Britisches, Parlament

Britisches Parlament fordert KI-Stresstests für Banken

20.01.2026 - 03:31:12

Einflussreicher Parlamentsausschuss drängt auf neue Regulierung für Künstliche Intelligenz im Finanzwesen, um systemische Risiken und Verbraucherschäden zu verhindern.

London – Einflussreiche britische Abgeordnete fordern einen radikalen Kurswechsel bei der Regulierung von Künstlicher Intelligenz im Finanzsektor. Das Schlagwort lautet: KI-spezifische Stresstests.

Der mächtige Schatzausschuss des Parlaments warnt in einem aktuellen Bericht vor „ernsthaften Schäden“ für Verbraucher und das Finanzsystem. Grund sei das abwartende Verhalten der Aufseher. Die Abgeordneten fordern die Bank of England und die Finanzaufsicht FCA auf, umgehend mit der Entwicklung solcher Tests zu beginnen.

Vom Blackbox-Risiko zur Systemkrise

Hinter der Forderung steht eine alarmierende Entwicklung: Über 75 Prozent der britischen Finanzfirmen setzen KI bereits ein – von der Kreditprüfung bis zur Schadensregulierung. Doch die Aufsichtsbehörden hinken hinterher.

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Die geplanten Stresstests sollen keine klassischen Finanzkrisen simulieren. Stattdessen geht es um Szenarien, die erst durch KI entstehen. Ein Beispiel ist algorithmisches Herdenverhalten: Wenn zahlreiche KI-Systeme gleichzeitig auf eine Marktbewegung reagieren, könnten sie einen Kaskadeneffekt auslösen und ganze Märkte in den Abgrund reißen.

„Die Beweise deuten darauf hin, dass das Finanzsystem nicht angemessen auf einen größeren KI-Vorfall vorbereitet ist“, sagt Ausschussvorsitzende Meg Hillier. Die „Blackbox“-Natur vieler Algorithmen und undurchsichtige Entscheidungen bei Krediten oder Versicherungen stellen neue systemische Risiken dar.

Verbraucher im Fokus: Bias, Betrug und falsche Beratung

Neben der Stabilität des Gesamtsystems sieht der Bericht akute Gefahren für die Verbraucher. Algorithmische Voreingenommenheit könnte vulnerable Gruppen vom Finanzsystem ausschließen. Zugleich verbreiten sich unregulierte Finanzratschläge durch KI-Chatbots.

Die Abgeordneten fordern die FCA auf, noch in diesem Jahr klare Leitlinien für Unternehmen zu veröffentlichen. Diese müssen festlegen, wie bestehende Verbraucherschutzregeln auf KI anzuwenden sind – und wer bei Schäden haftet.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Abhängigkeit von US-Techgiganten. Der Finanzsektor stützt sich für essentielle KI- und Cloud-Dienste auf eine Handvoll Anbieter. Der Ausschuss drängt die Regierung, diese endlich als kritische Drittparteien einzustufen. Das würde den Aufsehern mehr Kontrollbefugnisse geben. Das entsprechende Gesetz liegt seit über einem Jahr brach.

Großbritannien am Scheideweg: Innovation versus Regulierung

Der Vorstoß stellt Großbritannien vor ein fundamentales Dilemma. Das Land will ein globaler KI-Hub sein, braucht aber gleichzeitig robuste Sicherheitsvorkehrungen. Der proaktive Ansatz der Parlamentarier kontrastiert mit der zurückhaltenden, technologie-neutralen Haltung der Aufseher.

Ein FCA-Sprecher verwies bereits früher auf die Schwierigkeit, bei rasantem technologischem Wandel spezifische KI-Regeln zu schaffen. Die Bank of England hingegen begrüßte den Bericht und verwies auf eigene Aktivitäten zur Risikobewertung.

Die Forderung nach KI-Stresstests markiert eine Zeitenwende. Sie erinnert an die Einführung von Bankenstresstests nach der Finanzkrise 2008. Doch die Modellierung KI-getriebener Risiken ist eine noch komplexere Herausforderung für Aufseher und Institute gleichermaßen.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob die britischen Behörden den parlamentarischen Druck in konkrete Maßnahmen umsetzen. Für Finanzunternehmen ist die Botschaft klar: Die Ära der laschen KI-Überwachung neigt sich dem Ende zu.

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