Einigung auf UN-PlastikmĂŒll-Vertrag bleibt ungewiss
15.08.2025 - 06:35:03Offenbar sieht der Konferenzvorsitzende aber eine Chance fĂŒr eine Einigung. Deshalb hat er die Plenarsitzung der rund 180 LĂ€nder am Donnerstag um kurz vor Mitternacht fĂŒr einige Stunden unterbrochen. Es sollte am Freitag weitergehen.
"Der Prozess in Genf entwickelt sich immer mehr zur Farce", meinte ein deutscher Vertreter der Umweltstiftung WWF, Florian Titze. Eine Einigung auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner sei keine Lösung "fĂŒr die globale Plastikkrise". Der WWF rief LĂ€nder wie Deutschland und gut 100 weitere, die einen ehrgeizigen Vertrag wollen, auf, als "Koalition der Willigen" neue Verhandlungen auĂerhalb dieser UN-BemĂŒhungen aufzunehmen.
Undurchsichtige Verhandlungen
Entgegen seinem Versprechen gelang es dem Vorsitzenden Luis Vayas Valdivieso am Donnerstag nicht, einen neuen Kompromissvorschlag fĂŒr den Vertragstext vorzulegen. Sein Versuch von Mittwoch mit einem in den Augen vieler weichgespĂŒlten Text ohne jegliche Ambitionen war von Dutzenden LĂ€ndern abgelehnt worden.
Er hatte dem Vernehmen nach in einem kleinen Kreis mit gut einem Dutzend LĂ€ndern, die in ihrer jeweiligen Regionalgruppe Gewicht haben, den ganzen Tag versucht, einen neuen Text auf die Beine zu stellen. Welche AnnĂ€herungen es dabei gegeben hat, weiĂ niemand. Alles findet hinter verschlossenen TĂŒren statt. Es hieĂ aber inoffiziell, es sei Bewegung in die GesprĂ€che gekommen.
Die Frist zur Fertigstellung des Vertragstexts lief nach dreijĂ€hrigen Verhandlungen und der zehntĂ€gigen Abschlussrunde in Genf eigentlich bis nur Donnerstag. Sollte es noch zu einer Einigung kommen, mĂŒsste der Text bei einer spĂ€teren diplomatischen Konferenz erst noch unterzeichnet werden. Mit den nötigen Ratifizierungen in den nationalen Parlamenten dĂŒrfte es einige Jahre dauern, ehe er in Kraft treten könnte.
Ehrgeizige LĂ€nder und Bremser streiten
Ziel ist ein rechtlich verbindlicher Vertrag, um die Unmengen von Plastikabfall, die Ăkosysteme zerstören und die Gesundheit der Menschen gefĂ€hrden, einzudĂ€mmen. Der Vertrag soll den gesamten Lebenszyklus des Plastiks umfassen, von der Produktion ĂŒber das Design bis zum Umgang mit Abfall.
Streit ĂŒber den Text findet im Wesentlichen zwischen zwei Gruppen statt: Deutschland und mehr als 100 weitere LĂ€nder wollen die Plastikproduktion auf ein nachhaltiges Niveau begrenzen, Einwegplastik wie Besteck, Becher und Verpackungen aus dem Verkehr ziehen und auf wiederverwendbare Produkte, Recycling und Kreislaufwirtschaft setzen. Dagegen stehen LĂ€nder, die den Rohstoff fĂŒr das Plastik haben: Ăl. Darunter sind Saudi-Arabien, der Iran und Russland. Diese Staaten tun alles, um ProduktionsbeschrĂ€nkungen zu verhindern.
Plastik vermĂŒllt Meere, Umwelt und Luft, tötet Fische und andere Lebewesen und gefĂ€hrdet die menschliche Gesundheit. Kleinste Partikel werden vermehrt in Organen und auch im Gehirn gefunden.

