Cybersicherheit: Deutsche Industrie erkennt Gefahr, handelt aber nicht
18.02.2026 - 00:00:12
Eine neue Studie zeigt: Drei Viertel der deutschen Industrieunternehmen fürchten Cyberangriffe wie nie zuvor. Doch nur die Hälfte hat IT-Sicherheit strategisch verankert – eine gefährliche Lücke in Zeiten von NIS-2.
Eine aktuelle Untersuchung von Diconium und techconsult offenbart einen alarmierenden Widerspruch. Während die Bedrohung durch Cyberkriminelle von 75 Prozent der befragten Industrieunternehmen als „hoch“ oder „sehr hoch“ eingestuft wird, fehlt es bei jedem zweiten Unternehmen an einer strategischen Verankerung der Cybersicherheit. Diese Kluft zwischen Angst und Aktion wird zur existenzillen Gefahr, denn schnelle und professionelle Notfallpläne sind in der heutigen digitalen Landschaft überlebenswichtig.
Die gefährliche Strategie-Lücke
Die Studie legt eine kritische Schwachstelle offen: Das Risikobewusstsein ist in den Vorstandsetagen angekommen, die operative Umsetzung aber hinkt hinterher. Viele Firmen behandeln IT-Sicherheit als wichtig, aber strategisch nachrangig. Experten warnen: Ohne klare Verantwortlichkeiten, ausreichende Budgets und eingeübte Abläufe bleibt die Abwehr im Ernstfall brüchig.
Diese Lücke ist brandgefährlich. Professionelle Angreifer nutzen gezielt organisatorische Schwächen aus. Im Chaos eines Vorfalls geht dann wertvolle Zeit verloren – und der Schaden für Systeme, Daten und Reputation wächst. Die reine Absicherung der Technik und Schulungen für Mitarbeiter reichen nicht mehr aus. Gefragt ist investierte operative Exzellenz für den Krisenfall.
Incident Response: Eine Management-Aufgabe
Moderne Incident Response ist längst keine reine IT-Aufgabe mehr. Sie erfordert eine koordinierte Reaktion von der Geschäftsführung über die Rechtsabteilung bis zur Unternehmenskommunikation. Die nuova EU-Richtlinie NIS-2, die derzeit in deutsches Recht umgesetzt wird, zementiert diesen Anspruch. Sie nimmt die Geschäftsleitung in die Pflicht und erzwingt mit strengen Meldefristen einen Paradigmenwechsel.
Eine Erstmeldung muss binnen 24 Stunden, eine detaillierte Analyse binnen 72 Stunden beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vorliegen. Theoretische Pläne in der Schublade genügen nicht. Kampferprobte Abläufe, regelmäßig in Simulationen getestet, werden zur Pflicht. Es geht darum, unter Druck fundierte Entscheidungen zu treffen und die Betriebsfähigkeit auch bei ausgefallenen Systemen aufrechtzuerhalten.
NIS‑2 verlangt schnelle, koordinierte Reaktionen – doch viele Mittelständler wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Das kostenlose E‑Book „Cyber Security Awareness Trends“ fasst aktuelle Bedrohungen, neue Gesetze (inkl. KI‑Regulierung) und sofort umsetzbare Schutzmaßnahmen kompakt zusammen. Mit praxisnahen Checklisten zur Incident Response, Meldepflichten und Awareness-Programmen hilft der Leitfaden, die digitale Widerstandsfähigkeit Ihres Unternehmens schnell zu stärken. Jetzt kostenloses Cyber‑Security‑E‑Book sichern
NIS-2: Der Weckruf für den Mittelstand
Die NIS-2-Richtlinie erhöht den Druck massiv und trifft einen viel größeren Kreis: Schätzungsweise 30.000 Unternehmen in Deutschland, darunter viele Mittelständler aus Maschinenbau, verarbeitender Industrie oder IT-Dienstleistungen. Sie müssen umfassende Risikomanagementmaßnahmen einführen, ihre Lieferketten absichern und konkrete Notfallpläne implementieren.
Die obligatorische Registrierung beim BSI und die strikten Meldepflichten machen klar: Nichteinhaltung wird teuer. Für den Mittelstand, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und zunehmendes Ziel von Erpressungsangriffen, ist dies ein dringender Appell, die digitale Widerstandsfähigkeit auf den Prüfstand zu stellen.
Von der Prävention zur Cyber-Resilienz
Die Studie bestätigt einen Trend: Cyber-Vorfälle sind zum größten Geschäftsrisiko für deutsche Unternehmen avanciert. Angreifer nutzen zunehmend automatisierte, KI-gestützte Methoden. Ein hundertprozentiger Schutz ist kaum mehr möglich. Der Fokus verschiebt sich daher von reiner Prävention hin zur Cyber-Resilienz – der Fähigkeit, einen Angriff zu überstehen, den Betrieb aufrechtzuerhalten und sich schnell zu erholen.
Dies erfordert eine ganzheitliche Strategie. Technische Abwehr, organisatorische Vorbereitung und exzellentes Krisenmanagement müssen ineinandergreifen. Initiativen wie die jüngste Partnerschaft zwischen dem BSI und Schwarz Digits zur Stärkung souveräner Cloud-Infrastrukturen zeigen die nationale Priorität des Themas.
Für Unternehmen heißt das: Jetzt handeln. In die operative Exzellenz der Sicherheitsteams investieren, regelmäßige Notfallübungen durchführen und sicherstellen, dass im Ernstfall jeder seinen Part kennt. Nur so wird aus der erkannten Bedrohung eine beherrschbare Herausforderung.
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