Anthropic: Musikverlage fordern Milliarden für KI-Training
31.01.2026 - 22:15:11Das KI-Unternehmen Anthropic wird von großen Musikverlagen auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagt. Der Vorwurf: Claude soll mit illegal beschafften Songtexten trainiert worden sein.
San Francisco – Der Rechtsstreit um die Trainingsdaten für Künstliche Intelligenz eskaliert erneut. Nur wenige Monate nach einem historischen 1,5-Milliarden-Euro-Vergleich mit Buchautoren sieht sich Anthropic, der Entwickler des KI-Assistenten Claude, mit einer neuen Klage konfrontiert. Drei große Musikverlage, darunter Universal Music Publishing, fordern nun potenziell über 2,7 Milliarden Euro Schadensersatz. Der Kern des Vorwurfs: Das Unternehmen soll zehntausende urheberrechtlich geschützte Songtexte von illegalen Piraterie-Websites bezogen haben, um seine KI zu trainieren. Dieser Fall könnte zum Präzedenzfall für die gesamte Tech-Branche werden.
Piraterie-Vorwürfe als juristische Keule
Die Klage, die Ende Januar bei einem Gericht in Kalifornien eingereicht wurde, stellt eine deutliche Verschärfung dar. Die Verlage werfen Anthropic vor, die Rechte an mehr als 20.500 Songs verletzt zu haben – darunter Weltklassiker wie „Wild Horses“ von den Rolling Stones. Der entscheidende neues Vorwurf: Das Training soll nicht mit legal erworbenen, sondern mit raubkopierten Texten aus dem Netz erfolgt sein.
Passend zum Thema gesetzlicher Regelungen für KI: Seit August 2024 gelten neue Pflichtanforderungen für KI-Systeme — von Risikoklassen über Kennzeichnungspflichten bis zur ausführlichen Dokumentation. Unternehmen, Entwickler und Anbieter stehen vor neuen Nachweispflichten, die bei Verstößen empfindliche Konsequenzen nach sich ziehen können. Unser kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt praxisnah, welche Pflichten jetzt gelten und wie Sie Ihr System rechtssicher einordnen und dokumentieren. Jetzt kostenlosen KI-Leitfaden anfordern
Diese Unterscheidung ist juristisch brisant. US-Gerichte haben in der Vergangenheit angedeutet, dass das Training mit legal beschafften Inhalten unter Umständen als „Fair Use“ gelten könnte. Die Nutzung illegaler Quellen hingegen stellt eine klare Urheberrechtsverletzung dar. Genau diese Schwachstelle attackieren die Kläger nun. Sie nutzen eine rechtliche Vorlage, um Anthropic in die Defensive zu drängen.
Teures Déjà-vu: Das Muster wiederholt sich
Für Anthropic wirkt die Klage wie ein teures Wiederholungsspiel. Im September 2025 hatte sich das Unternehmen gerade erst mit Tausenden Buchautoren geeinigt und 1,5 Milliarden Euro gezahlt. Auch damals lautete der Vorwurf, Millionen geschützter Bücher von Schattenbibliotheken wie Library Genesis für das KI-Training genutzt zu haben.
Dokumente aus diesem Verfahren belasten Anthropic zusätzlich. Unter dem Codenamen „Project Panama“ kaufte das Unternehmen demnach massenhaft physische Bücher, um sie zu scannen. Ein Mitgründer soll sogar angeordnet haben, Millionen Bücher von einer illegalen Seite herunterzuladen. Diese Enthüllungen schwächen die Verteidigungsposition im aktuellen Musikrechte-Streit erheblich.
Fair Use vs. Urheberrecht: Der Kernkonflikt
Im Zentrum steht die grundsätzliche Frage: Darf eine KI mit urheberrechtlich geschütztem Material trainiert werden? KI-Entwickler argumentieren mit dem transformativen Charakter: Die Modelle würden die Werke nicht kopieren, sondern aus ihnen lernen, um Neues zu schaffen. Rechteinhaber kontern, dass bereits das massenhafte Kopieren für den Trainingsdatensatz eine Rechtsverletzung ist – unabhängig vom späteren Output.
Die jüngsten Entwicklungen deuten an, dass Gerichte immer genauer auf die Herkunft der Daten schauen. Die systematische Nutzung von Raubkopie-Seiten wird kaum zu rechtfertigen sein. Anthropic selbst hatte zuletzt betont, Claude gebe geschützte Texte nur in Ausnahmefällen aus und man habe Schutzmaßnahmen implementiert.
Ein Wendepunkt für die gesamte KI-Industrie
Die Klage ist mehr als ein Einzelfall. Sie ist Teil einer Flut von Rechtsstreits, die die Regeln für generative KI neu schreiben. Konkurrenten wie OpenAI und Meta sehen sich ähnlichen Vorwürfen von Autoren, Künstlern und Medienhäusern gegenüber.
Die Botschaft an die Branche ist klar: Die Zeit der unlizenzierten Datennutzung könnte bald vorbei sein. Die milliardenschweren Forderungen und Vergleiche erhöhen den Druck, legale Wege für das Training zu finden – etwa durch Lizenzvereinbarungen. Für die Kreativwirtschaft geht es um nicht weniger als die Durchsetzung ihrer Rechte und eine faire Vergütung im KI-Zeitalter. Die Tech-Riesen stehen vor der Herausforderung, ihre Innovationskraft mit dem Respekt vor geistigem Eigentum in Einklang zu bringen.
PS: Wollen Sie rechtliche Risiken beim KI-Training vermeiden? Der gratis Leitfaden zur EU-KI-Verordnung fasst die wichtigsten Übergangsfristen, Kennzeichnungspflichten und Dokumentationsanforderungen kompakt zusammen und zeigt konkrete Maßnahmen zur Risikominimierung. Speziell für Entwickler und Compliance-Verantwortliche: Checklisten und Praxisbeispiele für die Einordnung von Trainingsdaten und die Vermeidung von Haftungsfallen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zur KI-Verordnung herunterladen


