Arbeitszeitgesetz, Regeln

Arbeitszeitgesetz: Neue Regeln erfordern radikales Umdenken bei Mitarbeiterführung

30.11.2025 - 12:40:12

Kanzler Merz will die Acht-Stunden-Schranke kippen – und macht damit klassische Führungsmethoden quasi über Nacht obsolet. Während die Arbeitsmarktzahlen am Wochenende eine stagnierende Wirtschaft zeigten, steht für Personalabteilungen fest: Wer seine Top-Talente halten will, muss jetzt auf digitale Feedback-Systeme umstellen.

Die Brisanz liegt im Detail: Wenn Mitarbeiter künftig ihre Stunden frei über die Woche verteilen, verschwindet die „Politik der offenen Tür” – physisch betrachtet – einfach im Nichts. Doch was ersetzt sie?

Am vergangenen Freitag, dem 28. November, verkündete Kanzler Friedrich Merz die Absicht seiner Regierung, das Arbeitszeitgesetz grundlegend zu reformieren. Statt der starren täglichen Acht-Stunden-Grenze soll künftig eine wöchentliche Höchstarbeitszeit gelten. Ziel: Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit durch mehr Flexibilität steigern.

Für Führungskräfte bedeutet das einen radikalen Bruch. Wenn Mitarbeiter ihre Arbeitszeit frei gestalten – die eine mittags Feierabend macht, der andere um 20 Uhr erst beginnt – werden synchrone Feedback-Gespräche zum logistischen Alptraum. Das klassische Jahresgespräch? In dieser neuen Arbeitswelt geradezu anachronistisch.

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Personalverantwortliche müssen deshalb asynchrone digitale Feedback-Methoden etablieren. Die Devise lautet nicht mehr „Wie viele Stunden warst du da?”, sondern „Was hast du erreicht?”. Ein fundamentaler Wandel von der Präsenz- zur Ergebniskultur.

Arbeitsmarkt stagniert – Mitarbeiterbindung wird überlebenswichtig

Die am Freitag veröffentlichten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit unterstreichen die Dringlichkeit. BA-Chefin Andrea Nahles gab bekannt: Die Arbeitslosenquote sank im November 2025 minimal auf 6,1 Prozent – ein Rückgang um lediglich 0,1 Prozentpunkte gegenüber Oktober.

Nahles’ Warnung fiel jedoch deutlich aus: Der Arbeitsmarkt bleibe „ohne Schwung”. Mit 111.000 Arbeitslosen mehr als im Vorjahresmonat herrscht faktisch Stagnation. Für Unternehmen entsteht dadurch ein Paradox: Neueinstellungen erfolgen zurückhaltend, doch High Performer zu halten wird teurer und kritischer denn je.

„In einem stagnierenden Markt ist jede freiwillige Kündigung ein finanzielles Desaster”, bringt es Branchenbeobachterin Sarah Klein auf den Punkt. „Effektives Feedback ist das wichtigste Bindungsinstrument. Wer seine Top-Talente nicht digital und regelmäßig erreicht, verliert sie an Headhunter.”

Besonders in wissensintensiven Dienstleistungsbranchen – die sich laut BA stabilisieren, während das verarbeitende Gewerbe weiter Stellen abbaut – erweisen sich digitale Feedback-Schleifen als wirksamstes Mittel gegen Burnout und stille Kündigungen.

Drei Methoden für die Ära der Wochenarbeitszeit

Angesichts dieser Gemengelage setzen HR-Verantwortliche auf konkrete digitale Feedback-Strategien:

Digitale „Pulse Checks” mit KI-Stimmungsanalyse

Statt jährlicher Mitarbeiterbefragungen nutzen deutsche Firmen zunehmend KI-gestützte Tools. Diese senden kurze, häufige Fragen an Beschäftigte: „Hast du die nötigen Ressourcen für diese Woche?”

Warum das jetzt funktioniert: Bei wöchentlichen Arbeitszeitmodellen sieht eine Führungskraft Teammitglieder möglicherweise drei Tage lang nicht. Ein digitaler Puls liefert sofortige Einblicke – ohne Meeting-Marathon.

Rechtsexperten der Kanzlei Taylor Wessing beobachteten Anfang November 2025 einen Anstieg „KI-gestützter Beschwerden”. Mitarbeiter erwarten mittlerweile, dass auf digitales Feedback umgehend reagiert wird – nicht erst beim Quartalsgespräch.

Asynchrones Video-Feedback

Textbasiertes Feedback birgt Missverständnisrisiken – im deutschen Arbeitsrecht ein heikler Punkt, wo „konstruktive Kritik” klar von formellen Abmahnungen unterschieden werden muss.

Die Methode: Vorgesetzte nehmen zwei- bis dreiminütige Screencasts auf, in denen sie Arbeitsergebnisse besprechen. Mitarbeiter schauen sich diese an, wenn es in ihren flexiblen Zeitplan passt.

Der Vorteil: Die menschliche Komponente – Tonfall, Mimik – bleibt erhalten, während Merz’ Vision flexibler Arbeitszeiten Rechnung getragen wird.

Peer-to-Peer-Anerkennungsplattformen

Mit flacher werdenden Hierarchien reicht Top-down-Feedback nicht mehr aus. Digitale Plattformen, auf denen Kollegen einander „Kudos” oder Mikro-Boni vergeben, gewinnen an Bedeutung.

Die Wirkung: Diese Tools schaffen horizontale Feedback-Kreisläufe, die unabhängig von Führungskräften funktionieren – selbst wenn das Team nie zeitgleich online ist.

Betriebsrat und Datenschutz: Die rechtlichen Hürden

Die Implementierung digitaler Feedback-Systeme erfordert Navigation durch Deutschlands strikte Mitbestimmungsgesetze. Der Betriebsrat hat zwingend ein Mitspracherecht bei technischen Einrichtungen zur Leistungsüberwachung (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG).

Die angestrebte Arbeitszeitflexibilität verkompliziert diese Verhandlungen zusätzlich. Wenn Feedback-Tools gleichzeitig erfassen, wann jemand arbeitet, um die neuen Wochenhöchstgrenzen zu kontrollieren, werden sie zu Überwachungsinstrumenten mit Doppelfunktion.

„Arbeitgeber müssen Performance-Feedback klar von Verhaltensmonitoring trennen”, rät Arbeitsrechtler Dr. Schmidt. „Daten aus digitalen Feedback-Systemen sollten wo möglich anonymisiert und niemals als alleinige Kündigungsgrundlage verwendet werden.”

Zudem dürfen Feedback-Benachrichtigungen um 22 Uhr am Sonntagabend zwar technisch möglich sein – verstoßen aber gegen psychosoziale Gesundheitsrichtlinien und das „Recht auf Nichterreichbarkeit”. Betriebsräte würden solche Praktiken blockieren.

Ausblick 2026: Wer jetzt nicht umbaut, verliert den Anschluss

Die von Kanzler Merz am 28. November angestoßene Debatte wird voraussichtlich bis Anfang 2026 die Gesetzgebung dominieren. Sollte das Wochenarbeitszeitmodell Realität werden, sind die Gewinner jene Unternehmen, die Feedback bereits von physischer Anwesenheit entkoppelt haben.

Für das erste Quartal 2026 ist mit stark steigender Nachfrage nach „Digital-Feedback-Trainings” für Führungskräfte zu rechnen – Schwerpunkt: digitale Empathie und asynchrone Klarheit. Die Tools stehen bereit. Die Herausforderung liegt nun in der kulturellen Anpassung.

Die aktuellen BA-Zahlen zeigen: Der Arbeitsmarkt wartet auf niemanden. Ihre Feedback-Strategie sollte das auch nicht tun.

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