STRG_F-Undercover-Recherche, Vergewaltiger

STRG_F-Undercover-Recherche ĂŒberfĂŒhrt Vergewaltiger aus Niedersachsen (NDR / funk)

28.05.2025 - 06:00:00

Hamburg - Ein Mann aus Niedersachsen konnte mindestens 15 Jahre lang immer wieder seine Ehefrau betĂ€uben, vergewaltigen und Videos der Taten öffentlich auf Pornoseiten hochladen, ohne ins Visier der Polizei zu geraten. Das zeigen Recherchen des Reportageformates STRG_F, welches der NDR fĂŒr funk produziert. Erst die STRG_F-Recherche deckte den Fall auf, nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Allein auf einer Pornowebseite generierte der Mann mit den Aufnahmen der Vergewaltigungen seiner bewusstlosen Frau ĂŒber 14 Millionen Aufrufe. Erst Ende 2024 erfuhr sie von den Taten. STRG_F konnte die Spuren des TĂ€ters bis 2006 zurĂŒckverfolgen.

Warum wurde nicht ermittelt? - Polizei Hamburg prĂŒft “mögliche strafrechtliche oder disziplinarische Folgen”

STRG_F-Journalistinnen hatten sich ĂŒber Jahre mit Undercover-Profilen auf öffentlichen Pornoseiten in das Vergewaltiger-Netzwerk eingeschleust und standen in direktem Austausch mit den Nutzern. Bereits im Juli 2023 machte die Redaktion das BKA auf den Nutzer aus Niedersachsen aufmerksam. Dieses teilte mit, den Sachverhalt an die Hamburger Polizei weiterzuleiten. Erst ĂŒber ein Jahr spĂ€ter, und nachdem die Redaktion erneut auf den Nutzer hinwies, leitete die Hamburger Polizei Ermittlungen ein. In der Zwischenzeit wurde die Frau seit August 2024 durchschnittlich alle zwei Wochen betĂ€ubt und vergewaltigt, wie die zustĂ€ndige Staatsanwaltschaft in Niedersachsen jetzt bestĂ€tigte. Die Polizei Hamburg erklĂ€rte, das BKA habe zwar die Mail weitergeleitet, der Vorgang sei „aus noch nicht geklĂ€rten GrĂŒnden“ jedoch nicht bei der Fachdienststelle fĂŒr Sexualdelikte in Bearbeitung gegangen. Es seien interne Verwaltungsermittlungen aufgenommen worden, erklĂ€rte ein Sprecher. Es wĂŒrden in diesem Zusammenhang auch mögliche strafrechtliche oder disziplinarische Folgen geprĂŒft.

Die Ehefrau des TĂ€ters erfuhr erst im Zuge einer Hausdurchsuchung Ende 2024 von den jahrelangen Vergewaltigungen unter BetĂ€ubung. Die Ermittler fanden laut der Frau hunderte Pillen, die unter das BetĂ€ubungsmittelgesetz fielen. “Irgendwann hĂ€tte mein Mann mich getötet”, erzĂ€hlt die Frau im exklusiven Interview mit STRG_F. Bevor der Haftbefehl vollstreckt werden konnte, starb der 60-jĂ€hrige Mann in einem Unfall ohne Fremdeinwirkung.

Auch in anderen FÀllen löste die Recherche Ermittlungen aus. In einem Fall sitzt ein TatverdÀchtiger in Untersuchungshaft in der Schweiz.

Internationales Vergewaltiger-Netzwerk mit vielen deutschen Nutzern

Die Recherche zeigt, wie ein internationales Vergewaltiger-Netzwerk ĂŒber Jahre ungehindert auf öffentlichen Pornoseiten wie “motherless.com” wachsen konnte. Mutmaßliche Vergewaltiger, darunter viele Deutsche, können sich dort vernetzen, Anleitungen teilen und echte Vergewaltigungsvideos hochladen. Die Webseite ist bekannt fĂŒr Vergewaltigungsinhalte. Die Seite schlug bis vor kurzem selbst noch Suchbegriffe wie “Passed Out”, “Drugged” und “Rape” vor. “motherless.com” selbst reagierte nicht auf eine Anfrage der Redaktion, aber der Domainregistrator und –administrator der Webseite leitete eine Antwort weiter. Darin heißt es, dass man die entsprechenden Inhalte angucken wolle und jeden Content entfernen werde, der gegen die Nutzungsbedingungen verstoße.

Der bloße Besitz von Vergewaltigungsaufnahmen von Erwachsenen ist in Deutschland nicht strafbar. Das Bundesjustizministerium erklĂ€rte zur aktuellen Rechtslage: “Das geltende Strafrecht schĂŒtzt diese RechtsgĂŒter umfassend.”

Mehr zur Recherche „Undercover unter Vergewaltigern – Wir finden die TĂ€ter“ ab sofort in der ARD Mediathek und auf dem Youtube-Kanal von STRG_F. (https://youtu.be/CpE0twnQVPE)

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