Ausland, Militär

Verteidigungsminister rechnet nicht mit steigendem Wehretat 2024

18.06.2023 - 05:03:32

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) geht nicht davon aus, dass der Verteidigungsetat im kommenden Jahr steigen wird.

"Angesichts der äußerst schwierigen Finanzlage bin ich ehrlich gesagt nicht sehr zuversichtlich", sagte er dem Nachrichtenportal T-Online auf die Frage, wie zuversichtlich er sei, dass er 2024 mehr Geld zur Verfügung habe als die rund 50 Milliarden Euro in diesem Jahr. Rund 20 Milliarden Euro im Haushalt des nächsten Jahres seien bislang nicht gedeckt, darüber hinaus gebe es zusätzliche Anmeldungen weiterer Ressorts, so Pistorius.

Ihm sei es angesichts dieser schwierigen Rahmenbedingungen wichtig, dass er inklusive des "Sondervermögens" im nächsten Jahr zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für militärische Ziele ausgeben könne. Der Frage, wie hoch der Etat 2024 denn sein müsse, damit dieses Ziel auch erreicht werde, wich er mit dem Hinweis auf die laufenden Gespräche aus. "Entscheidend ist für mich, dass ich nichts einsparen muss", so Pistorius. Öffentlich hatte der Verteidigungsminister zuletzt immer wieder gefordert, der jährliche Haushalt müsse um knapp zehn Milliarden auf rund 60 Milliarden Euro steigen. "Es wäre ein wichtiger erster Schritt, wenn wir als einziges Ministerium jetzt kein Geld einsparen müssten", so der SPD-Politiker. Zugleich wies der Verteidigungsminister aber darauf hin, dass allen klar sein müsse, dass eine "besser aufgestellte Bundeswehr" auch Geld koste. Deshalb bleibe die Finanzierung des laufenden Betriebs - angesichts eines erhöhten Aufwandes und gestiegener Preise - eine Herausforderung. Mit Blick auf die Haushaltsberatungen sagte er: "Deshalb könnte ich mit dem sich abzeichnenden Ergebnis ehrlicherweise nicht zufrieden sein." Seit 2014 ist der Verteidigungshaushalt von rund 32 auf über 50 Milliarden Euro gestiegen, damit war er zuletzt der siebtgrößte weltweit. Zudem lehnt Pistorius eine verpflichtende Musterung für junge Leute ab. Stattdessen hält er es für "sinnvoller", junge Menschen für einen Freiwilligen-Wehrdienst zu gewinnen. Deshalb wolle er künftig mehr Möglichkeiten anbieten, kurzzeitig in die Bundeswehr "hineinzuschnuppern": "Junge Frauen und Männer könnten für eine gewisse Zeit am Truppenalltag teilnehmen, quasi wie bei einem Praktikum, dabei die Abläufe und verschiedene Bereiche kennenlernen." So könne man das Interesse junger Menschen an einer Verpflichtung wecken. "Wir prüfen gerade, unter welchen Bedingungen so etwas möglich sein könnte", so der Minister. Auch andere Modelle der freiwilligen Nachwuchsrekrutierung hält Pistorius für diskussionswürdig. Dazu gehört für ihn auch die Aufnahme von EU-Bürgern in die deutsche Armee, wie es Frankreich und Spanien bereits ermöglichen. "Der Ansatz ist interessant", sagte er. Dafür müsse aber das Soldatengesetz geändert werden: "Ich könnte mir vorstellen, dass es dafür sogar eine Mehrheit im Bundestag gibt. Für zivile Bedienstete gibt es diese Möglichkeit in der Bundeswehr übrigens auch jetzt schon." Auch die Aufnahme von in Deutschland geborenen Migranten ohne deutschen Pass in die Bundeswehr schließt Pistorius nicht aus: "Prinzipiell ist für mich auch vorstellbar, dass jemand ohne deutschen Pass in die Bundeswehr kommt." Er lehne es aber ab, dies mit der Aussicht auf die Staatsbürgerschaft zu verbinden: "Ich halte es aber für falsch, wie es einige diskutieren, die Staatsbürgerschaft nach einer bestimmten Zeit in der Bundeswehr quasi als "Prämie" zu vergeben. Das sollte nicht gekoppelt sein."

dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

@ dts-nachrichtenagentur.de

Weitere Meldungen

Nato-General: Allianz will an Ostflanke heiße Zone einrichten Die Nato will in den kommenden zwei Jahren an der Grenze zu Russland massiv aufrüsten und deutlich mehr Waffen einlagern."Wir werden spürbar größere Vorräte als bisher in den Nato-Grenzstaaten zu Russland sehen, dazu gehören beispielsweise Waffen- und Munitionsdepots zur Wiederbewaffnung der Verteidigungssysteme in der automatisierten Zone, aber auch zur Ausrüstung der Nato-Streitkräfte", sagte Brigadegeneral Thomas Lowin, Vizechef des Stabes für Operationsführung im Nato-Landkommando in Izmir (TRK), der "Welt am Sonntag".Zudem will die Nato laut Lowin "ein komplexes, mehrschichtiges Verteidigungssystem entlang der Grenze zu Russland und Weißrussland aufbauen und zur Verteidigung nicht nur konventionelle Truppen einsetzen, sondern durch Hindernisse und den Einsatz von Technik eine roboterisierte oder automatisierte Zone im grenznahen Bereich zum Gegner schaffen, die dieser dann erst einmal überwinden muss".Mit Lowin spricht erstmalig ein Nato-General öffentlich über das neue Verteidigungskonzept, das "Eastern Flank Deterrence Line" (EDFL) genannt wird. (Ausland, 24.01.2026 - 08:26) weiterlesen...

Merz betont transatlantische Gemeinsamkeiten im Grönland-Konflikt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich im Grönland-Konflikt diplomatisch gezeigt und transatlantische Gemeinsamkeiten betont.Dass die US-Regierung in den letzten Tagen vehement einen größeren Einfluss in Grönland gefordert habe, um Sicherheitsbedrohungen im hohen Norden entgegenzuwirken, zeige, dass die USA Bedrohungen durch Russland in der Arktis ernstnähmen, sagte Merz am Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.Dabei verlagerte er den Fokus in der Bedrohung Grönlands von den USA auf Russland und China. (Ausland, 22.01.2026 - 10:07) weiterlesen...