Berlin, Deutschland

Sie war «die Lütte»: Angelika Mann ist tot

23.01.2026 - 12:25:04

Weil sie 1,49 Meter groß war, wurde sie «die Lütte» (die Kleine) genannt. Auf der Bühne war Angelika Mann extrem präsent - als Schauspielerin und Sängerin.

  • Ob als Sängerin oder Schauspielerin: Angelika Mann liebte das Rampenlicht. (Archivbild) - Foto: Soeren Stache/dpa

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  • Erst schlug sie einen anderen Weg ein: eine Ausbildung zur Apothekerin. (Archivbild) - Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

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  • Angelika Mann in der Rolle als «Märchenrätselhexe» während einer Fernsehproduktion. (Archivbild) - Foto: picture alliance / dpa

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Ob als Sängerin oder Schauspielerin: Angelika Mann liebte das Rampenlicht. (Archivbild) - Foto: Soeren Stache/dpaErst schlug sie einen anderen Weg ein: eine Ausbildung zur Apothekerin. (Archivbild) - Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZBAngelika Mann in der Rolle als «Märchenrätselhexe» während einer Fernsehproduktion. (Archivbild) - Foto: picture alliance / dpa

Wegen ihrer Körpergröße von 1,49 Metern ist sie «die Lütte» genannt worden: Angelika Mann ist eine der bekanntesten Künstlerinnen mit DDR-Wurzeln gewesen. Nun ist die Sängerin und Schauspielerin im Alter von 76 Jahren gestorben, wie ihre Familie der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Mehr als ein halbes Jahrhundert stand sie auf der Bühne, auch als Kabarettistin und Moderatorin.

Auf ihrer Internetseite hieß es über sie: «Klein an Gestalt, jedoch mit kaum zu zügelnder Berliner Schnauze, voluminöser Stimme und herausragender Bühnenpräsenz unterhält sie ihr Publikum als eine ganz "Große"». Doch um ein Haar wäre Mann kein DDR-Star geworden - denn bei ihrer Geburt am 13. Juni 1949 lebten ihre Eltern im Westen Berlins.

Dann bekam ihr Vater, ein Arzt, eine Stelle im Berliner Stadtteil Buch. Die Familie zog in den Osten um. Im Spätsommer 1961 wollte ihre Mutter zurück in den Westen. Ein Grund: «Wir lebten in ständiger Angst.» Das schrieb Mann in ihrer Autobiografie «Was treibt mich nur», die 2013 erschien. Aber: Der Mauerbau kam der lang geplanten Republikflucht zuvor.

Täglich acht Stunden Klavier geübt

Musik spielte für die Berlinerin schon früh eine wichtige Rolle. Als Kind übte sie bis zu acht Stunden täglich Klavier, als Teenager hörte sie Bach und Beatles. Doch nach dem Abschluss der Schule absolvierte die quirlige Medizinertochter eine Lehre in einer Apotheke. Sie liebte den Publikumskontakt, wie sie selbst in dem Buch beschrieb. In der Mittagspause sang die junge Frau ihren Kollegen die neuesten Schlager vor.

Eines Abends trat Udo Jürgens im Friedrichstadtpalast auf. Mit weißem Kittel und kaputter Strumpfhose fuhr die künftige Apothekerin in einer Mittagspause zum Hotel - und wurde von Jürgens mit hineingenommen. Sie stand damals auch selbst schon regelmäßig auf der Bühne, am Wochenende in einem der DDR-Tanzsäle. 

In den 1970ern begann ihre Musikkarriere richtig - zunächst an der Seite des Komponisten Reinhard Lakomy. Ihre unverwechselbare Stimme ist etwa auf Lakomys millionenfach verkaufter Kinderschallplatte «Traumzauberbaum» zu hören. Mann sang aber auch mit Manfred Krug und der Jazz-Sängerin Uschi Brüning, war Frontfrau der Band Obelisk und moderierte die Sendung «Rockmusik zum Anfassen» im DDR-Fernsehen.

Eine der bekanntesten und beliebtesten Sängerinnen der DDR 

«Die Lütte» wurde eine der bekanntesten und beliebtesten Sängerinnen der DDR. Dennoch fühlte sie sich in dem Land zunehmend unwohl. «Die Situation in der DDR war schon seit langem recht trostlos. ... Seit Jahren kämpfte man immer um dieselben Dinge: Texte, Musik, Klamotten, Auftritte, Musikinstrumente», schrieb sie in ihrer Autobiografie. Sie wurde auch drangsaliert, weil sie die Petition gegen die Biermann-Ausbürgerung mit unterschrieben hatte. 

Im Mai 1984 stellte die Künstlerin einen Ausreiseantrag. Costa Cordalis, der gerade auf DDR-Tournee war, gab sie ihren Flügel mit - ein Jahr später folgte sie selbst samt Ehemann. Im Westen fasste «die Lütte» bald wieder Fuß. Am Theater des Westens wurde sie als Lucy in der Dreigroschenoper bejubelt, trat bei Theater-, Kabarett- und Musical-Produktionen auf.

«Ich bekam von ihr die erste Bodylotion meines Lebens»

1987 durfte sie zusammen mit Caterina Valente auf der Bühne stehen, einem ihrer großen Idole. «Ich bekam von ihr die erste Bodylotion meines Lebens geschenkt - ganz feines Zeug von Armani», erzählte Mann später. 

Nach dem Mauerfall kehrte sie dennoch gerne wieder zurück in den Osten Deutschlands - und auf viele Bühnen dort. So war sie in der Comödie Dresden im Theaterstück «Kalender Girls» unter anderem an der Seite von Viktoria Brams, Ursula Karusseit und Uta Schorn zu sehen. Auch vor der Kamera stand sie. In Rosa von Praunheims Film «Der Einstein des Sex» spielte sie einen Mann.

Kampf gegen Krebserkrankung

2008 schilderte Mann in der Zeitschrift «SuperIllu», dass sie wegen eines betrügerischen Steuerberaters in eine tiefe finanzielle und persönliche Krise geraten sei. Wegen hoher Schulden beim Finanzamt habe sie Privatinsolvenz anmelden müssen. 

2021 erlitt die Künstlerin mit dem frohen, optimistischen Wesen einen weiteren Schicksalsschlag: Sie erhielt eine Brustkrebs-Diagnose. Dennoch stand «die Lütte» weiter auf der Theaterbühne, ließ sich nichts anmerken und trug Perücke. Im November 2022 schrieb sie auf ihrer Facebook-Seite, sie habe nun ihre letzte Chemotherapie-Tablette genommen. «Ich bin dankbar und demütig. Ich liebe das Leben.»

2023 sagte sie der «SuperIllu»: «Ich bin im letzten Teil meines Lebens angekommen, da muss man sich gar nichts vormachen. ... Bettwäsche oder Koffer kaufe ich nicht mehr. Ich gebe das Geld lieber für schöne Erlebnisse, eine Reise, Theaterkarten, einen Restaurantbesuch aus.»

@ dpa.de

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