphäre steht vor der größten Wende seit der DSGVO. Kurz vor Jahresende setzen Regulierer neue Maßstäbe: Sie ebnen den Weg für ein Ende der lästigen Cookie-Hinweise und verschärfen gleichzeitig die Vorgaben für die Einwilligung der Nutzer. Die Botschaft an die Wirtschaft ist klar: Die Zeit des passiven Einfügens ist vorbei.

Browser sollen Pop-ups ersetzen

Die wegweisendste Entwicklung ist der Vorstoß der EU-Kommission, die Regeln für Online-Tracking grundlegend zu überarbeiten. Der im November vorgelegte „Digital Omnibus“-Vorschlag zielt darauf ab, die Last der Einwilligung von einzelnen Webseiten auf zentrale Browsereinstellungen zu verlagern.

Die geplante Reform könnte die repetitiven „Akzeptieren/Ablehnen“-Pop-ups abschaffen, die europäische Internetnutzer seit fast einem Jahrzehnt plagen. Das Konzept sieht eine „One-Click“-Revolution vor: Nutzer legen ihre Privatsphäre-Einstellungen einmalig im Browser oder Gerät fest – und diese Signale werden automatisch von allen besuchten Webseiten respektiert.

Für Unternehmen bedeutet dies eine neue technische Herausforderung. Sie müssen ihre Einwilligungsmanagementsysteme (CMPs) so nachrüsten, dass sie sowohl diese automatisierten Signale als auch manuelle Eingaben verarbeiten können. Dieser Schritt folgt dem Trend zu „Universal Opt-Out Mechanisms“ (UOOM), wie sie bereits in einigen US-Bundesstaaten gelten, und schafft einen de-facto globalen Standard.

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Strengere Regeln für bestehende Banner

Während die browserbasierte Zukunft geplant wird, verschärfen Aufsichtsbehörden die Anforderungen an die aktuell verwendeten Banner. Die niederländische Datenschutzbehörde (Autoriteit Persoonsgegevens) hat Anfang Dezember aktualisierte Leitlinien veröffentlicht, die einen neuen EU-weiten Maßstab setzen.

Die neuen Standards verbieten explizit manipulative Design-Muster, sogenannte „Dark Patterns“. Die „Alle ablehnen“-Option muss auf der ersten Ebene des Banners genauso prominent platziert sein wie „Alle akzeptieren“. Vorangekreuzte Kästchen sind strikt untersagt, und granularere Auswahlmöglichkeiten müssen ohne umständliche Untermenüs angeboten werden.

Experten warnen: Eine „Einmal-einrichten-und-vergessen“-Haltung bei der Cookie-Kategorisierung ist nicht mehr haltbar. Behörden nutzen zunehmend automatisierte Scans, um sicherzustellen, dass Tracking-Skripte erst nach ausdrücklicher Einwilligung aktiv werden. Unternehmen sollten ihre aktuellen Implementierungen dringend überprüfen.

Millionenstrafe und auslaufende Fristen unterstreichen Dringlichkeit

Die Dringlichkeit einer konformen Einwilligungsverwaltung wurde am 30. Dezember unterstrichen. Das US-Justizministerium verhängte eine Zivilstrafe in Höhe von 10 Millionen Euro gegen Disney. Die Strafe betrifft die missbräuchliche Sammlung von Daten Minderjähriger auf YouTube und sendet eine globale Warnung im Umgang mit Kinderdaten – ein Thema, das auch unter der DSGVO (GDPR-K) hohe Priorität hat.

Zudem läuft am heutigen 31. Dezember die Nachbesserungsfrist für das Delaware Personal Data Privacy Act (DPDPA) aus. Ab morgen können Verstöße sofort geahndet werden. Diese Deadline ist Teil eines globalen Trends: Weltweit laufen „Gnadenfristen“ für neue Datenschutzgesetze ab und zwingen Unternehmen, 2026 mit voll funktionsfähigen Compliance-Strukturen zu starten.

Globaler Schulterschluss: EU erkennt Brasilien an

In einer positiven Entwicklung für den internationalen Handel hat der Europäische Datenschutzausschuss (EDPB) am 28. Dezember 2025 bestätigt, dass das brasilianische Datenschutzgesetz (LGPD) ein angemessenes Schutzniveau bietet. Dies ebnet den Weg für einen EU-Adequacy-Beschluss, der komplexe Standardvertragsklauseln für Datenübermittlungen zwischen der EU und Brasilien überflüssig machen könnte.

Diese Angleichung ist entscheidend für multinationale Konzerne. Wenn sich die brasilianische Aufsichtsbehörde (ANPD) und europäische Regulierer abstimmen, können Unternehmen sich zunehmend auf eine vereinheitlichte „globale Datenschutz-Basislinie“ verlassen, anstatt einen Flickenteppich widersprüchlicher Regeln navigieren zu müssen.

Ausblick 2026: Von der Sammlung zum Nachweis

Im neuen Jahr wird der Fokus von der „Einwilligung einholen“ auf die „Compliance nachweisen“ verlagert. Juristen rechnen damit, dass die „Digital Omnibus“-Reformen bis Ende 2026 finalisiert werden. Unternehmen bleibt nur ein kurzes Zeitfenster, um sich auf den technischen Übergang zu Browser-Signalen vorzubereiten.

In der unmittelbaren Zukunft müssen Firmen mit drei Entwicklungen rechnen:
1. Mehr automatisierte Audits: Aufsichtsbehörden werden vermehrt Scans nutzen, um Banner ohne gleichwertige „Ablehnen“-Schaltfläche aufzuspüren.
2. Verpflichtende Browser-Signale: Die Unterstützung für Signale wie den Global Privacy Control (GPC) wird vom „Best Practice“ zur verbindlichen Anforderung in vielen Rechtsgebieten.
3. Gezielte Strafverfolgung: Die Disney-Strafe signalisiert, dass Regulierer gezielt prominente Verstöße ahnden, besonders wenn vulnerable Gruppen wie Kinder betroffen sind.

Für Datenschutzbeauftragte und Compliance-Teams lautet die Botschaft für 2026: Technische Integration. Datenschutzrichtlinien müssen künftig direkt in die Infrastruktur des Webs eingebettet sein.

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