Zum 30. November, USA

Über sechs Jahrzehnte hinweg schreibt und dreht Woody Allen fast jedes Jahr einen Spielfilm.

30.11.2025 - 04:15:10

Eine New Yorker Legende - Woody Allen wird 90. Mit 89 Jahren verfasst er seinen ersten Roman.

  • Woody Allen zieht es zum Drehen nach Europa. (Archivbild)  - Foto: Vianney Le Caer/Invision/AP/dpa

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  • Woody Allen - hier mit Valerie Lemercier (l.) und  Lou de Laage (r.) - hat seinen 50. Film auf Französisch gedreht. (Archivbild)  - Foto: Vianney Le Caer/Invision/AP/dpa

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  • US-Regisseur Woody Allen und Soon-Yi Previn sind seit 1997 verheiratet. (Archivbild) - Foto: Julien Warnand/dpa

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  • Zum großen Bruch zwischen Woody Allen und Mia Farrow kam es 1992. (Archivbild)  - Foto: -/Photoreporters/dpa

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Woody Allen zieht es zum Drehen nach Europa. (Archivbild)  - Foto: Vianney Le Caer/Invision/AP/dpaWoody Allen - hier mit Valerie Lemercier (l.) und  Lou de Laage (r.) - hat seinen 50. Film auf Französisch gedreht. (Archivbild)  - Foto: Vianney Le Caer/Invision/AP/dpaUS-Regisseur Woody Allen und Soon-Yi Previn sind seit 1997 verheiratet. (Archivbild) - Foto: Julien Warnand/dpaZum großen Bruch zwischen Woody Allen und Mia Farrow kam es 1992. (Archivbild)  - Foto: -/Photoreporters/dpa

  Wenn Woody Allen in Interviews über ein ernstes Thema wie den Tod spricht, gibt er oft eine witzige Antwort. Als der New Yorker Regisseur kürzlich im Podcast des US-Moderators Bill Maher über das Ende des Universums sinnierte, sagte Allen, er werde lange vor dem Universum auseinanderfallen. Schließlich sei er bald 90 Jahre alt - «und ich plane, in den nächsten Jahren zu sterben», fügte er augenzwinkernd hinzu. Am 30. November feiert der Regisseur seinen runden Geburtstag. 

Sein bissiger Witz hat mit dem Alter nicht abgenommen. Er habe sehr viel Glück gehabt mit den guten Genen und der Langlebigkeit seiner Eltern, sagte Allen in dem Podcast. Aber er habe schon 95-Jährigen gratuliert, wie fit und rüstig sie seien - «und alles ist großartig, und im nächsten Moment sind sie tot». 

Roman-Autor mit 89 Jahren

Das Multitalent (Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler) hinter Meisterwerken wie «Der Stadtneurotiker», «Manhattan», «Hannah und ihre Schwestern», «Vicky Cristina Barcelona» und «Blue Jasmine» übernahm noch mit 89 Jahren eine neue Rolle - als Autor brachte er im September seinen ersten Roman heraus. In «What's with Baum?» beschreibt Allen einen von allerlei Unsicherheiten zerfressenen Mann, der stets philosophisch über den Sinn des Lebens grübelt, gerne in Selbstmitleid verfällt und zwischendurch zu dem Schluss kommt, dass ihn niemand versteht außer er selbst. 

Die Romanfigur ist ein jüdischer Journalist und Dramatiker mit Problemen in seiner dritten Ehe und sinkendem Erfolg bei den Kritikern, der auch noch mit Vorwürfen sexueller Belästigung konfrontiert wird. Schnell neigt man dazu, manche Parallele zwischen dem fiktiven Asher Baum und dem Regisseur mit der markanten schwarzen Brille zu finden. Wie Baum ist auch Allen jüdischer Abstammung, lebt in seiner dritten Ehe mit der Adoptivtochter seiner Ex-Partnerin Mia Farrow, Soon-Yi Previn. Allens Erfolg wird zudem von Missbrauchsvorwürfen seiner Adoptivtochter Dylan überschattet. 

Mia Farrow - Muse und Drama

Ein Dutzend Jahre war er mit der Schauspielerin Farrow zusammen, die aus einer früheren Ehe und durch Adoptionen sieben Kinder in die Beziehung mitbrachte. Dreizehnmal holte der Regisseur seine Freundin vor die Kamera, erstmals 1982 für «Eine Sommernachts-Sexkomödie», zuletzt für «Ehemänner und Ehefrauen» (1992). Dazwischen lagen Highlights wie «Zelig», «Hannah und ihre Schwestern» und «Verbrechen und andere Kleinigkeiten».

Gemeinsam adoptierte das Paar weitere Kinder und bekam 1987 schließlich einen Jungen - Ronan Farrow ist inzwischen Pulitzer-Preis-gekrönter Investigativjournalist, der mit seinen Aufdeckungen über den früheren Hollywood-Mogul Harvey Weinstein die «MeToo»-Bewegung gegen sexuelle Bewegung mit angestoßen hatte.

Missbrauchsvorwürfe von Adoptivtochter

Zum großen Bruch kam es 1992. Allen verliebte sich damals in Farrows Adoptivtochter Soon-Yi Previn, mit der er heute verheiratet ist und zwei Töchter adoptierte. Die anschließende Schlammschlacht beherrschte monatelang die Klatschpresse. Auf dem Höhepunkt warfen Farrow und die gemeinsame Adoptivtochter Dylan Allen sexuellen Missbrauch des Kindes vor. Der Regisseur wies die Vorwürfe stets zurück. 

Die Behörden ermittelten damals, es kam aber nicht zu einer Anklage. Das Jugendamt fand keine glaubwürdigen Beweise. Die heute 40 Jahre alte Schriftstellerin Dylan Farrow hält weiter daran fest, die Familie ist völlig gespalten. «Dass ich Dylan nicht aufwachsen sehen durfte, gehört zu den traurigsten Dingen meines Lebens», schrieb Allen 2020 in seinen Memoiren «Ganz nebenbei». 

Einige Schauspieler und Schauspielerinnen waren im Zuge der «MeToo»-Bewegung zu dem Regisseur auf Distanz gegangen. An seine großen Erfolge in den 1970er und 1980er Jahren konnte Allen an den Kinokassen schon lange nicht mehr anknüpfen. Doch für sein Spätwerk entdeckte Allen Europa mit London, Barcelona, Paris oder Rom als Drehorte. 

Liebe für den europäischen Film

«Rifkin's Festival» feierte 2020 seine Weltpremiere auf dem San Sebastián Film Festival, in dem spanischen Ort, wo der Film auch spielt. Sein 50. und bisher letztes Werk, die Gesellschaftssatire «Ein Glücksfall» («Coup de Chance») über eine außereheliche Affäre, drehte Allen in Paris, sein erster Film auf Französisch. Bei den Filmfestspielen in Venedig feierte die Komödie 2023 Premiere. Allen sagte dort, seine Entscheidung, in Frankreich und auf Französisch zu drehen, sei aus seiner lebenslangen Liebe zum europäischen Kino entstanden.

Gibt es einen 51. Film? 

Auch wegen der Missbrauchsvorwürfe gegen ihn hat der Regisseur immer größere Schwierigkeiten, seine Produktionen finanziert zu bekommen, vor allem in den USA. Wird es noch einen 51. Allen-Film geben? «Man weiß ja nie», sagte der Regisseur Mitte Oktober in einem 90-minütigen Gespräch mit zwei US-Journalisten. Vielleicht würde sich ein Geldgeber in einem anderen Land finden. Allen stellte zugleich klar, dass er allein alle künstlerischen Entscheidungen treffe. Ein Finanzier würde weder das Drehbuch noch eine Liste der Schauspieler zu sehen bekommen. 

Allen, der in seinen Film meist den gebildeten, aber glücklosen Verlierer voller Selbstzweifel und Melancholie spielt, stellt auch in dem Interview sein Licht unter den Scheffel. Er habe 50 Filme geschrieben und inszeniert, aber mehr als die Hälfte halte er nicht für gut, betonte der Filmemacher. 

Großer Bogen um Hollywood

Genauso gehört es zu Allen, dass er Preisverleihungen in Hollywood meidet. Er wurde bisher für 24 Oscars nominiert, zuletzt 2014 für das Drehbuch zu «Blue Jasmine». Cate Blanchett gewann damals den Oscar als beste Hauptdarstellerin in seinem Film. 

Allen gewann in seiner langen Karriere vier Oscars, 1978 für Regie und Drehbuch von «Der Stadtneurotiker», der auch zum «Besten Film» gekürt wurde und Hauptdarstellerin Diane Keaton die begehrte Trophäe einbrachte. Weitere Drehbuch-Oscars holte Allen 1987 für «Hannah und ihre Schwestern» und 2012 für «Midnight in Paris» - aber nicht einen davon nahm er persönlich entgegen. 

Nur an einer einzigen Oscar-Gala nahm der Filmemacher teil. Das war 2002, bald nach den Terroranschlägen des 11. September 2001. Damals wurde der gebürtige New Yorker von Hollywood als Botschafter seiner angeschlagenen Heimatstadt auf die Bühne gebeten.

@ dpa.de