Rasanter Sieg in Iowa: Trump dominiert erste Vorwahl im US-Wahljahr
16.01.2024 - 07:07:40Mehrere US-Fernsehsender erklĂ€rten den Ex-PrĂ€sidenten am Montagabend (Ortszeit) schon gut 30 Minuten nach dem Start der Abstimmung zum Sieger. Die Entscheidung in Iowa fiel nicht in Wahllokalen, sondern bei kleinen Parteiversammlungen, sogenannten Caucus-Treffen. Die liefen noch, als Trumps Sieg bereits verkĂŒndet wurde. Den zweiten Platz - mit deutlichem Abstand hinter Trump - holte Floridas Gouverneur, Ron DeSantis. Die frĂŒhere US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, landete an dritter Stelle. Die beiden lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz zwei.
Die Ergebnisse aus Iowa
Den Berechnungen des Senders CNN zufolge holte Trump mehr als 50 Prozent der Stimmen. DeSantis und Haley lagen etwa 30 Prozentpunkte dahinter: sehr nah beieinander, DeSantis jedoch mit knappem Vorsprung vor Haley. Noch mal weit abgeschlagen dahinter auf dem vierten Platz landete der Unternehmer Vivek Ramaswamy, der noch in der Nacht (Ortszeit) aus dem Rennen ausstieg und sich hinter Trump stellte.
Der Ex-PrĂ€sident war als eindeutiger Favorit in das Rennen gegangen - sein Erfolg in Iowa an sich kam also nicht ĂŒberraschend. Der 77-JĂ€hrige lag in Umfragen in Iowa, aber auch in anderen Bundesstaaten und auf nationaler Ebene in den vergangenen Wochen durchgehend mit groĂem Abstand vor Haley und DeSantis. Haley war vor Monaten sehr schwach in den Wahlkampf gestartet, hatte sich in Umfragen aber nach und nach stetig nach oben gearbeitet. DeSantis wiederum hatte zu Beginn des Wahlkampfes noch als aussichtsreichster interner Konkurrent fĂŒr Trump gegolten - fĂŒr ihn ging es in Umfragen in den vergangenen Monaten jedoch dramatisch bergab. Er dĂŒrfte angesichts des zweiten Platzes in Iowa aufatmen und reagierte mit Genugtuung auf sein Abschneiden. Haley wiederum gab sich kĂ€mpferisch und warnte davor, sie vorzeitig abzuschreiben.
Weiterer RĂŒckenwind fĂŒr Trump
In den USA bestimmt die Parteibasis ihre Kandidatin oder ihren Kandidaten fĂŒr die PrĂ€sidentenwahl. Das Abstimmungsverfahren der Vorwahlen ist komplex und von Staat zu Staat unterschiedlich. Mit der republikanischen Vorwahl in Iowa wurde das Wahljahr offiziell eingelĂ€utet. In einem Bundesstaat nach dem anderen folgen in den kommenden Wochen und Monaten nun die weiteren Vorwahlen. Am 5. November steht schlieĂlich die PrĂ€sidentenwahl an. Iowa hat zwar zahlenmĂ€Ăig geringe Bedeutung fĂŒr die KandidatenkĂŒr. Doch wer in dem kleinen Bundesstaat im Mittleren Westen gut abschneidet, kann mit RĂŒckenwind bei den kĂŒnftigen Abstimmungen rechnen.
Und der ist fĂŒr Trump gewaltig. Seine Getreuen feierten den Sieg des Ex-PrĂ€sidenten in Iowa als "unglaublich" und "historisch". Der prominente republikanische Senator, Lindsey Graham, schrieb auf der Plattform X (frĂŒher Twitter), die Vorwahlen seien nun praktisch "vorbei". Die Republikanerin Elise Stefanik aus der FraktionsfĂŒhrung im US-ReprĂ€sentantenhaus rief die ĂŒbrigen Bewerber auf, auszusteigen, damit sich die Partei hinter Trump versammeln könne. Auf X schrieb sie, die ĂŒbrigen AnwĂ€rter hĂ€tten "keine Chance zu gewinnen".
Trump selbst verzichtete bei einem Auftritt vor AnhĂ€ngern auf groĂes Triumph-Getöse und gab sich zeitweise prĂ€sidial. Er lobte etwa alle seine parteiinternen Mitstreiter als "gescheite" und "fĂ€hige" Leute. "Ich glaube wirklich, dass es jetzt an der Zeit ist, dass alle in unserem Land zusammenkommen", sagte er. "Es wĂ€re so schön, wenn wir uns zusammentun könnten, um die Welt in Ordnung zu bringen."
Vorwahl bei Schnee und EiseskÀlte
Die Caucus-Treffen in Iowa fanden am Montagabend an ganz verschiedenen Orten bei extremer KĂ€lte statt. Die AnhĂ€nger der Republikaner kamen trotz Temperaturen von minus 20 Grad und mehr in Kirchen oder GemeindesĂ€len zusammen, um fĂŒr ihren Favoriten oder ihre Favoritin zu stimmen. Ein Wintersturm hatte den Wahlkampf in Iowa im Endspurt stark beeintrĂ€chtigt - etliche Veranstaltungen wurden deswegen in den vergangenen Tagen abgesagt. Auf den Sturm folgte dann extreme KĂ€lte, der Wetterdienst warnte vor "lebensgefĂ€hrlichen" Bedingungen. Zwischenzeitlich hatte es BefĂŒrchtungen gegeben, dass das extreme Wetter Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung und auf den Ausgang haben könnte. Doch dazu kam es nicht, und Trump triumphierte.
Daran Ă€ndern auch die vielen Skandale und juristischen VorwĂŒrfe gegen den Ex-PrĂ€sidenten nichts. Trump ist zwar mitten im Wahlkampf mit vier strafrechtlichen Anklagen konfrontiert - unter anderem wegen seines Feldzuges gegen seine Niederlage bei der PrĂ€sidentenwahl 2020, der damals in der beispiellosen Attacke seiner AnhĂ€nger auf das US-Kapitol gipfelte. All das tut der Beliebtheit des Republikaners in seiner Partei bislang aber keinen Abbruch. Trump hatte bei der Wahl 2020 gegen den Demokraten Joe Biden verloren. Seine Niederlage erkennt er aber bis heute nicht an, sondern verbreitet weiter LĂŒgen, er sei damals durch Wahlbetrug um einen Sieg gebracht worden.
Bei den Demokraten will Biden im November fĂŒr eine zweite Amtszeit antreten. Als Amtsinhaber hat der 81-JĂ€hrige bei den parteiinternen Vorwahlen keine ernstzunehmende Konkurrenz.
Alle Augen richten sich nun auf New Hampshire, wo in der kommenden Woche die zweite Vorwahl der Republikaner ansteht. In Umfragen schneidet Haley dort vergleichsweise stark ab und liegt deutlich nÀher an Trump. Die als etwas moderater geltende Republikanerin erinnerte vor AnhÀngern an ihre Aufholjagd der vergangenen Monate und riet dazu, die Abstimmung in New Hampshire abzuwarten. Die Menschen im Land wollten keine Neuauflage des Rennens zwischen Biden und Trump- und sie sei die einzige, die diesen "Alptraum" verhindern könne.

