Chinas KI-Regeln: Neue Vorschriften sollen emotionale Sicherheit schützen
18.01.2026 - 02:51:11Peking will als erstes Land weltweit verbindliche Regeln für emotionale KI-Begleiter einführen. Die umfassenden Entwürfe zielen auf psychologischen Schutz und könnten zum globalen Maßstab werden.
Die Cyberspace Administration of China (CAC) hat Ende Dezember 2025 einen bahnbrechenden Regulierungsentwurf vorgelegt. Er adressiert explizit die Risiken von KI-Systemen, die menschliche Persönlichkeiten simulieren und emotionale Bindungen eingehen. Damit geht China deutlich über reine Inhaltekontrolle hinaus und betritt regulatorisches Neuland.
Der Entwurf mit dem Titel „Interim Measures for the Management of Artificial Intelligence Human-like Interactive Services“ liegt bis 25. Januar 2026 zur öffentlichen Konsultation. Er trifft auf einen boomenden Heimmarkt für virtuelle Freunde, Partner und sogar Therapeuten. Startups wie Minimax und Z.ai stehen bereits vor Börsengängen.
Viele Unternehmen und Entwickler unterschätzen die rechtlichen Folgen, wenn digitale Begleiter menschliche Emotionen imitieren. Die EU-KI-Regulierung verlangt u. a. klare Risikoklassifizierung, umfassende Dokumentation und Kennzeichnungspflichten – Aspekte, die durch internationale Entwürfe nun noch relevanter werden. Ein praxisorientierter Gratis-Guide erklärt verständlich, welche Pflichten auf Anbieter zukommen und welche ersten Schritte nötig sind, um Compliance sicherzustellen. Jetzt kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen
Das Regelwerk definiert klare Grenzen für alle Dienste, die über Text, Bild oder Ton menschliche Interaktion nachahmen. Kern ist das Verbot von Inhalten, die Selbstverletzung, Gewalt oder Sucht fördern. Besonders innovativ: Die Vorschriften verbieten ausdrücklich emotionale Manipulation, die Nutzer zu schlechten Entscheidungen verleiten könnte.
Ein zentrales Werkzeug gegen exzessive Nutzung sind verpflichtende Erinnerungen. Nach zwei Stunden ununterbrochenem Chat muss ein Pop-up zum Pausieren auffordern. Für Entwickler bedeutet das: Sie müssen Systeme zur Erkennung von Abhängigkeitsanzeichen integrieren.
Die wohl weitreichendste Neuerung ist die Pflicht zum menschlichen Eingreifen. Erkennt die KI suizidale Gedanken oder Selbstgefährdung, muss sie sofort einen menschlichen Operator zuschalten. Gleichzeitig sind Notfallkontakte zu benachrichtigen. Diese Maßnahme gilt als weltweit einzigartig.
Besonderer Schutz für Schwächere
Für Minderjährige sieht der Entwurf einen strengen Rahmen vor. Dienste benötigen die ausdrückliche Einwilligung eines Erziehungsberechtigten. Ein spezieller „Minderjährigen-Modus“ soll Nutzungszeiten begrenzen und Eltern Kontrollmöglichkeiten geben. Die KI muss sogar aktiv versuchen, das Alter von Nutzern zu erkennen – selbst wenn diese es nicht angeben.
Auch ältere Menschen erhalten besonderen Schutz. Droht Gefahr für Leben, Gesundheit oder Eigentum, muss der Dienst den hinterlegten Notkontakt alarmieren und Hilfswege aufzeigen. Diese Fokussierung zeigt: Die Behörden fürchten spezifische Risiken für vulnerable Gruppen durch emotionale KI-Bindung.
Globale Signalwirkung und wirtschaftliche Folgen
Peking positioniert sich mit der Initiative als Vorreiter in der KI-Governance. Während etwa Kalifornien nur Warnhinweise für Minderjährige vorschreibt, geht der chinesische Entwurf deutlich weiter. Er ist Teil einer breiteren Strategie, technologischen Fortschritt mit sozialer Stabilität in Einklang zu bringen – und dabei internationale Standards mitzuprägen.
Für die heimische KI-Branche bedeuten die Regeln höhere Compliance-Kosten und möglicherweise technische Nachrüstungen. Manche innovativen Features könnten verzögert auf den Markt kommen. Langfristig könnte der Druck jedoch auch sicherere und ethischere Systeme hervorbringen.
Die finale Fassung der Regeln wird nach Abschluss der Konsultation erwartet. Ihre Umsetzung wird international genau beobachtet werden. Denn die Frage, wie Gesellschaften mit der psychologischen Dimension künstlicher Intelligenz umgehen, wird weltweit drängender. China liefert nun einen ersten, umfassenden Antwortversuch.
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