Betriebsrenten: Deutsche Firmen riskieren Milliardengrab durch mangelhafte Steuerung
14.01.2026 - 12:42:12Die betriebliche Altersversorgung (bAV) wird für viele deutsche Unternehmen zum unkalkulierbaren Risiko. Eine aktuelle Studie deckt massive Governance-Defizite auf, die Finanzrisiken bergen und Unternehmensverkäufe gefährden.
Eine neue Analyse der Personalwirtschaft zeigt alarmierende Lücken im Management der betrieblichen Altersversorgung. Die „WTW Pension Governance Study 2025“ offenbart, dass viele Firmen ihre Pensionsverpflichtungen nicht angemessen steuern. Was früher als reines HR-Thema galt, ist heute eine zentrale Finanz- und Strategiefrage – doch die Unternehmen hinken dieser Entwicklung hinterher.
Die größten Schwachpunkte liegen in drei Bereichen: fehlendes dokumentiertes Wissen, unklare Nachfolgeplanung für Entscheidungsträger und mangelnde Widerstandsfähigkeit gegen regulatorische Veränderungen. Die demografische Wende und die bevorstehende Pensionierungswelle der Babyboomer dürften diese Probleme 2026 noch verschärfen.
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Sechs Baustellen für die Compliance
Die Studie identifiziert sechs kritische Dimensionen, in denen Unternehmen dringend nachbessern müssen:
- Strukturen und Verantwortlichkeiten: Klare Entscheidungswege sind nötig, um „organisierte Verantwortungslosigkeit“ zu vermeiden.
- Prozesse und Dokumentation: Ad-hoc-Entscheidungen müssen durch standardisierte, prüfbare Abläufe ersetzt werden.
- Technologie und Digitalisierung: Veraltete IT-Systeme genügen modernen Berichtspflichten nicht mehr.
- Know-how und Wissensmanagement: Fachwissen darf nicht nur in den Köpfen einzelner Mitarbeiter schlummern.
- Überwachung und Bewertung: Statt sporadischer Prüfungen ist kontinuierliche Kontrolle erforderlich.
- Risiken und Resilienz: Bedrohungen für die Solvenz müssen proaktiv erkannt werden.
Ein gut strukturiertes Pensionssystem basiert auf dem Zusammenspiel aller sechs Säulen. Vernachlässigt man eine, gefährdet das das gesamte Governance-Gefüge.
Gefahr für Fusionen und Übernahmen
Besonders brisant: Schlechte Governance behindert Unternehmensverkäufe. Bei Fusionen und Übernahmen (M&A) oder dem Verkauf von Firmensparten werden Pensionsverpflichtungen zum entscheidenden Faktor.
Unklare oder undokumentierte Verpflichtungen schaffen Unsicherheit in der Due-Diligence-Prüfung. Das kann Transaktionen verzögern oder sogar scheitern lassen. Unternehmen mit klaren bAV-Strukturen hingegen durchlaufen diese Prozesse deutlich reibungsloser. Die Botschaft für 2026 ist eindeutig: Solide Governance ist keine reine Compliance-Übung, sondern Voraussetzung für unternehmerische Handlungsfähigkeit.
BaFin-Vorgaben erhöhen den Druck
Die Dringlichkeit, Governance-Strukturen zu verbessern, wird durch die strikte Regulierung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verstärkt. Zwei Rundschreiben stehen im Fokus:
- Rundschreiben 09/2025 (VA) vom Juli 2025 verschärft die Anforderungen an Governance-Systeme von Versicherern und Pensionskassen.
- Rundschreiben 11/2025 vom Oktober 2025 führt strenge „Fit & Proper“-Anforderungen für Vorstände und Schlüsselfunktionsträger ein.
Die Übergangsfristen für einige dieser Vorgaben laufen 2026 aus. Pensionskassen müssen nachweisen, dass ihre Führungsteams den verschärften Anforderungen genügen.
Digitale Widerstandsfähigkeit wird Pflicht
Der Digital Operational Resilience Act (DORA) verändert die operative Landschaft nachhaltig. Seit Januar 2025 voll anwendbar, müssen Pensionskassen nun „digitale Widerstandsfähigkeit“ unter Beweis stellen – also in der Lage sein, IT-Störungen zu widerstehen, darauf zu reagieren und sich davon zu erholen.
Die Forderung der WTW-Studie nach mehr Resilienz deckt sich mit DORAs Zielen. IT-Risikomanagement und Pensionsrisikomanagement sind heute untrennbar miteinander verbunden.
Ausblick: Konsolidierungswelle erwartet
Für das Jahr 2026 prognostizieren Branchenbeobachter einen „Governance-Umbruch“. Die Kombination aus Studienergebnissen und BaFin-Vorgaben dürfte kleinere Pensionskassen zur Konsolidierung oder zum Auslagern kritischer Funktionen zwingen.
Zudem rücken Nachhaltigkeitskriterien weiter in den Fokus. Nach BaFin-Rundschreiben 05/2025 zum „Prudent Person Principle“ und Nachhaltigkeitsrisiken vom März 2025 werden die Pensionskassen dieses Jahr prüfen müssen, wie effektiv sie ESG-Faktoren in ihre Anlagestrategien integriert haben.
Für Personal- und Finanzvorstände ist die Lage klar: Das Management der betrieblichen Altersversorgung ist keine reine Verwaltungsaufgabe mehr, sondern eine strategische Priorität, die sofortige Aufmerksamkeit erfordert.
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