Gewerkschaftschef gegen Reform der Arbeitszeit
03.08.2025 - 14:18:26"Zur Not werden wir die Frage der Flexibilisierung der Arbeitszeit vor deutsche und europÀische Gerichte bringen", sagte der Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) der Deutschen Presse-Agentur.
In der Industrie seien die Möglichkeiten zur Flexibilisierung heute schon weitgehend ausgereizt. "Das Zweite ist: Da, wo die TarifvertrĂ€ge gelten, hĂ€tte eine Ănderung des Arbeitszeitgesetzes gar keine Auswirkung, weil der jeweilige Tarifvertrag gilt." Aber der Druck der Arbeitgeber wĂŒrde steigen.
"Dramatisch wÀren die Folgen allerdings auf die BeschÀftigten, die jetzt schon keinen Schutz durch TarifvertrÀge haben. Das spaltet die Arbeitnehmerschaft weiter", sagte Vassiliadis. "Der dritte Punkt: Wir werden das in den Berufsgenossenschaften thematisieren. Wir wissen aus Studien, dass ab der achten Stunde Arbeitszeit das Unfallrisiko steigt. Das ist etwa bei Anlagen in der Chemieindustrie keine gute Idee. Das andere ist der Gesundheitsschutz."
Koalition will wöchentliche Höchstarbeitszeit ermöglichen
Im Koalitionsvertrag von Union und SPD heiĂt es, die Arbeitswelt sei im Wandel. BeschĂ€ftigte und Unternehmen wĂŒnschten sich mehr FlexibilitĂ€t. "Deshalb wollen wir im Einklang mit der europĂ€ischen Arbeitszeitrichtlinie die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer tĂ€glichen Höchstarbeitszeit schaffen - auch und gerade im Sinne einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf." Zur konkreten Ausgestaltung begann ein Dialog mit den Sozialpartnern.
ArbeitgeberprÀsident Rainer Dulger hatte eine schnelle Reform des Arbeitszeitgesetzes gefordert. "Eine wöchentliche Höchstarbeitszeit passt besser in das Zeitalter der Digitalisierung als die strikte tÀgliche Höchstarbeitszeit", sagte Dulger der dpa. "Wir brauchen das in Deutschland jetzt endlich auch."
Das Gesetz sieht vor, dass die tĂ€gliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer acht Stunden nicht ĂŒberschreiten darf. Sie kann unter bestimmten Voraussetzungen auf bis zu zehn Stunden verlĂ€ngert werden. Nach Beendigung der tĂ€glichen Arbeitszeit mĂŒssen Arbeitnehmer eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden haben - eine VerkĂŒrzung auf zehn Stunden ist unter Voraussetzungen möglich etwa in KrankenhĂ€usern, in Verkehrsbetrieben oder GaststĂ€tten.
Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi hatte gesagt, eine Abschaffung des regulĂ€ren Achtstundentags gehe an der RealitĂ€t der BeschĂ€ftigten völlig vorbei. Schon heute leisteten die Menschen in Deutschland zahlreiche Ăberstunden, viele davon unbezahlt. Schon heute vereinbarten die Sozialpartner in Tausenden TarifvertrĂ€gen flexible Arbeitszeiten.

