China, Seltene-Erden-Lieferungen

China friert Seltene-Erden-Lieferungen an Japan ein

11.01.2026 - 13:13:12

Peking setzt neue Verträge für strategische Metalle aus, was Japans Schlüsselindustrien trifft. Die Maßnahme ist eine Reaktion auf politische Spannungen um Taiwan.

Peking verschärft den Handelsstreit mit Tokio und stoppt neue Verträge für kritische Rohstoffe. Die Maßnahme trifft Japans Schlüsselindustrien mitten in der E-Mobilitäts-Offensive und markiert eine gefährliche Eskalation im Konflikt um Taiwan.

Sofortiger Stopp für strategische Metalle

Chinesische Staatsunternehmen haben neue Lieferverträge für Seltene Erden mit japanischen Firmen ausgesetzt. Das bestätigten Branchenkreise am Sonntag. Der Schritt folgt auf eine diplomatische Krise zwischen den beiden größten Volkswirtschaften Asiens. Betroffen sind vor allem schwere Seltene Erden wie Dysprosium und Terbium. Sie sind unverzichtbar für Hochleistungsmagnete in Elektroauto-Motoren und moderner Verteidigungstechnik.

Laut Berichten von Sumikai und Digitimes gilt der Stopp für neue Verhandlungen mit sofortiger Wirkung. Auch bestehende Verträge werden nun einer “strengen Überprüfung” unterzogen. Erste Lieferungen sollen bereits in chinesischen Häfen feststecken. Offiziell begründen die Lieferanten dies mit “Compliance-Prüfungen” und “nationalen Sicherheitsüberlegungen”.

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Reaktion auf Taiwans-Kurs Japans

Hinter den Handelsbeschränkungen steht ein klarer politischer Konflikt. Auslöser sind Äußerungen der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi zu Taiwan von Ende letzten Jahres. Sie hatte Japans mögliche Reaktion auf eine Seeblockade der Insel angesprochen. Peking verurteilte dies scharf und sieht darin eine Einmischung in innere Angelegenheiten.

Bereits am Dienstag hatte Chinas Handelsministerium ein Exportverbot für Dual-Use-Güter nach Japan angekündigt. Die nun folgende Vertragssperre für Seltene Erden zeigt: Peking setzt seine wirtschaftliche Macht gezielt als Druckmittel ein. “Diese Maßnahmen dienen dem Schutz unserer nationalen Sicherheit und Souveränität”, heißt es aus Regierungskreisen.

Japanische Industrie in der Abhängigkeitsfalle

Die wirtschaftlichen Folgen für Japan sind unmittelbar und gravierend. Das Land bezieht 60 bis 70 Prozent seiner Seltenen Erden aus China. Bei den für Hochtechnologie essentiellen schweren Varianten liegt die Abhängigkeit sogar noch höher.

Das Nomura Research Institute warnt vor Milliardenschäden. Eine dreimonatige Unterbrechung könnte Verluste von über 660 Milliarden Yen verursachen. Ein einjähriger Lieferstopp würde das Bruttoinlandsprodukt spürbar belasten.

Besonders verwundbar ist die Automobilindustrie. Japanische Hersteller brauchen für ihren E-Auto-Ausbau dringend Neodym-Magnete. Ohne chinesisches Dysprosium leiden deren Effizienz und Hitzebeständigkeit. Zwar hat Japan seit dem letzten großen Seltene-Erden-Streit 2010 seine Lieferketten diversifiziert – etwa mit Investitionen in Australien. Doch China dominiert nach wie vor die globale Aufbereitung und Veredelung. Alternative Quellen wie die Lynas-Anlage in Australien könnten einen kompletten Ausfall kurzfristig nicht auffangen.

Diplomatischer Protest und globale Sorge

Die japanische Regierung reagierte scharf. Die Vertragssperre sei “inakzeptabel” und “zutiefst bedauerlich”, erklärten Beamte in Tokio am Sonntag. Das Außenministerium hat offiziell Protest eingelegt und den sofortigen Rückzug der Maßnahmen gefordert. Man werfe China vor, den Handel zu instrumentalisieren und damit gegen internationale Normen zu verstoßen.

Die Entwicklung alarmiert auch die USA und andere G7-Staaten. Sie sehen in der “Waffe” kritischer Mineralien eine massive Bedrohung der Wirtschaftssicherheit. Der aktuelle Streit dürfte die Bemühungen beschleunigen, eine “chinafreie” Lieferkette für strategische Rohstoffe aufzubauen. Dieser Prozess läuft zwar, ist aber noch Jahre von der Vollendung entfernt.

Was kommt jetzt auf Japan zu?

Die Börse reagiert voraussichtlich nervös. Die Kurse japanischer Industrieaktien, besonders aus Halbleiter- und Autobranche, dürften unter Druck geraten.

Sollte Peking den Vertragsstopp aufrechterhalten oder ausweiten, bleiben Japan nur wenige Optionen: Die Nutzung strategischer Reserven oder eine Beschwerde bei der Welthandelsorganisation (WTO). Beides bietet jedoch kaum kurzfristige Abhilfe.

Die Lage bleibt dynamisch. Beobachter fragen sich: Führt die “Überprüfung” bestehender Verträge am Ende zur kompletten Streichung laufender Lieferungen? Das wäre das Signal für eine vollständige handelspolitische Entkopplung in diesem sensiblen Bereich. Für die japanische Industrie beginnt eine Phase der akuten Unsicherheit – in einem Markt, in dem China die meisten Trümpfe in der Hand hält.

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