Arbeitswelt, Recht

Arbeitswelt 2026: Das Recht auf Abschalten wird global Realität

07.01.2026 - 09:33:12

Australien und Großbritannien setzen neue Standards für die Arbeitswelt, während Deutschland und die EU noch nachziehen müssen. Das globale Rennen um das „Recht auf Nichterreichbarkeit“ ist in vollem Gange.

Seit August 2025 gilt das australische „Right to Disconnect“ uneingeschränkt für alle Unternehmen. Arbeitnehmer dürfen dienstliche Kontakte nach Feierabend ignorieren, sofern dies nicht „unangemessen“ ist. Was genau das bedeutet, bleibt jedoch ein Streitpunkt. Faktoren wie Dringlichkeit und persönliche Umstände spielen eine Rolle.

Diese flächendeckende Regelung gilt als härtester Eingriff in die moderne „Always-on“-Kultur weltweit. Sie zwingt Firmen, ihre Kommunikation grundlegend zu überdenken. Für die internationale HR-Branche ist Australien damit zum beobachteten Vorreiter geworden.

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Großbritannien setzt auf flexiblen Verhaltenskodex

Anders als Australien verfolgt die britische Labour-Regierung einen weicheren Ansatz. Statt eines strikten Gesetzes soll ein „Code of Practice“ klare Spielregeln für die Nichterreichbarkeit schaffen. Dieser Kodex setzt auf Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und Belegschaft.

Kritiker fragen: Wie wirksam ist ein Verhaltenskodex ohne harte Sanktionen? Dennoch könnte dieser flexible Ansatz für viele europäische Länder als Blaupause dienen, die noch keine eigene gesetzliche Lösung gefunden haben.

Deutschland wartet auf Brüssel

In Deutschland existiert ein explizites gesetzliches Recht auf Abschalten weiterhin nicht. Zwar stärkte das Bundesarbeitsgericht indirekt die Abgrenzung von Arbeit und Freizeit durch die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung. Eine eigene Kodifizierung steht aber aus.

Die Hoffnung liegt auf Europa: Die EU-Kommission arbeitet an einer Richtlinie für Mindeststandards bei Telearbeit und Nichterreichbarkeit. Ein konkreter Vorschlag wird für 2026 erwartet. Bis zur Umsetzung in nationales Recht dürften jedoch noch Jahre vergehen.

In der Zwischenzeit regeln immer mehr deutsche Unternehmen das Thema selbst:
* Große Konzerne wie Volkswagen oder BMW gelten als Vorreiter mit Betriebsvereinbarungen.
* Der Mittelstand zieht nach, um im Wettbewerb um Fachkräfte attraktiv zu bleiben.
* Beliebte Maßnahmen sind Serverabschaltungen nach Feierabend oder klare Kommunikationsregeln.

Produktivität oder Bürokratie?

Die Debatte über die wirtschaftlichen Folgen ist entbrannt. Kritiker warnen vor starrer Bürokratie, die flexible Arbeitsmodelle – etwa für Eltern – behindern könnte. Sie fürchten den Verlust von Autonomie.

Befürworter und Arbeitspsychologen kontern: Ständige Erreichbarkeit ist ein Haupttreiber für Burnout. Studien zeigen, dass klare Grenzen die Erholung fördern und so die Produktivität in der Arbeitszeit steigern.

Die Technologiebranche reagiert bereits auf den Trend. Neue HR-Software bietet Funktionen, die das Versenden von E-Mails außerhalb der Arbeitszeit automatisch verzögern. Die Technik, die einst die ständige Erreichbarkeit ermöglichte, wird nun zu ihrem Gegenspieler.

Was 2026 entscheidet

Drei Entwicklungen werden das Jahr prägen:
1. Erste Gerichtsurteile in Australien werden definieren, was eine „unangemessene“ Kontaktaufnahme ist. Diese Urteile werden international als Referenz gelten.
2. Der Druck auf die EU wächst, ihre Richtlinie voranzutreiben, um eine Zersplitterung des Binnenmarktes zu verhindern.
3. In Deutschland wird das Recht auf Abschalten zum wichtigen Faktor im Employer Branding. Unternehmen, die proaktiv Schutzräume schaffen, punkten im Kampf um Talente.

Das Recht, nach Feierabend abzuschalten, verlässt 2026 endgültig den Status der theoretischen Debatte. Es wird zur gelebten – und eingeforderten – Realität in der globalen Arbeitswelt.

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